17.01.2020

Positiv unauffällig: Lob für dezentrale Unterbringung von Flüchtlingen in Schriesheim

Positiv unauffällig: Lob für dezentrale Unterbringung von Flüchtlingen in SchriesheimFlüchtlingsbeauftragte und Integrationsmanagerin stellten Bericht im Gemeinderat vor

Schriesheim mit Blick auf den Branich und die Strahlenburg. Archiv-Foto: Dorn

Schriesheim. (fjm) Wie viele Geflüchtete leben in Schriesheim? "Ich wusste nicht, dass es so viele sind", sagte Lissy Breitenreicher, Stadträtin der Bürgergemeinschaft, am Mittwoch. 230 Flüchtlinge wohnen derzeit in der Weinstadt, wie aus dem Bericht hervorgeht, den Flüchtlingsbeauftragte Isabel Klute und Integrationsmanagerin Barbara Gutruf im Gemeinderat vorstellten. Fazit: Das Zusammenleben läuft positiv unauffällig.

Die Weinstadt hat in den vergangenen vier Jahren insgesamt 260 geflüchtete Menschen aufgenommen. "Als ich angefangen habe, war das alles sehr chaotisch", sagte Klute. Von März 2016 bis August 2017 war sie bei der Stadtverwaltung für die Beratung der Flüchtlinge zuständig, aber auch für die Suche nach weiteren Unterkünften und die Koordination mit anderen Behörden. Den direkten Kontakt mit den Geflüchteten übernahm danach Integrationsmanagerin Barbara Gutruf. "Wir wollten heute Abend eigentlich auch noch die neue, zweite Integrationsmanagerin hier vorstellen", sagte Achim Weitz, Leiter des Ordnungsamts. "Aber sie hat sich für ein anderes Angebot entschieden, sodass die Stelle voraussichtlich erst zum 1. April hin besetzt werden kann."

Dass Gutruf Verstärkung braucht, lässt sich mit Zahlen belegen. Seit ihrem ersten Arbeitstag im Rathaus hat die Integrationsmanagerin unter anderem 241 Beratungsgespräche geführt, in der Hauptsache ging es dabei um Sozialleistungen, Wohnungen, Kinder und Arbeitsstellen. Mit Integrationsplänen sollen die Geflüchteten Fortschritte in diesen Bereichen machen. In vielen Fällen war das von Erfolg gekrönt: 47 haben einen Arbeitsplatz, weitere 24 absolvieren eine Ausbildung, 13 sind in Schriesheimer Betrieben tätig.

"Die Menschen fühlen sich wohl in der Stadt", so Gutruf. "Es kommen immer wieder auch Anfragen von Geflüchteten aus anderen Gemeinden, die gern nach Schriesheim ziehen würden. Aufnehmen können wir sie aber nicht." Wie viele Flüchtlinge der Rhein-Neckar-Kreis der Weinstadt 2020 zuweist, sei bisher noch unklar, sagte Klute, die voraussichtlich im Frühjahr ins Hauptamt wechseln wird. Zum 1. März sucht die Stadt eine neue Flüchtlingsbeauftragte.

Die Gemeinderatsfraktionen lobten am Mittwoch die Arbeit von Klute und Gutruf sowie die Integrationsbemühungen der Stadt. "2014 sind die Ehrenamtlichen an ihre Grenzen gegangen", sagte Fadime Tuncer, Stadträtin der Grünen Liste und Leiterin der Flüchtlingshilfe. "Die Rückmeldungen, die wir jetzt von den Menschen bekommen, sind aber sehr dankbar." Das Zusammenleben funktioniere "friedlich und gut".

CDU-Fraktionschef Michael Mittelstädt betonte, wie wichtig der Gemeinderatsbeschluss gewesen sei, die Geflüchteten dezentral in der Stadt unterzubringen: "Das hat dazu geführt, dass es nirgendwo einen Brennpunkt gibt." Bernd Hegmann (Freie Wähler) regte an, für Geflüchtete die Möglichkeit zu schaffen, beim Bauhof der Stadt zu arbeiten.

Sebastian Cuny, Fraktionssprecher der SPD, sagte: "Der Bericht zeigt, dass man mit Engagement etwas leisten kann." In der Bundespolitik geäußerte Befürchtungen seien in Schriesheim nicht eingetroffen. Ulrike von Eicke (FDP) betonte, dass man vom Zuzug der Geflüchteten im Alltag schlicht nichts merke.

Auf die Nachfrage von AfD-Stadtrat Thomas Kröber, welchen Aufenthaltsstatus die in Schriesheim lebenden Geflüchteten haben, entgegnete Ordnungsamtsleiter Weitz, dass dafür die Ausländerbehörde zuständig sei: "Die Menschen sind hier und kommen mit ihren Anliegen zu uns, darum müssen wir uns kümmern." Bürgermeister Hansjörg Höfer stellte dazu klar: "Für uns geht es nur um den Menschen, nicht um den Status."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung