18.04.2020

"Schwarzer Adler" Schriesheim: Noch nicht genehmigt, aber schon beworben

"Schwarzer Adler" Schriesheim: Noch nicht genehmigt, aber schon beworben

Trotz der Hängepartie um den Neubau hängt dort ein Banner der Vermarktungsfirma - Stadt: Das ist nicht zu beanstanden

Seit gut sechs Wochen ist der „Schwarze Adler“ an der Landstraße abgerissen. Der geplante Neubau ist in der Kommunalpolitik umstritten – und doch ist schon am Bauzaun ein Werbebanner einer Maklerfirma aus dem Kraichgau angebracht. Foto: Dorn

Von Micha Hörnle

Schriesheim. Das kann man schon mutig nennen. Oder sehr optimistisch: Seit einigen Wochen hält Armin Weller von "Kraichgau-Immobilien" seinen Kopf für ein für ein Vorhaben hin, das noch gar nicht genehmigt ist – und zwar im Wortsinn: Am Bauzaun vor dem mittlerweile abgerissenen Hotelkomplex "Schwarzer Adler" prangt an der Landstraße ein Banner mit seinem Konterfei und der etwas vagen Aussage: "Hier entsteht ein modernes Neubauprojekt". Bekanntlich tut sich die Schriesheimer Kommunalpolitik schwer mit den bisherigen Plänen, was an die Stelle des alten "Adlers" treten soll. Erst vor einem Monat hatte der Ausschuss für Technik und Umwelt die Bauherren noch einmal in eine weitere Warteschleife gezwungen: Aktueller Streitpunkt sind die nach Mehrheitsmeinung zu groß geratenen Gauben – einmal abgesehen davon, dass sich die Räte bisher noch nicht damit anfreunden konnten, dass der Neubau recht "klotzig" wirkt.

Auf die geplanten 18 Wohnungen hat die aktuelle Diskussion derweil wenig Auswirkungen, ist sich Immobilienmakler Weller sicher, auch wenn er zugibt, dass es für diese noch kein Exposé gibt: "Wir haben einfach mal Werbung gemacht, um das Interesse einzusammeln." Bisher, so Weller, habe es in einer Woche drei Interessenten gegeben – auch dank des Werbebanners. Immerhin weiß Weller recht genau, was er vermarktet: Drei- und Vier-Zimmer-Wohnungen von 83 bis 120 Quadratmetern, die größten Einheiten sind die vier Maisonette-Appartements.

Auf ein Schnäppchen dürfen Kaufwillige indessen kaum hoffen: "Die Preise sind noch nicht fertig, aber ich rechne mal mit um die 5000 Euro pro Quadratmeter", sagt Weller, "das kommt auch auf die Ausstattung an." Und natürlich, wo die jeweilige Wohnung liegt, denn nach oben hin wird es teuer. "Alles ist nach Süden ausgerichtet, das wird schön hell. Ich glaube, dass wir das alles sehr gut vermarkten können", ist sich Weller sicher. In gut sechs Wochen, so glaubt er, wäre dann der offizielle Verkaufsbeginn.

Sofern der Ausschuss für Technik und Umwelt mitspielt: "Wir warten auf eine Entscheidung, dann stehen wir bereit", sagt Weller. Bauamtsleiter Markus Schäfer berichtet, dass es seit dem letzten ablehnenden Beschluss der Räte wieder Gespräche mit dem Besitzer gegeben habe – wer das genau ist, weiß die Öffentlichkeit bisher nicht. Bisher liefe es gut, so Schäfer: "Der Bauherr ist kompromissbereit und hat sich auch bewegt." Ziel sei nach wie vor, dass die Gauben kleiner werden und dass das Gebäude durch eine etwas stärkere Gliederung nicht mehr so massig wirkt. Auch Bürgermeister Hansjörg Höfer sagt: "Die Bauherren wollen eine Lösung finden. Wir als Stadtverwaltung haben kein Interesse daran, dass sich das Projekt verzögert."

Und was sagt Bauamtsleiter Schäfer dazu, dass für ein Gebäude geworben wird, für das es noch gar keine Baugenehmigung gibt? Er findet das nicht schlimm oder gar rechtswidrig: "An der Anzahl der Wohnungen wird sich nichts mehr ändern, auch der Nutzungs- und Gebäudezuschnitt wird bleiben. Insofern ist das durchaus möglich. Aber natürlich gibt es bei dem jetzigen Planungsstand ein gewisses Risiko, jetzt schon in die Vermarktung zu gehen."

Der Neubau des "Schwarzen Adlers" ist eher kein Projekt der Region: Wellers Firma, "Kraichgau-Immobilien", sitzt in Angelbachtal bei Sinsheim und kümmert sich eigentlich eher um das südliche Kreisgebiet, aber: "Schriesheim ist ja nicht weit von uns." Der Bauträger, der das Areal vor einem Dreivierteljahr gekauft hat, ist eine Speditionsfirma aus der Nähe von Dortmund. Und weil die den Neubau über die Volksbank Kraichgau finanziert hat, läuft die Vermarktung über deren Tochterunternehmen "Kraichgau-Immobilien".

Immerhin: Der beauftragte Generalunternehmer kommt aus der Region. Und bald will Weller eine kleine Repräsentanz in Schriesheim einrichten: "Wir denken an ein Büro, in dem wir direkt an der Baustelle vor Ort beraten können."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung