12.08.2019

Kurpfalz-Grundschule Schriesheim: Das sagt die Rektorin über Sozialarbeit, Renovierungen und den Ganztagsbetrieb

Kurpfalz-Grundschule Schriesheim: Das sagt die Rektorin über Sozialarbeit, Renovierungen und den GanztagsbetriebSabine Grimm im RNZ-Interview - "Manche Eltern regeln alles für ihre Kinder"

"Das halbe Jahr, in dem wir ohne Schulsozialarbeiterin auskommen mussten, haben wir gespürt", sagt Sabine Grimm, Leiterin der Kurpfalz-Grundschule. Foto: Dorn

Von Maren Schenk

Schriesheim. Die neuen, bunten Eingangstüren zur Grundschule sind inzwischen benutzbar. In der Aula des Gebäudes sind aber noch Bauarbeiten im Gange, als die RNZ die Leiterin der Kurpfalz-Grundschule, Sabine Grimm, zum Interview trifft.

Frau Grimm, was wird in der Aula derzeit noch gebaut?
Das neue Büro der Schulsozialarbeiterin und das erweiterte Lehrerzimmer sind schon fertig, aber einige Deckenbereiche in der Aula sind noch abgehängt, um neue Kabel zu verlegen. Außerdem sind noch Brandschutzmaßnahmen im Eingangsbereich zu ergänzen. Und gerade wird die Technik für den Schulgong und Durchsagen verändert und geprüft.

Sind weitere Maßnahmen geplant?
Zuerst werden die im Sommer 2018 begonnenen Maßnahmen beendet, dann sollen sukzessive weitere Maßnahmen durchgeführt werden, zum Beispiel wird ein Wasserspender für alle Grundschüler aufgestellt. Was uns besonders freut: Es sind noch Gelder für die Grundschule vorhanden, die für Ausstattung und Mobiliar für das Lehrerzimmer und für einen Konferenzbereich eingesetzt werden.

Sehr schön sind die Treppenhäuser geworden - mit Tier- und Landschaftsbildern …
Ja, die hat Thomas Rinneberg in mehr als 400 ehrenamtlichen Stunden an die Wände gemalt. Wir sind ihm sehr dankbar dafür. Er konnte sein Hobby ausüben, zum Teil unterstützt von Schülern aus der Schulhaus-AG.

Es gibt auch eine Schulhof-AG. Was machen die Kinder da?
Die Schulhof-AG wird nächstes Jahr mit der Schulhaus-AG zusammengelegt, denn je nach Jahreszeit wird drinnen oder draußen verschönert. So wurden zum Beispiel im Schulhof Vorlagen für Hüpfspiele auf den Boden gemalt. Das wird nächstes Jahr noch erweitert. Was uns allerdings ärgert, sind kaputte Glasflaschen, Zigarettenkippen und leere Pizzaschachteln, die wir zu Wochenbeginn auf dem Schulhof vorfinden. Oft feiern abends Jugendliche unter der Überdachung im Schulhof. Wir finden dann auch manchmal Joints - äußerst ungünstig für Grundschüler.

Was können Sie dagegen tun?
Eine Zeit lang machte ein Mitarbeiter des städtischen Bauhofs am Montag- und Freitagmorgen den Schulhof sauber - leider derzeit nicht mehr. Eigentlich wünschen wir uns einen Zaun ums Gelände.

Wie viele neue Erstklässler kommen nach den Ferien?
Nächstes Schuljahr werden 63 Erstklässler hier beginnen, die wir wieder auf drei Klassen verteilen.

Wie viele Halbtags- und Ganztagskinder gibt es?
Das Verhältnis ist meist 2:1 und schwankt immer leicht. Nächstes Schuljahr sind 172 Schüler zum Halbtag angemeldet, 91 zum Ganztag. Problematisch ist ein langer Tag von 8 bis 16 Uhr für viele Erstklässler - an vier Tagen die Woche. Viele Eltern wechseln dann von Ganztag auf Halbtag im nächsten Schuljahr. Unser Problem: Wie bringen wir die Bedürfnisse von Stadt, Land und Eltern, die lange Betreuung wünschen und die Bedürfnisse von Kindern unter einen Hut? Wir entwickeln die Ganztagsschule daher immer weiter und setzen neue Ideen um, die gewinnbringend für die Kinder sind. Zum Beispiel werden wir im kommenden Schuljahr das Hausaufgaben-Curriculum weiter entwickeln.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit der Schulsozialarbeiterin?
Unsere Schulsozialarbeiterin Stefanie Kaupert hat leider gekündigt, seit Februar war die Stelle vakant. Aber im September fängt ihre Nachfolgerin Katja Knaub an. Was uns besonders freut: Sie ist dann nur für die Kurpfalz-Grundschule tätig. Für die Strahlenberger und die Altenbacher Grundschule ist eine weitere Schulsozialarbeiterin zuständig. Das halbe Jahr, in dem wir ohne Schulsozialarbeiterin auskommen mussten, haben wir gespürt.

