14.08.2019

Straßenfest Schriesheim: Stille statt schlemmen

Nach 44 Jahren: Keine Straußwirtschaft des MGV "Lyra" beim Straßenfest - Schlechte Chancen auf ein Comeback

Von Frederick Mersi

Schriesheim. Peter Kraft seufzt. Wo seit 44 Jahren am Straßenfest-Samstag in gemütlicher Atmosphäre Wellfleisch verspeist wurde, herrscht am 7. September Stille. Keine Bierzelt-Garnituren, keine Dekoration an den Wänden, keine Essensausgabe: Die "Schlemmerecke" des Männergesangvereins "Lyra", eine Institution auf dem Schriesheimer Straßenfest, gehört vorerst der Vergangenheit an - und es spricht vieles dafür, dass der Verein auch in Zukunft nicht mehr an dem Fest teilnehmen wird, sagt sein Vorsitzender. Er seufzt.

"Es tut uns sehr leid, dass wir zu diesem Schritt gezwungen sind", sagt Kraft. "Diese Tradition wird fehlen." Seit dem Bestehen des Straßenfests hat die "Lyra" nur zweimal keine Straußwirtschaft im Hof der Bäckerei Höfer betrieben: im Premierenjahr und wegen eines Umbaus. "Es war schon ein schwerer Entschluss", sagt Kraft. Angemeldet hatte sich die "Lyra" mit ihrer "Schlemmerecke" zwar, vor etwa zwei Wochen zog sie den Antrag jedoch wieder zurück.

"Wir brauchen für Auf- und Abbau erfahrene Helfer", begründet Kraft den Entschluss. "Und viele, die das jahrzehntelang gemacht haben, sind einfach nicht mehr fit genug." Als dann zwei weitere Helfer wegen Krankheit und Operationen absagten, sei klar gewesen, dass der Verein den Aufbau der Straußwirtschaft nicht mehr stemmen könnte.

"Ich bedauere das sehr", sagt auch Bürgermeister Hansjörg Höfer. Als er von Kraft über die Entscheidung informiert worden sei, habe er die Unterstützung der Stadt angeboten, um Auf- und Abbau doch zu ermöglichen - entweder durch Mitarbeiter der Verwaltung oder durch Vermittlung von anderen Vereinen. "Aber es gibt da keine großen Pläne, nach denen sich irgendjemand richten könnte", sagt Kraft. "Die Helfer hatten das im Kopf, das kann man nicht einfach ersetzen."

Da die Ehrenamtlichen auch in den kommenden Jahren nicht jünger würden, stünden die Chancen auf ein Comeback schlecht, gibt Kraft zu: "So sieht es wohl aus." Für das kommende Straßenfest sieht Bürgermeister Höfer ebenfalls kaum Möglichkeiten, noch einen Betreiber für eine Straußwirtschaft im Hof der Bäckerei zu finden: "Ich gehe davon aus, dass der Hof leer bleiben muss."

Dass sich das mittelfristig ändern könnte, will Höfer nicht versprechen. "Ob der Eigentümer den Hof künftig weiter zur Verfügung stellen würde, weiß ich nicht", sagt er. Er wolle diesbezüglich noch Gespräche führen. Der traditionelle Eröffnungsrundgang mit Gemeinderat und Ehrengästen am Straßenfest-Samstag werde dieses Jahr in jedem Fall eine Abkürzung nehmen müssen.

Ganz auf die traditionellen Knöchel und das Wellfleisch müssen die Straßenfest-Besucher aber wohl nicht verzichten. Karl Forschner, Metzgermeister und Pächter im Ladenburger Schützenhaus, wird sein Tagesessen-Programm entsprechend dem Verlust der "Schlemmerecke" umstellen. "Ich muss den Plan zwar noch mal durchgehen, aber im Moment sieht es so aus, als würden wir am Samstag Knöchelessen und am Montag Wellfleisch anbieten", sagte Forschner am Dienstag. Auf gewohnte Qualität können sich die Besucher dabei verlassen: Forschner stellte zuletzt auch das Fleisch für die "Schlemmerecke" bereit.

Einzig die heimelige Atmosphäre des Bäckerei-Hofs wird sich im Weindorf im Unteren Schulhof wohl nicht so einfach wiederherstellen lassen.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung