17.05.2020

Was alte Weggefährten über Stephan Harbarth sagen

Von Schriesheim aus zum höchsten Richteramt - "Freundlich und zurückhaltend":

Von Micha Hörnle

Schriesheim. Seit dem gestrigen Freitag ist Stephan Harbarth oberster Bundesverfassungsrichter in Karlsruhe – und einer hat es schon immer gewusst: Fritz Mildenberger, der langjährige (und legendäre) Hausmeister der Strahlenberger Grundschule. Als Harbarth noch Pennäler war, sagte Mildenberger über ihn: "Aus dem Stephan wird noch einmal etwas ganz Großes", wie sich heute noch Siegfried Schlüter (76) erinnert. Der langjährige CDU-Fraktionsvorsitzende und Vize-Bürgermeister kennt den heute 48-jährigen Harbarth auch aus dessen Schriesheimer Zeiten, seit den siebziger Jahren, als der noch mit seinem Sohn spielte und hat ihn als "freundlich, angenehm und zurückhaltend" in Erinnerung. Aber schon damals wusste Schlüter, "wie gut er ist".

Allerdings verdiente sich der spätere Schüler des Heidelberger Bunsen-Gymnasiums – hier war sein Vater stellvertretender Schulleiter – seine ersten Sporen in der Kommunalpolitik: Mit 16 Jahren trat er in die Junge Union ein, sechs Jahre später in die CDU. 1994 kandidierte er mit 22 Jahren auf einem der hinteren Plätze bei der Kommunalwahl. Zu dieser Zeit studierte er bereits an der Universität Heidelberg Rechtswissenschaften, und spätestens da war Schlüter klar, "dass er als Jurist Karriere macht – bei dem Intellekt". Auch Mitschüler Harbarths berichten, dass er als Schüler durch ausgesprochen gute Leistungen aufgefallen war – allerdings kickte er auch einige Jahre im Sportverein.

Was Schlüter heute noch imponiert, ist die ausgesprochene Bodenhaftung und Bescheidenheit Harbarths, den er ab und an noch bei Familienfeiern in seinem Elternhaus – mit Helga und Günther Harbarth ist Schlüter seit Langem befreundet – trifft: "Er ist immer noch die Person, die ich von früher kenne." Er berichtet von der christlichen Prägung Harbarths durch sein Elternhaus: "Katholisch – im besten Sinne –, liberal-konservativ und sehr weltoffen".

Ähnliches sagt auch Alt-Stadträtin Isolde Nelles (75), die den jetzigen Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts noch aus seinen Kinderzeiten kennt. Nelles und die Familie Harbarth waren in der katholischen Kirche aktiv – hier war Stephan Harbarth auch einige Jahre Ministrant –, und sie erinnert sich an einen "lieben, zurückhaltenden, freundlichen und vor allem immer sehr höflichen Menschen". Und sie bekennt: "Ich hatte schon immer ein Faible für den Stephan." Schon als Harbarth am 22. November 2018 Richter am Verfassungsgericht (und gleich Vizepräsident) wurde, war die Freude in der Weinstadt groß, zumal er immer mal wieder in der alten Heimat vorbeischaute – wie bei einem Vortrag Ende April beim "Franke Doktor". Da war Harbarth noch Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Rhein-Neckar und lebte mit seiner Familie im Kraichgau.

Nelles und Schlüter freuen sich im RNZ-Gespräch aufrichtig über Harbarths Karrieresprung: "Ich kann ihm nur aus ganzem Herzen gratulieren", so Schlüter. Auch Nelles ist "ganz stolz, ihn zu kennen", findet aber noch eine weitere Wesensart Harbarths bemerkenswert: "Man kann ihm stundenlang zuhören. Da hat alles Hand und Fuß." Schlüter wiederum gefällt vor allem eines: "Da ist einer nicht durch Ellenbogen nach oben gekommen, sondern nur durch eigene Leistung."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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