Inwiefern?
Wir haben einen hohen Bedarf für Schulsozialarbeit durch eine veränderte Schüler- und Elternschaft. Nicht für alle, aber für rund 20 Prozent. Manche Kinder finden sich zum Beispiel sozial schlecht in Großgruppen zurecht - wie in einer Klasse mit 24 bis 26 Kindern. Einige Schüler zeigen mangelnde Resilienz, sind beispielsweise bei Kleinigkeiten sofort beleidigt. Ein Extrembeispiel sind sogenannte ESENT-Kinder (Emotionale und soziale Entwicklung, Anm. d. Red.). Mit solchen Kindern gibt es ständig Konflikte, verbal und körperlich. Sie haben eine schlechte Impulskontrolle und zeigen ein auffälliges Arbeits-, Lern- und Sozialverhalten. Für solche Kinder sind kleinere Gruppen am Nachmittag hilfreich - also die Ganztagsschule.

Was meinen Sie mit veränderter Elternschaft?
Manche Eltern regeln alles für ihre Kinder, wollen aber, dass ihre Kinder selbstständig werden - ein Widerspruch. Hier hilft Schulsozialarbeit auch für die Eltern-Kind-Beziehung - aber die Eigenverantwortung liegt bei den Eltern. In unserer Schule ist Erziehung zur Selbstständigkeit deshalb ganz wichtig.

Was halten Sie von der Ganztagsschule?
Ich stehe der Ganztagsschule grundsätzlich positiv gegenüber. Für viele Kinder ist sie gewinnbringend, beispielsweise für Kinder, die sich in Gruppen nicht entsprechend verhalten können. Allerdings ist die Arbeitsbelastung für Lehrer viel höher als im Halbtag. Hier sollte die Politik für Entlastung sorgen, zum Beispiel durch Deputatsreduzierung oder eine andere Art der Bezahlung.

Und durch Fortbildung?
Die Fortbildungsmöglichkeiten sind gegeben; unsere Lehrer und ich nutzen diese auch. Ich finde Fortbildung wichtig, denn man kommt raus aus dem Schulalltag, tauscht sich mit Gleichgesinnten aus und erhält sofort umsetzbaren Input - sehr gewinnbringend für alle.

Sind Sie in die Gespräche zur Sanierung des Gymnasiums einbezogen?
Wir sind nicht bei den Gesprächen dabei, wir halten uns auf dem Laufenden durch die öffentliche Homepage zur Sanierung und waren auf der Podiumsdiskussion zu dem Thema. Wir sind sehr froh, dass die Container für das Interimsgebäude nicht auf unserem Schulhof stehen werden. Wir haben auch einen guten Eindruck vom Architektenbüro. Ich stehe hinter der Sanierung des Gymnasiums, auch bei uns in der Grundschule sollte aber weiter saniert werden.

Kommen viele Lehrer der Grundschule mit dem Auto in die Schule, sodass der Parkplatz fehlen wird?
Bei uns kommen viele Lehrer mit dem Auto. Vielleicht sollte darauf hingewiesen werden, dass die Parkplätze an der Mehrzweckhalle genutzt werden können.

Welche waren die drei wichtigsten Themen für Sie im vergangenen Schuljahr?
Wir haben die pädagogischen Arbeiten gut umgesetzt, zum Beispiel die Lernentwicklungsgespräche. Diese müssen nun einmal jährlich in den ersten beiden Klassen durchgeführt werden. Beteiligt sind das Kind, die Eltern und der Lehrer - gut finde ich, dass erstmals auch die Kinder mit einbezogen sind. Außerdem haben wir weiter am Schulsozial-Curriculum gearbeitet. Dazu gehört zum Beispiel, dass in einer Schulstunde "soziales Lernen" unterrichtet wird. Oder das Stopp-Projekt, in dem Kinder lernen, gewaltfrei miteinander umzugehen: Das findet in allen vier Klassenstufen jeweils als Projektwoche statt. Sehr erfreulich war auch die Zusammenarbeit mit meinem Stellvertreter Sascha Barembruch, der seit letztem Schuljahr bei uns ist. Er hat sich toll eingearbeitet und ist eine riesengroße Entlastung für mich.

Welche werden die drei wichtigsten Themen für Sie im nächsten Schuljahr?
Das Schulsozial-Curriculum werden wir weiterentwickeln, dann auch mit der neuen Schulsozialarbeiterin. Auch das Hausaufgabenkonzept werden wir verändern, denn die Hausaufgaben der Ganztagskinder sollen in der Schule kontrolliert werden. Wir werden zusätzlich zu den "Lernen-und-Üben"-Stunden am Nachmittag auch "Individuelles Fordern und Fördern" in den Stundenplan einbauen. Und wir arbeiten weiter an der Umsetzung unseres Leitbildes "Gemeinsam wachsen und lernen miteinander - füreinander".

Fühlen Sie sich denn wohl in Schriesheim?
Trotz der Stolpersteine immer wieder gefällt es mir immer noch. Ich habe ein tolles Team an meiner Seite. Zum Glück wechseln nun nicht mehr so viele Lehrer, nun kommt Kontinuität rein. Aber jetzt freue ich mich auf meine Auszeit am Meer - das wird mein erster Urlaub seit vier Jahren.

Hintergrund:
Eckdaten Kurpfalz-Grundschule
> Schülerzahl: 263 (91 Ganztag, 172 Halbtag)
> Davon neue Erstklässler: 63 (3 Klassen)
> Zahl der Lehrkräfte: 25
> Kontaktdaten: Das Sekretariat ist erreichbar unter Telefon 06203/697210 oder per E-Mail an sekretariat@kurpfalzschule-schriesheim.de.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung