26.10.2019

Straßenbeleuchtung: Ganz Schriesheim soll in fünf Jahren nachts in neuem Licht erstrahlen

Stadt rüstet Straßenleuchten auf LED-Technik um - Erster Abschnitt kostet rund 440 000 Euro - Branichstaffel wird ebenfalls erhellt

Schriesheim. (fjm) Zu dunkel, störanfällig und ein Energiefresser: Die Straßenbeleuchtung in Schriesheim zählt laut Markus Schäfer zu den schlechtesten Netzen, die der Mannheimer Energieversorger MVV betreibt. "Stiefmütterlich" sei das Thema in den vergangenen Jahren behandelt worden, sagte der Bauamtsleiter bei der Sitzung des Gemeinderats am Mittwoch. Die gute Nachricht: Bis 2024 stellt die Stadt die Straßenbeleuchtung in mehreren Abschnitten auf energieeffiziente LED-Technik um. Das beschlossen die Stadträte einstimmig. Der erste Teil des Umbaus kostet laut Angebot rund 440.000 Euro.

Beginnen sollen die Arbeiten, sofern das Wetter mitspielt, im Januar 2020. Das liege auch daran, dass die Lieferzeiten für die neuen Leuchten derzeit bei etwa acht Wochen lägen, sagte Klaus Bellgardt vom Ingenieurbüro Stepconsult. Die ungefähre Form der neuen Leuchten können die Schriesheimer schon an einigen Stellen selbst anschauen, zum Beispiel in der Schillerstraße. Die Aufsätze sind schlanker, das Licht weißer als das der Vorgänger. Auch an der Kreuzung von Heidelberger und Kirchstraße steht bereits eine LED-Leuchte, nachdem der alte Mast umgefahren worden war. Bei der Umrüstung soll nun das Nachfolgemodell genutzt werden.

"Die Leuchten haben mit vier Jahren eine relativ gute Amortisationszeit", sagte Bellgardt. Das bedeutet: Vier Jahre nach der Umrüstung hat die Stadt im Betrieb der Leuchten so viel Energie gespart, dass die gesunkenen Stromkosten den Aufwand für die Umrüstung ausgleichen. Knapp 450.000 Kilowattstunden Strom will die Stadt pro Jahr durch die Umrüstung einsparen. Außerdem hat die beauftragte Firma, die MVV Netze GmbH, zugesagt, acht Jahre lang sämtliche Wartungsarbeiten zu zahlen.

Trotzdem gab es im Gemeinderat auch Kritik: "Wir würden uns das gern mal live anschauen", sagte Dagmar Wenger (Grüne Liste). "Diese Leuchten werden das Stadtbild für mindestens 20 Jahre prägen." Auch AfD-Stadtrat Thomas Kröber forderte, zuerst die Form der Leuchten und die Lichtfarbe festzulegen, bevor die Stadt den Auftrag zur Umrüstung vergibt.

Vertagen wollte das Gremium den Beschluss aber nicht. Schließlich ist der Zuschuss des Bundesministeriums für Umwelt, etwas mehr als 100.000 Euro, an die Auflage gekoppelt, den ersten Abschnitt bis Ende August 2020 abzuschließen. Ingenieur Bellgardt sagte zu, die geplanten Leuchtenmodelle in Edingen-Neckarhausen oder Plankstadt zu besichtigen: "Das ist überhaupt kein Problem." Die Lichtfarbe dort ist diejenige, die in Schriesheim geplant ist: 3000 Kelvin, auch "warmweiß" genannt. "Das ist ein Kompromiss zwischen Insektenschutz und Energieverbrauch", so Bellgardt.

Bürgermeister Hansjörg Höfer merkte an, der Gemeinderat habe sich schon vor Jahren auf die neuen Leuchtenmodelle geeinigt: "Das ist am wenigsten Möblierung für die Straße." Falls es Probleme durch zu helles Licht in Wohnhäusern bei der Umrüstung gebe, müssten diese in der Folge gelöst werden, sagte Bellgardt. "Das kann an der einen oder anderen Ecke auftreten."

Ein bisher weitgehend im Dunkeln liegender Fußweg soll schon bis zum Jahresende erhellt werden: die Branichstaffel, die als Treppe Talstraße und Blütenweg verbindet. Von 2015 bis 2016 waren die Stufen und die Handläufe saniert worden, doch bei der Beleuchtung gab es Probleme. "Die Kabel durch den Fels zu verlegen ist nicht wirtschaftlich", sagte Bauamtsleiter Schäfer.

Deshalb sollen jetzt LED-Leuchten in die Handläufe eingebaut werden. "Das ist relativ aufwendig", so Schäfer. "Aber es ist keine andere Möglichkeit ersichtlich." Bliebe die Branichstaffel so schlecht beleuchtet wie bisher, müsste sie wegen mangelnder Verkehrssicherheit geschlossen werden. Um das zu verhindern, investiert die Stadt knapp 80.000 Euro in den Einbau der neuen Leuchten. Lob gab es dafür von allen im Gemeinderat vertretenen Parteien, CDU-Fraktionschef Michael Mittelstädt bezeichnete das Vorhaben als "charmante Lösung". Sein Kollege von der SPD merkte an: "Zur Entlastung der Talstraße können dann auch die Branichbewohner beitragen - indem sie in die Stadt laufen."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung