17.04.2020

Ursenbach bekommt endlich schnelles Internet

Ursenbach bekommt endlich schnelles Internet

Auch die Leitungen auf dem Dach verschwinden jetzt unter der Erde

Am Ursenbacher Ortseingang liegen sie schon, die Leerrohre für die neuen Stromleitungen. Zeitgleich wird auch der Glasfaseranschluss vorbereitet – so müssen die Straßen nur einmal aufgerissen werden. Foto: Dorn

Von Micha Hörnle

Schriesheim-Ursenbach. Inge Pfrang kann es kaum erwarten: "Wir haben ja lange drauf gewartet!" Die Ortsvorsteherin des mit gut 180 Einwohnern kleinsten Stadtteils der Weinstadt freut sich auf das schnelle Internet. Dafür nimmt die Stadt knapp 500.000 Euro in die Hand. Die Arbeiten haben bereits in der letzten Woche begonnen – und dabei wird auch die ganze Stromversorgung samt Straßenbeleuchtung auf Vordermann gebracht.

Pfrang sieht darin nur Vorteile: "Es ist doch gut, wenn die Straße nur einmal aufgemacht werden muss." Kritik an der Dauerbaustelle habe es in Ursenbach nicht gegeben – im Gegenteil: Zwei Eigentümer stellten ihre Grundstücke zur Verfügung, damit die Baumaterialien dort gelagert werden können.

Das Wichtigste für sie: "Das schnelle Internet! Gerade, wo jetzt so viele im Homeoffice sind. Denn momentan sind die Leitungen doch sehr lahm." Auch Bürgermeister Hansjörg Höfer ist ganz angetan: "Wir freuen wir uns, dass wir endlich loslegen können. Ein schnelles Internet ist heute ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und wesentlich für eine attraktive Lebensqualität." Nur wird das noch einige Zeit dauern, schnell im Netz surfen kann man wohl erst gegen Ende des Jahres.

Ein Überblick, was alles gebaut wird:

> Schnelles Internet: Das ist die größte Errungenschaft: Ein ganzer Stadtteil hängt am Glasfasernetz. Wenn schon die Straßen von der Firma Netze-BW, einem Tochterunternehmen des Energieversorgers EnBW, aufgerissen werden, dann sollen auch gleich Leerrohre für die neuen Internetleitungen gelegt werden. Das organisiert der Zweckverband "High-Speed-Netz Rhein-Neckar", der wiederum eine Gesellschaft des Rhein-Neckar-Kreises ist. Denn die Telekom hatte bisher immer nur schlechte, wenn auch kostenlose Angebote unterbreitet: Mit dem sogenannten "Vectoring" wären die alten Kupferkabel nur technisch aufgemotzt worden, Glasfaser wäre gar nicht gekommen, Ursenbach wäre ganz außen vor geblieben.

Das war für Stadtverwaltung und Gemeinderäte nicht akzeptabel, also entschieden sie sich für das Angebot des Kreisunternehmens. Jochen Ausäderer vom Zweckverband kennt die Gegend gut, denn im Moment wird auch, von Wilhelmsfeld kommend, in Altenbach gebaut – und das war im Grunde auch der Startschuss für Ursenbach. Nur läuft es im größeren Stadtteil etwas anders: Hier bekommen nur die direkten Hauptstraßen-Anwohner einen Glasfaseranschluss, vielleicht zehn Prozent aller Altenbacher.

Mit dem empfängt man 300 Megabit pro Sekunde. Der Rest erhält das, was auch die Telekom angeboten hatte: schnellere Kupferkabel – aber immerhin 50 Megabit pro Sekunde: "Für Privatkunden ist das ausreichend", meint Ausäderer, "man kann Filme streamen und sich die Mediatheken anschauen. Für manche Geschäftskunden ist das aber vielleicht noch nicht ideal." Ursenbach ist da fein raus: Hier erhält jeder Glasfaser. Ganz "fer umme" ist das allerdings nicht: Das Leerrohr kostet die Hausbesitzer 349 Euro netto, hinzu kommen noch einmal 649 Euro für die neuen Kabel, also alles in allem rund einen Tausender. Einziger Nachteil: Den Anbieter kann man erst einmal nicht frei wählen, es gibt bisher nur Netcom-BW.

Die Verlegung der Leerrohre hat begonnen, bis alles fertig ist, dauert es noch bis Ende des Jahres. Das wissen die Ursenbacher längst, auch wenn die für den 29. März angesetzte Infoveranstaltung coronabedingt abgesagt wurde. Denn mittlerweile wurden sie per Brief informiert.

> Die neuen Leitungen: Die Netze-BW haben verlegt die neuen Niederspannungskabel im Weideweg, was auch die Glasfaser-Leerrohre mit einschließt. Dabei werden die Straßen in mehreren Abschnitten auf einer Gesamtlänge von rund 1200 Metern aufgegraben. Dann werden alle 63 Ursenbacher Haushalte im Weideweg, Herdweg, Hohlweg, in der Ortsstraße und in der Estenklinge, die momentan noch über die Freileitung und die dazugehörigen Dachständer Strom bekommen, an das neue 400-Volt-Erdkabel angeschlossen. Dass es keine Leitungen mehr in der Luft gibt, erhöht vor allem die Versorgungssicherheit.

> Straßenbeleuchtung: Die Netzgesellschaft des Mannheimer Energieunternehmens MVV-Energie stellt bis Juni neue LED-Laternen auf einer Länge von rund 900 Metern auf – und orientiert sich dabei am Ablaufplan von Netze-BW.

Die alten Dachständer mit ihren Stromleitungen gehören bald der Vergangenheit an. Das gilt auch für die Laternen. Foto: Dorn

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung