08.04.2020

Schriesheim in Corona-Zeiten: Auch die Taxi-Branche leidet

Schriesheim in Corona-Zeiten: Auch die Taxi-Branche leidet

Nicole Foum berichtet über Umsatzeinbußen von etwa 50 Prozent - Im Moment gibt es praktisch nur Kranken- und Kurierfahrten

Nicole Foum leitet in dritter Generation das Taxiunternehmen, das es schon seit über 60 Jahren gibt. Foto: Dorn

Schriesheim. (kaz) Es gibt kaum eine Branche, die nicht unter der Corona-Krise leidet, aber von den Taxiunternehmen hat man bisher noch wenig gehört. Dabei leidet die Schriesheimer Firma Foum jetzt schon unter gut 50 Prozent Umsatzeinbußen. Im Juli 2002 übernahm Nicole Foum den Familienbetrieb in dritter Generation von ihrem Onkel. In all den Jahren als Selbstständige hat sie viel gearbeitet, eine 40-Stunde-Woche kennt sie nicht, ihr Pensum ist normalerweise eher doppelt so hoch.

Das "Bargeschäft" ging in den letzten Wochen um etwa 80 Prozent zurück, schildert sie die Situation. Schließlich gehen die Leute nicht mehr aus. Wohin auch, wenn alle Restaurants, Kinos und Theater geschlossen und private Feiern nicht mehr möglich sind? Weil auch niemand mehr in Urlaub fliegt, sind Transfers zum Flughafen ebenfalls kein Thema mehr.

Ein stabiler Faktor sind derzeit noch die Krankenfahrten, die von den Kassen übernommen werden. Aber wer weiß, wie lange noch, wenn Operationen und damit auch Reha-Maßnahmen verschoben werden? Patienten zur Dialyse in Kliniken fahren: Dies geschah bisher im Kleinbus. Nun dürfen Taxiunternehmen diese Fahrgäste wegen der für sie erhöhten Ansteckungsgefahr einzeln befördern und dies auch entsprechend abrechnen.

Ansonsten gilt in Taxis die Empfehlung, den Mindestabstand einzuhalten. Also sollte der Platz neben dem Fahrersitz frei bleiben. Ebenso wird empfohlen, eine Schutzfolie über die Sitze zu spannen. Dass die Türgriffe regelmäßig desinfiziert werden, ist derweil zur Selbstverständlichkeit geworden. Kurierfahrten sind sozusagen das vierte Standbein des über 60 Jahre alten Familienunternehmens. "Wir haben wie bisher ganz normal geöffnet", lautet die Botschaft Foums.

Sie hat schon mal Kurzarbeit angemeldet, jetzt sind nur noch maximal drei Fahrer im Einsatz. Eine Soforthilfe kann sie aber nicht beantragen, da sie ja noch Einnahmen hat. Da hilft es auch nicht, dass ihre fünf Aushilfen derzeit nichts zu tun haben. Sie sind zum Teil Rentner oder stehen noch im Berufsleben, wollten sich bisher einfach etwas dazu verdienen. Zwei Männer zogen sich allerdings von sich aus wegen der Corona-Krise erst mal zurück.

Nicole Foum hält es für möglich, dass Taxifahrer bald einen Mundschutz verordnet bekommen. Nur muss der dann halt auch irgendwo erhältlich sein. "Fahrten aller Art" bietet das Unternehmen auf seiner Homepage an. Doch der Aktionskreis ist nicht zuletzt durch die Kontaktsperre eingeschränkt. Einfach mal zu sechst einen Ausflug mit An- und Abfahrt im Kleinbus planen? Würde bei schönstem Frühlingswetter leider gegen die neuen Vorschriften verstoßen.

Der April wird für Nicole Foum wohl ein schlechter Monat. Mai und Juni könnten wieder besser werden. Aber man weiß es ja nicht, da sich in diesen Zeiten von heute auf morgen alles ändern kann.

Und wie sehen es die potenziellen Fahrgäste? Wer fährt wann und wie oft mit dem Taxi? Eine kleine Umfrage am OEG-Bahnhof in Schriesheim ergab dieses Bild: Die 19-jährige Jana war zuletzt im September mit einem Taxi unterwegs, als sie sich nach einer Urlaubsreise nachts vom Heidelberger Hauptbahnhof abholen ließ. Harald (59) nutzte bisher gern den Flughafen-Transfer mit dem Taxi. Der ist seiner Einschätzung nach sicherer als die Anreise mit der Bahn: "Da kann immer was passieren, und dann steckt man irgendwo fest." Einem seiner Freunde ist genau das einmal passiert – seither setzt er auf`das Taxi, das vielleicht immer noch Schleichwege findet.

Copyright (c) rnz-online

Autor: Rhein-Neckar-Zeitung