28.02.2020

Solarpark-Investor konnte Skeptiker nicht überzeugen

Solarpark-Investor konnte Skeptiker nicht überzeugen

FDP lud Hans-Georg Pfisterer ein – Anlage könnte pro Jahr 375 Tonnen CO2 einsparen – Landwirte wollen Flächenverbrauch verhindern

Wie steht es um die Solaranlage, die auf einer Ackerfläche installiert werden soll? Hans-Georg Pfisterer (l.), Geschäftsführer von „SolNet“, präsentierte den aktuellen Stand. Foto: Dorn

Schriesheim. (flb) Neben der Sanierung des Kurpfalz-Gymnasiums ist es aktuell das zweite große Thema, das im Gemeinderat für großen Diskussionsstoff sorgt: Der geplante Solarpark an der Autobahn A5. Dafür lud der Ortsverband der FDP am Mittwochabend Hans-Georg Pfisterer ins Gasthaus "Zum Goldenen Hirsch" ein. Der Initiator und Geschäftsführer der zuständigen Firma "SolNet" stellte den aktuellen Stand des Projektes vor.

"Ich bin unter der Strahlenburg aufgewachsen", begann der ehemalige Schriesheimer mit seinem Vortrag. Schon als Kind habe ihn der Anblick der beiden Atomkraftwerke Philippsburg und Biblis sowie des Großkraftwerkes Mannheim, die in der Ferne zu erkennen sind, dazu gebracht, über Alternativen nachzudenken. Deswegen beschäftigt sich Pfisterer heute mit Fotovoltaikanlagen. Auch in Hinblick auf die Klimaziele der Bundesregierung sagte er: "Erneuerbaren Energien gehört die Zukunft."

Und so kam er auf das Schriesheimer Projekt zu sprechen. Der ausgesuchte Acker hat demnach eine Gesamtfläche von drei Hektar, die Fotovoltaikanlage würde laut Pfisterer aber lediglich 0,8 Hektar in Anspruch nehmen. Sei sie einmal in Betrieb gegangen, erzeuge sie etwa 720.000 Kilowattstunden Strom pro Jahr – damit könne man 200 Haushalte versorgen. Als nächstes erklärte der Geschäftsführer von "SolNet", wie die Module aufgestellt werden: So sollen sie in etwa 80 Zentimetern Höhe in V- und umgekehrter V-Stellung installiert werden, wodurch sie weniger Fläche verbrauchen würden als bei einer Aufstellung in klassischen Reihen.

Außerdem verhindere die Ost-West-Ausrichtung, dass Autofahrer auf der Autobahn eventuell geblendet werden. Unter der Anlage könnten währenddessen Pflanzen wachsen, die Halbschatten mögen. Die biologische Vielfalt sei auch einer der Vorteile, die eine Fotovoltaikanlage mit sich bringe. So erhalte Pfisterer auch oft Anfragen von Imkern, die ihre Bienen in der Nähe halten möchten. Dazu sei die Anlage klimafreundlich und alle Materialien seien bei einem eventuellen Rückbau recycelbar. Im Vergleich zur Stromerzeugung durch Kohle und Gas könnten durch die Schriesheimer Anlage 375 Tonnen CO2 im Jahr eingespart werden – für die gleiche Menge bräuchte man einen Bestandswald von etwa 37.000 Bäumen, sagte Pfisterer.

Ein Teil der Finanzierung des 700.000 Euro teueren Projekts könnte durch eine Bürgerbeteiligung bezahlt werden, etwa durch sogenanntes "Crowdfunding". Bis zu 115.000 Euro seien durch diese Methode finanzierbar, so Pfisterer. Über das Internet sollen Schriesheimer Bürger bestimmte Beträge investieren können und im Gegenzug eine feste Verzinsung von 2,8 bis drei Prozent erhalten. Sofern das Projekt vom Gemeinderat abgesegnet wird, soll es auch eine offizielle Informationsveranstaltung geben.

Der Vortrag löste teilweise heftige Reaktionen aus. So zweifelte der Schriesheimer Landwirt Matthias Heberle die präsentierten Zahlen zur Fruchtbarkeit des Ackerbodens an und meinte: "Wir können den Flächenverlust so nicht hinnehmen." Stattdessen sollten solche Anlagen auf Dächern installiert werden. Auch andere Anwesende machten deutlich, dass sie den Plänen sehr skeptisch gegenüberstehen. Pfisterer wurde unter anderem eine zu einseitige Berichterstattung vorgeworfen. Auch politische Grundsatzdiskussionen wurden geführt, zum Beispiel inwiefern erneuerbare Energien den Strombedarf in Deutschland überhaupt abdecken können.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung