10.05.2020

Die Bienen sind wieder da

Ein Tipp führte Roland Breitenreicher in den Odenwald

Schriesheim. (hö) Es klingt unglaublich: Nach fünf Tagen hatte Roland Breitenreicher seine gestohlenen Bienen wieder. Wie Montag berichtet, hatten Unbekannte in der Nacht zum Sonntag, 3. Mai, zwei besonders starke Völker im Wert von rund 1500 Euro samt 60 Kilogramm Honig von seinem Gartengrundstück unweit der B 3 Richtung Leutershausen entwendet. Breitenreicher hatte schon damals vermutet, dass Kenner am Werk gewesen sein mussten, schließlich hatten die Täter die drei schwächeren Völker zurückgelassen.

Der Hobbyimker, der zusammen mit seinem Vater Raimund erst vor einem Jahr mit der Bienenzucht begonnen hatte, zeigte den dreisten Diebstahl an – und startete eine Medienkampagne. Allein sein Beitrag auf Facebook wurde 900 Mal geteilt, außerdem streute er die Information auch an Imkerverbände: "Die Nachricht ist ohne Ende herumgegangen", auch Zeitungen außerhalb der Region hatten über den kuriosen Vorfall berichtet. Und tatsächlich: Am Donnerstag bekam Breitenreicher einen heißen Tipp von einem anderen Bienenfreund: Die beiden Völker würden im Odenwald, auf einem Grundstück, das aber von der Straße gut einsehbar ist, stehen, nicht weiter als 15 Kilometer von Schriesheim entfernt. Wo genau, will Breitenreicher nicht sagen, denn noch laufen die Ermittlungen. Der Mann, auf dessen Areal die Bienen waren, hatte behauptet, er hätte die beiden Völker gekauft – und er wusste sogar, dass sie ursprünglich aus Schriesheim stammten; persönlich gesprochen hat Breitenreicher aber mit dem Odenwälder nicht.

Noch am selben Tag fuhr er hin und schaute nach: Sofort erkannte er die beiden Völker: "Sogar der Honig war noch da", meldete er gestern der RNZ zufrieden. Er rief die Polizei, und schon am Freitag konnte er die Bienen wieder holen, schließlich hatte er Beweisfotos von den beiden Völkern und der Maserung des Holzrahmens: "Der ist wie ein Fingerabdruck." Und das ist auch der Tipp, den er anderen Imkern gibt: Immer Bilder von Auffälligkeiten im Holz machen, um die gestohlenen Völker identifizieren zu können. Seine Bilanz der von ihm gestarteten Medienkampagne: "Es wurde mit der Hilfe aus der Bevölkerung ein Netz gestrickt, das immer engmaschiger wurde. Dies zeigt einmal mehr: Wenn alle gemeinsam an einem Strang ziehen, wird schier Unmögliches erreicht. Hierfür möchten wir uns bei allen bedanken!"

Noch am Freitag konnte er mit seinem Vater Raimund seinen ersten Frühjahrshonig schleudern.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung