29.07.2019

Beim "Fairmieten" profitieren beide Seiten

Vermieter können sich auf Einnahmen verlassen, Mieter ein bezahlbares Zuhause finden

Schriesheim. (keke) Auch in Schriesheim benötigen Sozialschwache, alleinerziehende Elternteile, Senioren mit nur geringer Rente, Menschen mit Behinderungen, die auf eine barrierefreie Wohnung angewiesen sind, oder anerkannte Asylsuchende und Flüchtlinge dringend bezahlbaren Wohnraum. Um der Wohnraumknappheit zu begegnen, gibt es seit März unter Federführung des Schriesheimer Sozialamtes das Projekt "Schriese fairmietet".

Auch wenn der Stadtverwaltung die genaue Anzahl leerstehender Wohnungen nicht bekannt ist: "Es gibt sie dennoch in großer Zahl", sagt Bürgermeister Hansjörg Höfer. Das bestätigten die Leiterin des Sozialamtes, Christine Söllner, sowie ihre Kollegin, Bianca Mader. Als "Teamer" in das Projekt mit eingebunden ist Daniel Schollenberger. Ähnliche erfolgreiche Projekte in Baden-Württemberg würden zeigen: Wenn Kommunen und engagierte Bürger zusammenarbeiten, gelingt die Suche und Vermittlung von privatem Wohnraum.

Viele potenzielle Vermieter würden aber mögliche Probleme und vor allem das Risiko scheuen, dass die monatlichen Mietzahlungen ausbleiben könnten, hieß es jetzt beim Treffen der Schriesheimer Akteure. Dabei ist diese Sorge völlig unbegründet. "Ein ’Fairmieter’ wird von der Stadt niemals alleine gelassen", stellte Höfer klar: "Die Stadt übernimmt eine fünfjährige Mietausfall-Garantie".

Wer als Vermieter auf dem Rathaus seine Adresse hinterlässt, spart aber nicht nur Zeit und Geld bei der Suche nach Mietern: "Er kann mit nur wenig Aufwand seinen Leerstand beleben und erfährt bei notwendigen Sanierungsmaßnahmen zusätzlich finanzielle Unterstützung", ergänzte Söllner. Auf der anderen Seite müsse sich der Vermieter aber auch darüber im Klaren sein, dass er seinen Mietpreis an die vorhandenen Mittel des Mieters anpassen muss.

Im Rahmen eines Pressegesprächs stellte die Stadt das Projekt jetzt noch einmal in aller Ausführlichkeit der Öffentlichkeit vor, assistiert von Vermietern, welche die gute Absicht mittlerweile in die gute Tat umgesetzt haben, und einer alleinerziehenden Mutter mit Tochter, die von ihren Erfahrungen berichteten. Eine weitere Wohnung sei "problemlos" an eine siebenköpfige Familie vermietet worden, wie der Hauseigentümer bestätigte.

Wie sich schnell herauskristallisierte: Für Anbieter bedeutet "Fairmieten" eine sichere und langfristige Mieteinnahme, passende Mieter und eine verlässliche Begleitung durch die Stadt. Die Stadt selbst profitiert durch eine günstige und nachhaltige Alternative gegenüber dem aufwendigen Bau und Unterhalt von sozial verträglichen Mietwohnungen. Nicht zuletzt ist "Fairmieten" für Mieter in prekären Lebenssituationen ein Sprungbrett zurück in die Mitte der Gesellschaft. Für eine lebendige Stadtgesellschaft wiederum heißt "Fairmieten": weniger Brennpunkte, bessere Integration und sozialer Frieden. In diesen Punkten waren sich alle einig.

Wie kommt das Prozedere nun aber in die Gänge? Sollten sich Schriesheimer für eine "Fairmietung" entscheiden, beginne der Prozess durch ein Erstgespräch mit einem städtischen Mitarbeiter, sagt Söllner. Anschließend werden in einem Fragebogen die Daten des Vermieters und der Wohnung sowie Wünsche zum Mieter erhoben. Danach besichtigt ein städtischer Mitarbeiter das Objekt. Sollte es Sanierungsbedarf geben, erfolgt eine Begutachtung durch einen Sachverständigen. Sobald diese abgeschlossen ist, beginnt die Vermittlung von Mieter und Vermieter, die sich bei einem Treffen kennenlernen. Als letztes wird der Mietvertrag gestaltet und der Kooperationsvertrag mit der Stadt unterschrieben.

Damit das Ganze reibungslos funktioniert, hat die Stadt mit Janika Steinbach als "aufsuchender Sozialarbeiterin" inzwischen eine Extra-Kraft eingestellt, die bei auftretenden Fragen vor, während und nach der Vermietung allen beteiligten Parteien helfend zur Seite steht.

Die mittlerweile abgeschlossenen "Fairmietverhältnisse" funktionieren reibungslos, wie eine Bestandsaufnahme ergab. Allerdings wissen Höfer und das Sozialamt um eine erschreckend große Zahl von Wohnungssuchenden. 13 alleinerziehende Elternteile, vier ältere Ehepaare und 16 alleinstehende Personen, in der Mehrzahl Seniorinnen mit kleiner Rente, sind derzeit auf dem Rathaus gemeldet.

Mit einer Teddybären-Aktion, für die das "Fairmieten"-Team aktuell nach einem Namen sucht, soll das Projekt noch stärker in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gebracht werden. Voraussetzung für die Inanspruchnahme des Angebots "Schriese fairmietet" ist die Vorlage eines Wohnberechtigungsscheins sowie der Nachweis, bereits zwei Jahre lang in Schriesheim zu leben.

Info: Kontaktaufnahme für Mietinteressenten im Rahmen von "Schriese fairmietet" mit Vorlage eines Wohnberechtigungsscheins über das städtische Sozialamt, Zimmer 102, telefonisch unter der Nummer 06203/602-115 oder per E-Mail an christine.soellner@schriesheim.de.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung