18.07.2019

Schriesheimer Vielseitigkeitsreiterin: Emma Brüssau ist Europameisterin

Sie haut wieder auf den "Busch"

Von Roland Kern

Schriesheim. Emma Brüssau ist eine schlaue junge Frau, schlagfertig und gescheit. Aber wenn man sie fragt, wie oft sie mit ihren 20 Jahren jetzt schon Europameisterschaften in der Vielseitigkeit geritten ist, muss sie kurz überlegen. Dann antwortet sie, fast selbst überrascht: Sechs Mal in Folge.

Als Ponyreiterin hat sie 2014 erstmals ihren unvergessenen Rocky bei einer "Euro" gesattelt, das war im irischen Millstreet. Seither ist sie in der deutschen Spitze ihrer jeweiligen Altersklasse geblieben - als U18-Juniorin mit Trainingsmittelpunkt im Stall Urban in Schriesheim und als Junge Reiterin (U21) nach ihrem Abitur in Schriesheim, jetzt mit Trainingsstandort im westfälischen Warendorf, der deutschen Reiterzentrale. Ihr Reitausweis ist aber immer noch wie schon immer auf den Reiterverein in Hirschberg-Großsachsen ausgestellt.

Die sechste "Euro", jetzt im niederländischen Maarsberg, war die bislang erfolgreichste. Im Sattel ihrer Stute Dark Desire holte sich Emma Brüssau dort den EM-Einzeltitel nach einer starken Leistung bei widrigen Umständen. Denn starker Regen sorgte vor allem am Geländetag für die eine oder andere eher unwillkommene Abkühlung.

Nachdem das deutsche Team mit der Schriesheimerin nach der Dressur deutlich in Führung gelegen hatte, stürzte die erste deutsche Starterin Anais Neumann mit Pumuckel am Wassereinsprung, und auch für Brüssaus Teamkollegen Jérôme Robiné und Guccimo R. endete die Prüfung nach einem Sturz im Gelände.

Nicht gerade die besten Voraussetzungen also für Emma Brüssau, die sich aber wieder ganz auf den Sieg fokussierte. Mit Dark Desire, ihrer zehnjährigen Rappstute, mit der sie erst vor wenigen Wochen Silber bei den deutschen Meisterschaften geholt hatte, galoppierte die Psychologie-Studentin wie an der Schnur gezogen durch das anspruchsvolle Gelände und konnte sich mit einer Spitzenleistung auf den zweiten Platz vor dem Springen nach vorn arbeiten.

Auch im abschließenden Parcours behielt Emma Brüssau die Nerven und blieb fehlerfrei: Das bedeutete Gold! Der Jubel war riesig, bei der Familie und bei Trainerin Julia Krajewski, die natürlich mitgereist war. Die Olympiareiterin betreut das Nachwuchstalent von der Bergstraße in Warendorf. Emma Brüssau studiert im benachbarten Münster und will dort noch eine Weile bleiben.

Für immer? Das weiß man noch nicht, nur so viel: Im Leben wie im Sport geht es viel um Psychologie.

Copyright (c) rnz-online

Autor: Rhein-Neckar-Zeitung