28.04.2020

Gesangvereine in Corona-Zeiten: "Wir können nicht mit Masken singen"

Mindestabstand wäre nicht das Problem - Mitglieder vermissen gemeinsame Treffen - Bisher keine Austrittswelle

Schriesheim. (flb) Es sind verrückte Zeiten, in denen die Folgen politischer Beschlüsse sich ganz unterschiedlich auswirken: Bei den einen kehrt die Normalität langsam wieder zurück – zum Beispiel dürfen bestimmte Läden seit acht Tagen wieder öffnen. Doch es gibt auch diejenigen, die nach wie vor sehr eingeschränkt sind – und zwar nicht nur die Gastronomen oder Kirchen, sondern auch die zahlreichen Vereine Schriesheims. In einer kleinen Serie beleuchtet die RNZ, wie es gerade bei ihnen aussieht. Den Anfang machen heute die Gesangvereine.

Beim Männergesangverein (MGV) 1899 Eintracht Schriesheim würde man gerne weitermachen. Alle Proben sind jedoch vorerst abgesagt, erklärt der Erste Vorsitzende Helmut Hölzel. Schweren Herzens wurde auch das für Juni geplante Volkstanzfest aufs nächste Jahr verschoben. Doch was Hölzel am meisten vermisst, sind die Treffen: "Ich bedauere, dass wir nicht mehr zusammenkommen können." Wann es weitergeht, könne er nicht sagen, da es auf die Politik ankomme. Sollten die Proben zukünftig wieder aufgenommen werden, könnte der Mindestabstand zwischen den Sängern zwar eingehalten werden. Allerdings, so Hölzel: "Wir können nicht mit Masken singen."

Für den Männergesangverein 1863 Liederkranz Altenbach sieht es nicht viel besser aus. Seit Mitte März ruht alles. Dieser Zustand werde auch mindestens bis zum 15. Juni andauern, bedauert der Erste Vorsitzende Jürgen Fitzer, doch "realistisch gesehen können wir wohl frühestens nach den Sommerferien beginnen". Problematisch sei der Altersdurchschnitt der Sänger, viele zählten zur Risikogruppe. Ihnen falle die soziale Distanz schwer, meint Fitzer. Deshalb hofft er, dass es bald weitergehen kann. Von virtuellen Chorproben über das Internet hält der Vorsitzende aber wenig. Da nicht jeder Zugang dazu habe, wolle man keine Sänger ausschließen oder benachteiligen: "Niemand soll ins Abseits gestellt werden."

Der Gesangverein (GV) Liederkranz 1841 Schriesheim will stattdessen bis zur Wiederaufnahme der Proben verstärkt auf die häusliche Gesangstunde setzen. Dafür singe der Chorleiter verschiedene Lieder in unterschiedlichen Tonlagen ein, berichtet der Erste Vorsitzende, Klaus Urban. Diese Aufnahmen würden über Whatsapp oder E-Mail an alle Sänger verschickt. Wer keinen Zugang zu diesen Medien hat, bekomme eine CD per Post geliefert. Ein paar Kostproben habe Urban schon gelauscht, und "es hört sich sehr gut an", freut er sich. Zum zusätzlichen Üben habe er dazu schon ein paar Mal alte Lieder ins Mitteilungsblatt drucken lassen, wofür Urban sehr positive Rückmeldungen erhalten habe. Für den Wiederbeginn der realen Proben sei der Plan, dass immer nur der halbe Chor auf einmal anwesend sein soll: "Damit man die Stühle weit genug auseinander stellen kann", meint Urban. Auf diese Weise seien nie mehr als 25 Sänger gleichzeitig da.

Wie bei allen anderen Gesangsvereinen auch, sei es beim GV zu keiner größeren Austrittswelle gekommen. Die Mitglieder akzeptierten die Situation, dafür sei Urban sehr dankbar.

Wann es beim Männergesangverein Lyra Schriesheim weitergehen könnte, darüber mache man sich noch keine Gedanken. Man müsse zunächst die Entwicklungen abwarten, meint der Erste Vorsitzende Peter Kraft. Wie bei allen anderen sei das Abstand-Halten bei zukünftigen Proben nicht das Problem. Allerdings kann sich Kraft das bei einem Chor nur schwer vorstellen, da Neben- und Hintermann fehlen: "Wir wollen ja auch die anderen Sänger hören", meint er.

Ob Feste und Veranstaltungen, wie etwa das Grillfest, abgesagt werden, müsse man noch abwarten. Auf jeden Fall hofft Kraft, dass es möglichst bald wieder losgehen kann: "Wir drücken die Daumen."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung