20.08.2019

Städtepartnerschaft Schriesheim: "Uzès ist als Stadt ein Glücksfall"

Claudia Ebert, Vorsitzende des Partnerschaftsvereins, spricht im RNZ-Interview über die "Jumelage" und die bevorstehende Jubiläumsfahrt

Von Frederick Mersi

Schriesheim. Mehr als 25 Jahresfahrten nach Südfrankreich hat Claudia Ebert schon hinter sich. Trotz der elfstündigen Busfahrt freut sich die 74-Jährige sehr auf den nächsten Besuch in Schriesheims Partnerstadt Uzès zum 35. Jubiläum der "Jumelage", der am Mittwoch beginnt. Im RNZ-Interview erklärt die Vorsitzende des Förderkreises Partnerschaft, was sie an der Städteverbindung so fasziniert.

Frau Ebert, welches Erlebnis in Uzès hat Sie besonders geprägt?
Die Modenschau zum zehnten Partnerschaftsjubiläum. Doris Miech, die kürzlich verstorbene Geschäftsführerin des Bunds der Selbstständigen, hatte das organisiert. Ich war damals als Model dabei. Weil das nicht so richtig in den Zeitplan gepasst hat, mussten wir uns auf der Treppe vor dem Salle Polyvante umziehen. Da gab’s einige erstaunte Blicke. Und Doris Miech hat "Lewwerworschdbrot fer umme" beworben - was jeder Franzose natürlich super verstanden hat (lacht). Das bleibt mir für immer im Gedächtnis. Sonst laufen viele Programmpunkte jedes Jahr nach einem ähnlichen Muster ab.

Die Städtepartnerschaft zwischen Schriesheim und Uzès feiert 35. Jubiläum. Ist der Förderkreis mitgealtert?
Wie viele andere Vereine auch, ja. Die Krux bei uns ist, dass wir ein Förderverein sind. Diese Idee ist gut, aber die Möglichkeit, sich einzubringen und regelmäßig zusammen Zeit zu verbringen, ist damit nicht automatisch gegeben. Die einzige Ausnahme bei uns sind die Boulespieler. Städtepartnerschaften, die auf Beziehungen zwischen Vereinen beruhen, haben da eine andere Basis. Die können sich zu einem gemeinsamen Spiel oder einem gemeinsamen Konzert treffen.

2018 war ein Höhepunkt der Jahresfahrt das Benefizkonzert der "Strahlemänner" mit Unterstützung der Freiwilligen Feuerwehr. Ist das eine Möglichkeit, die Partnerschaft auf breitere Füße zu stellen?
Ja, das war toll. Wir würden uns auch freuen, wenn zwischen den Musikgruppen wieder ein Austausch funktionieren würde. Es ist viel wert, wenn die Kinder dann auch in Gastfamilien wohnen können. Das ist aber bei der 35-Jahr-Feier nicht zustande gekommen. Die Organisation ist da sehr von Personen abhängig, früher hat sich Ulrich Ziemer als Musiklehrer am Kurpfalz-Gymnasium und Leiter der Big Band da besonders engagiert. Der Schulaustausch läuft aber immer noch gut.

Sie sind seit Beginn der Städtepartnerschaft im Förderkreis engagiert. Warum?
Mein Italienisch war zwar damals ein bisschen besser als mein Französisch, aber mir hat die Grundidee gefallen. Den Initiator Horst Schütze kannte ich schon, und so bin ich nach einer Annonce in die "Vorkommission" vor Beginn der Partnerschaft gekommen. Praktisch war auch, dass ich damals nur zwei Tage pro Woche gearbeitet habe und Zeit hatte, mich zu engagieren. Und Uzès ist als Stadt ein Glücksfall. Es ist wunderschön, auch wenn die Infrastruktur und der Nahverkehr hier besser sind.

Was ist Ihnen an Städtepartnerschaften wichtig?
Es ist eine praktische Friedensbewegung. Da werden manchmal hohl klingende Worte auf politischer Ebene persönlich. Die Idee des Friedens, der Toleranz und der Partnerschaft bekommt man so in die Köpfe und Herzen. Davon halte ich sehr viel, wie auch von Europa - unabhängig von parteipolitischen Ansichten. Für viele junge Leute ist das selbstverständlich, aber es erfordert Arbeit.

Wie groß ist das Interesse heute noch an den Jahresfahrten?
Dieses Mal sind 38 Menschen dabei, darunter zwei Stadträte. Viel mehr Teilnehmer hätten wir aber gar nicht mitnehmen können: Wir brauchen ja Platz für den Knoblauch, den wir am Straßenfest wieder verkaufen werden (lacht). Für viele ältere Mitglieder sind die elf Stunden Fahrt inzwischen aber schwierig geworden. Dazu kommt die Hitze in Südfrankreich - auch wenn man der in Schriesheim mittlerweile auch nicht mehr entrinnen kann. Aber das Programm lohnt sich, unter anderem der Besuch beim Nationalgestüt "Haras".

Wie wird das Partnerschaftsjubiläum in Uzès gefeiert?
Das wird der Höhepunkt der Reise am Freitagabend. Wir feiern das zusammen mit einer polnischen Delegation aus Paczków, denn deren Partnerschaft wird dieses Jahr 40 Jahre alt. Eine tolle Idee.

Was wünschen Sie sich bis zum 40. Jubiläum für die Partnerschaft?
Dass sie noch mehr in den Vereinen Einzug hält, zum Beispiel durch gemeinsame Sportturniere oder Konzerte. Auf Ebene der Kirchengemeinden gab es das zu Anfang auch mal. Einen Freiwilligendienst könnte ich mir ebenso gut vorstellen. In der näheren Zukunft wollen wir als Verein auch wieder einen "Table Ronde", also einen Stammtisch, anbieten. Wer dazu auf Frankreich bezogene Ideen hat, kann sich gern bei mir melden.

Info: Zur Feier des Jubiläums in Uzès fährt am Mittwoch, 21. August, eine fast 40-köpfige Delegation aus Schriesheim. Treffpunkt ist am Festplatz um 7.15 Uhr zum Verladen der Koffer. Mit dabei sind unter anderen Bürgermeister Hansjörg Höfer und Weinkönigin Annalena Spieß mit ihren Prinzessinnen Ann-Kathrin Haas und Nadja Grittmann. Annalena Spieß wird in einem Reisetagebuch täglich in der RNZ aus Uzès berichten.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung