04.09.2019

Die Floorballer "haben hier eine goldene Generation"

Alex Burmeister (24) steht mit den TVS-Floorballern vor einer schweren Saison - Im Interview spricht er auch über langfristige Perspektiven

Von Florian Busch

Schriesheim. Seit 18 Jahren spielt Alex Burmeister Floorball beim Turnverein Schriesheim (TVS). "Länger als manche bei uns im Team alt sind", sagt der 24-Jährige und lacht. In dieser Zeit hatte der Student des Wirtschaftsingenieurwesens maßgeblichen Anteil daran, dass seine Sportart in der Weinstadt inzwischen regelmäßig Hunderte Zuschauer in die Mehrzweckhalle lockt. Im RNZ-Interview spricht er über die Bedeutung der Bundesliga, Saisonziele und Zukunftspläne.

Herr Burmeister, in dieser Saison ziert das Logo der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) das Aufwärmtrikot der Floorballer. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?
Die Initiative dazu ging von uns aus. Viele unserer Spieler sind schon lange bei der DKMS registriert und wollen darauf aufmerksam machen. Da wir alle drei Jahre ein neues Trikot bekommen, haben wir uns für diesen Aufdruck entschieden. Wenn alles klappt, wollen wir auch eine Typisierungsaktion bei einem unserer Heimspiele ermöglichen. Bei jeder Partie in der Mehrzweckhalle werden wir zudem Infomaterial und Typisierungsstäbchen auslegen.

Schriesheim startet am 14. September nach dem Wiederaufstieg in die dritte Bundesliga-Saison. Haben Sie sich inzwischen akklimatisiert?
Ja. Unser Anspruch ist es, gegen die besten Teams in Deutschland zu spielen. In der Bundesliga fühlen wir uns am wohlsten. In der vergangenen Saison hat man gesehen, dass wir nicht in die Zweite Liga gehören. Da konnten wir uns kaum weiterentwickeln. Wenn wir noch länger auf diesem Niveau hätten spielen müssen, wäre es schwer geworden, Spieler zu halten.

Was sind die Ziele für dieses Jahr?
Der Modus lässt eigentlich nur ein Ziel zu: die Play-offs. Wir wollen in der Liga bleiben, zwischen Meisterschaftsrunde und Abstiegsspielen gibt es keine Tabellenplätze. Also führt der schnellste Weg zum Klassenverbleib über die Play-offs. Das wird nicht leicht, die Teams sind in Sachen Leistung weiter zusammengerückt.

Zum Auftakt geht es zum Rekordmeister UHC Weißenfels, danach empfängt der TVS die starken Red Devils aus Wernigerode. Haben Sie für die Zeit danach schon einen Motivationscoach gebucht, um die Moral des Teams zu heben?
So weit würde ich nicht gehen (lacht). Wir haben durch die Entfernung zu anderen Teams leider nicht die Möglichkeit, vor der Saison auch gegen stärkere Mannschaften zu testen. Weißenfels hatten wir schon mal am Rande einer Niederlage - aber wir fahren nicht mit dem Anspruch dorthin, gewinnen zu müssen. Gegen Wernigerode erwarten wir ein offeneres Spiel.

Mit Marvin Biedermann und Benno Zehnder, Leander Sauerbrey und Nicolas Burmeister werden der Mannschaft vier Stützen fehlen. Kann das Team diese Abgänge kompensieren?
Der schwerwiegendste Verlust ist sicher, dass mein Bruder Nicolas nach 17 Jahren Floorball nicht mehr dabei ist. Er kann Spiele allein entscheiden. Andere Spieler könnten stattdessen tragende Rollen einnehmen. Das Hauptproblem könnten aber Verletzungen werden. Auf Bundesliga-Niveau wird sehr körperlich gespielt - und bei einem Kader von 15 oder 16 Spielern wiegt der Ausfall von vier Stützen schwer. Die größte Herausforderung für uns wird es sein, gesund zu bleiben. Deswegen haben wir seit dieser Saison auch eine Partnerschaft mit dem Ärztehaus "Dok:Tor". Die machen bei uns Bandenwerbung und wir haben einen guten Draht zu Dr. Kai Wachter und Physiotherapeut Oliver Endreß. Einer seiner Mitarbeiter ist bei unseren Heimspielen immer dabei.

Floorball ist trotz der Bekanntheit in Schriesheim nach wie vor eine Randerscheinung. Was macht die Faszination dieses Sports aus?
Ich bin im Alter von sechs Jahren übers Eishockey zum Floorball gekommen. Hockey jeglicher Form hat mich fasziniert - und beim Floorball waren die Hürden am niedrigsten. Einfacher geht es nicht. Später hat mich dann das schnelle, körperliche Spiel fasziniert. Das hat sich aber erst in den vergangenen Jahren so entwickelt.

Als Spielertrainer investieren Sie viel Zeit in diesen Sport. Was sind Ihre Pläne für die Zukunft, sowohl mit dem TV Schriesheim als auch persönlich?
Diese Rolle ist kein Zuckerschlecken. Nach meinem Master-Studium werde ich schauen müssen, ob genug Zeit für dieses Hobby bleibt. Solange mein Körper mitmacht, werde ich weiterspielen - in dem Umfang, wie es mir zeitlich möglich ist.

Wer könnte Ihre Rolle einnehmen, wenn Sie nicht mehr weitermachen können?
Wir haben hier eine goldene Generation. Aber das reicht nicht, um den Erfolg von Floorball in Schriesheim aufrecht zu erhalten. Zum Glück gibt es viele in unserer Abteilung, die sich auch für den Gesamtverein engagieren. Aber es ist unsere Aufgabe, Kindern und Jugendlichen die Begeisterung für diesen Sport zu vermitteln. Unser Stürmer und Jugendwart Felix Künnecke entwickelt da gerade ein langfristiges Konzept.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung