13.12.2019

Die Heimat des Vaters besucht

Lori Lirov ist die Tochter des von den Nazis vertriebenen Fritz Martin Wimpfheimer - Jetzt erkundete sie die Stadt ihrer Vorfahren

Schriesheim. (RNZ) "Herzlichen Dank für die freundliche Einladung nach Schriesheim, in die Stadt meiner Urgroßeltern. Es war ein besonderes Erlebnis, die Straßen und das Haus zu sehen und so viele Geschichten darüber zu hören", lautete der Eintrag ins Goldene Buch der Stadt. Verfasst hat ihn Lori Lirov, geborene Wimpfheimer. Sie ist die Urenkelin von Seligmann und Rosa Fuld.

Angeregt durch den Film von Johannes Rufer über die Stolpersteinverlegung am 5. Juli 2018 wollte Lirov, die beruflich in Frankfurt zu tun hatte, unbedingt die Heimat ihres Vaters Fritz Martin Wimpfheimer kennenlernen und den Stolperstein für Seligmann Fuld sehen. Nachdem sie vor dem Anwesen in der Römerstraße 15 eine weiße Rose niedergelegt hatte, besuchte sie die Kriegsopfergedenkstätte. Dort konnte sie am Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges den Namen Abraham Fuld, Bruder ihres Urgroßvaters, sehen. Im Jahr 1917 ließ er für sein deutsches Vaterland sein Leben. Was den NS-Terror später nicht davon abhielt, seine jüdischen Verwandten zu verfolgen.

Im Rathaus bei Bürgermeister Hansjörg Höfer wurden viele Erinnerungen an ihren Vater lebendig, der bis zu seiner schweren Erkrankung 2017 immer wieder Schriesheim besuchte. Er empfand die Weinstadt als seine Heimat, denn er hatte als Kind viel Zeit bei seinem Großvater Seligmann verbracht. Am Grab der Urgroßmutter Rosa Fuld, dem letzten auf dem jüdischen Friedhof, legte Lori Lirov zur Erinnerung ein Steinchen ab. Von der Terrasse der Strahlenburg ging an diesem leicht nebligen Tag der Blick zwar kaum bis Mannheim, aber man konnte doch die Ausdehnung Schriesheims gut erkennen. Ein kleiner Rundgang zu weiteren Stolpersteinen in der Altstadt endete dann am späten Nachmittag bei Kaffee und gedeckter Apfeltorte sowie anregenden Gesprächen in privater Runde.

Unbekannte Verwandte entdeckt

Es war ein beeindruckender Tag für die Amerikanerin, die sehr gut Deutsch spricht und dank der Unterstützung von Monika Stärker-Weineck, Maren Fahmi und Brigitte Rufer viel Neues über ihre Familiengeschichte erfuhr: Zum Beispiel hörte sie zum ersten Mal von der Verwandtschaft mit Julius Fuld, Bruder ihres Urgroßvaters, der 1938 mit seiner Familie vor den Nazis nach Argentinien geflohen war. Durch die Entfernung zwischen den USA und Lateinamerika hatten sich die Verwandten aus den Augen verloren. Lori Lirov hofft, 2020 nochmals beruflich nach Deutschland geschickt zu werden und Schriesheim besuchen zu können.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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