11.05.2020

"Seltsame" Bedingungen: Wie Schriesheims Kindergärten mit der Krise umgehen

Notbetreuung funktioniert trotz Hindernissen - Virtuelle Grüße und Rezepte für die Daheimgebliebenen

Schriesheim. (nip) "Wann ist der Virus vorbei?" Fragen, die sich viele Kinder und ihre Eltern derzeit stellen. Die Corona-Krise belastet Eltern und ihre Kinder, manche indes stärker als andere. In einem Interview mit "Zeit Online" erklärt Sabina Pauen, Professorin für Entwicklungspsychologie an der Universität Heidelberg, dass Kinder zunächst einmal unbefangen mit neuen Situationen umgehen. Doch für Kinder in belasteten Familien könne die Corona-Pandemie tatsächlich als eine Extremsituation erlebt werden.

Die Erzieherinnen und Erzieher in den Kindergärten steuern dagegen an. Nicht nur bei "ihren" Kindern in der Notbetreuung, sondern auch bei denen, die zuhause bleiben müssen. "Wir schicken virtuelle Grüße an die Daheimgebliebenen, haben zu Ostern Rezeptvorschläge zum Beispiel für Hefemäuse gesandt oder übermitteln Arbeiten, die die Vorschulkinder erledigen können", schildert Gabriele Kohl, Leiterin der "Römerstrolche". "Der Austausch ist da", meint sie. Am Kindergarten hängt ein großes Banner als Zeichen der Verbundenheit mit allen, die sonst die Einrichtung besuchen.

Die RNZ erkundigte sich bei denjenigen Kindergärten, die erreichbar waren oder sich zurückmeldeten, nach dem derzeitigen Stimmungsbild in der seit 27. April eingeführten "erweiterten Notbetreuung" derjenigen Kinder, deren Eltern in systemrelevanten Berufen arbeiten oder unabkömmlich sind. "Wir würden den Kindern gern Normalität geben, aber sie mal einfach so in den Arm zu nehmen, ist nicht drin", meint Kohl. Schon der Empfang sei seltsam, denn die Eltern müssen den Nachwuchs an der Tür abgeben und dürfen nicht mit rein in den Kindergarten.

In der "Kinderschachtel", wo sonst bis zu 90 Kinder betreut werden, sind es aktuell nur elf in zwei Kleingruppen. Betreut werden sie vom selben Personal im immer selben Raum. Das Außengelände ist noch nicht fertiggestellt, der Aufenthalt im Freien sei dennoch möglich, heißt es aus der Einrichtung.

"Jedes Kind wird in seinem Kindergarten betreut", erklärt Rathausmitarbeiter Robert Eszterle. Kollegin Karin Reichel habe für die städtischen Betreuungseinrichtungen die Anträge von Eltern gesammelt und ausgewertet. "Das war viel Arbeit", sagt Eszterle.

Erreiche man die Obergrenze der halben Belegungszahl, müsse man diejenigen Eltern bevorzugen, die "in der kritischen Infrastruktur" beschäftigt sind. Das sei jedoch noch nicht der Fall gewesen, insgesamt sei die Anzahl der Kinder in der erweiterten Notfallbetreuung überschaubar. "Wir hatten uns das anders vorgestellt, aber es ist gut, dass es so gekommen ist." Sobald sich etwas ändere, werde die Stadt sofort reagieren; doch ausscheren könne man nicht. Er selbst erlebe die Eltern als gut vernetzt.

Abstand halten? Schwierig!

Im Kindergarten "Kunterbunt" werden aktuell zehn Kinder betreut, ab heute werden es nach und nach mehr werden, sagt Gabriele Joost. "Der erste Tag war komisch für die Kinder", meint sie. Komisch eben, weil die Eltern draußen bleiben müssen. "Wir haben aber viel Spaß zusammen, es sind ja nur wenige Kinder da. Und auf die können wir gut eingehen", sagt Joost. Eigentlich sei alles recht entspannt, nur die Mitarbeiter zuhause würden sich gerne um ihre Kindergartenkinder kümmern. "Wir sind oft draußen", sagt Joost. Klar, es sei schwierig, Kindern die Abstandsregeln zu vermitteln. "Wir waschen viel Hände und die Kinder achten tatsächlich darauf, in die Armbeuge zu niesen." Es sei eine seltsame Zeit: "Da müssen wir alle durch." Und die Kinder fragen eben: "Wann ist der Virus vorbei?"

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung