19.03.2020

Gastronomen haben in Corona-Krise Angst um ihre Existenz

Dennoch würden viele Schließungen statt Beschränkungen bevorzugen

Von Florian Busch und Frederick Mersi

Schriesheim. Das bei Frühlingswetter sonst bis auf den letzten Platz gefüllte Kaffeehaus ist wie leer gefegt. "Normalerweise haben wir um diese Zeit 90 bis 95 Prozent mehr", sagt Betreiber Frank Knoth. "Eine absolute Katastrophe."

Fixkosten wie Löhne, Miete oder Steuer müssen weiterhin gedeckt werden. Die Maßnahmen, die die Regierung bisher ergriffen hat, – etwa, dass Restaurants nur noch bis 18 Uhr geöffnet haben sollen – gehen Knoth nicht weit genug. Das sei lediglich die Aufschiebung einer Lösung. Er plädiert stattdessen dafür, für 14 Tage alles zu schließen und die Menschen in dieser Zeit nach Hause zu schicken. Das sei die wirksamste Maßnahme im Kampf gegen das neuartige Coronavirus. Doch er versteht die Schwierigkeit dabei: "Ich wollte das nicht entscheiden."

In puncto Hygiene sieht sich Knoth gut gerüstet. Schon vor Jahren habe er eine Schulung besucht. Sein Appell lautet: "Hände waschen, Hände waschen, Hände waschen." Auf jedem zweiten Tisch im Kaffeehaus steht ein "Reserviert"-Schild. Dadurch soll gewährleistet sein, dass genügend Abstand zwischen den Gästen eingehalten wird. 1,50 Meter hat die Landesregierung vorgeschrieben. Seit Dienstag ist darüber hinaus eine "Kunden-Besucherliste" im Einsatz, in die sich jeder mit Name, Adresse und Telefonnummer eintragen soll, um im Zweifel eindeutig identifizierbar zu sein. Doch was ist, wenn jemand, zum Beispiel aus Datenschutzgründen, nicht möchte? "Ich kann und werde niemanden zwingen", sagt Knoth.

Beim "Dok:Cafe Ferrario" sieht die Lage nicht anders aus. "Es kommen weniger", sagt Geschäftsführerin Gabriella Ferrario. Da nun auch die Schulen ihren Betrieb vorübergehend eingestellt haben, sehen die Prognosen nicht besser aus. Viele Schüler nutzen das Café normalerweise als Anlaufstelle in den Pausen. Bestimmte Hygienemaßnahmen habe sie noch nicht ergriffen. In dieser Hinsicht wünscht sich Ferrario mehr konkrete Anweisungen von den Ämtern und Behörden. Eine Schließung über einen gewissen Zeitraum würde die Italienerin in Kauf nehmen: "Für mich kein Problem." Die Gesundheit ihrer Mitarbeiter und Kunden gehe vor. Aus diesem Grund würde sie auch befürworten, wenn die Bürger ihr Zuhause nur in Ausnahmefällen verlassen dürfen – wie es die italienische Regierung veranlasst hat.

Auch in den Restaurants herrscht Flaute. Jürgen Opfermann hat sein "Gasthaus" und sein "Wirtshaus" gleich komplett geschlossen. Er hält die Abstandsregelungen der Landesregierung für nicht praktikabel: "Sollen wir die Teller jetzt aus zwei Metern Entfernung auf den Tisch schmeißen?" Um seine Mitarbeiter zu schützen, habe er sich deshalb vorerst dagegen entschieden, seine beiden Restaurants weiter zu betreiben. "Außerdem weiß ich nicht, welche Regelungen vielleicht in den nächsten Tagen beschlossen werden", sagt er. "Dann sollte man lieber für ein paar Wochen alles ausnahmslos dichtmachen." Er habe versucht, für seine Mitarbeiter Kurzarbeitergeld zu beantragen, sei aber nicht durchgekommen. "Die Ämter sind überlastet, das verstehe ich auch", sagt Opfermann. "Aber ich fühle mich im Moment schon allein gelassen."

An einem normalen Tag ist der Außenbereich von "La Perseria" bei diesem sonnigen Frühlingswetter voll, wie Besitzer Reza Mashti erzählt. Am Dienstag ist dort kein einziger Gast zu entdecken. Viele Reservierungen würden storniert und geplante Caterings auf Hochzeiten und Geburtstagen wieder abgesagt. Diese Tatsache stellt Mashti vor ein weiteres Problem: Viele, die ihre Buchung zurücknehmen, sind schon in Vorkasse gegangen. Das Geld muss nun wieder zurückgezahlt werden. Auf der anderen Seite hat "La Perseria" mit Miete, Personal, Lebensmitteln oder Strom aber dauerhafte Ausgaben, die in allen Fällen gedeckt werden müssen. "Es ist ein Schlag ins Gesicht", so Mashti. Deswegen hofft er auf finanzielle Unterstützung von der Stadt, Land oder Bund.

Auch auf weitere Anweisungen, etwa für Hygienemaßnahmen, wartet der Restaurant-Besitzer aber bisher vergeblich. Deswegen fühlt er sich in seiner aktuellen Lage allein gelassen und sorgt sich um die Zukunft: "Wir wissen nicht, wie es weitergeht." In Eigeninitiative sollen nun die Abstände zwischen den Tischen vergrößert werden, dadurch ist im Innenraum nur noch Platz für 30 Gäste. Des Weiteren steht an mehreren Stellen im Restaurant Desinfektionsmittel für die Gäste bereit. In nächster Zeit will "La Perseria" außerdem vermehrt auf Abholung und Lieferung von Speisen setzen: "Man muss sich anpassen", so Mashti.

Das versucht auch das Gasthaus "Zum Goldenen Hirsch". Von Donnerstag an will das Restaurant Speisen von 15 Uhr an zum Abholen und von 17 Uhr an als Lieferung anbieten. "Ansonsten haben wir zu", sagt Michael Adamietz. "Bis 18 Uhr geöffnet zu lassen, macht keinen Sinn." Der Lieferdienst sei vielleicht eine Möglichkeit, nicht alle Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken zu müssen.

Ob das Angebot angenommen werde, müsse sich zeigen. "Wir probieren das jetzt einfach mal", sagt Adamietz. Aus wirtschaftlicher Sicht bleibt ihm und Pächter Fabian Gieser kaum eine andere Wahl. "Bei uns ist alles storniert worden, auch im Apartmenthaus." Wie hoch die Umsatzverluste sein werden, wird vor allem davon abhängen, wann die Einschränkungen des öffentlichen Lebens wieder gelockert werden.> Wer in Schriesheim liefert

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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