23.05.2020

Spendenmangel: Der Traum vom Schriesheimer Bürgersaal ist ausgeträumt

Spendenmangel: Der Traum vom Schriesheimer Bürgersaal ist ausgeträumtCorona ist Schuld: Die Initiative stoppte alle ihre Aktivitäten - Spender und Bürger sprangen auf die Idee nicht so an wie erhofft

Am 25. Februar stellten in der Schulaula (v.l.) Bernd Hegmann (Freie Wähler), Renate Hörisch-Helligrath (SPD), Christiane Haase (CDU), Patrick Schmidt-Kühnle (Gesamtelternbeirat) und Ulrike von Eicke (FDP) ihre Spendenkampagne zugunsten des Bürgersaals vor. Foto: Dorn

Von Micha Hörnle

Schriesheim. Jetzt steht es endgültig fest: In der Schulaula wird es keinen Bürgersaal geben. Die Spenden-Initiative um Renate Hörisch-Helligrath und Christiane Haase verkündete das Aus – Schuld hatte vor allem Corona und eine schleppende Resonanz bei den Spendern. Die RNZ fasst das Anfang und Ende des Projekts zusammen.

Die Idee: Die ersten Forderungen nach einem Bürgersaal kamen von der FDP, genauer: von ihrem ehemaligen Vorsitzenden Ingo Kuntermann. Schon im letzten Kommunalwahlkampf stand der ausdrücklich im liberalen Programm – gedacht ist er als ein zusätzliches Angebot mittlerer Größe für die Vereine, denen der Saal im "Goldenen Hirsch" oder der Zehntkeller zu klein, die Mehrzweckhalle aber zu groß ist. Relativ früh gab es den Gedanken, die Schulaula zu erweitern und mit einem separaten Eingang zu versehen; dann wäre dort Platz für rund 400 Besucher (momentan gehen nur 200 Personen rein). Als im letzten September die Sanierung des Kurpfalz-Gymnasiums beschlossen wurde, schien wegen des extrem engen Finanzkorsetts – der Kostendeckel liegt unverrückbar bei 21,5 Millionen Euro – das letzte Stündlein für das Projekt geschlagen zu haben: Eine größere Aula war nicht finanzierbar – und schlimmer noch: Sie würde noch kleiner und damit unattraktiver. Doch da hatte Renate Hörisch-Helligrath die Idee zu einer parteiübergreifenden Initiative, die im Grunde eine Spendenaktion für einen neuen Saal anstoßen sollte. "Mir geht es nicht um die Aula an sich", sagt die SPD-Rätin, das wäre ein Ort für alle Schriesheimer."

Der Plan: Wenn die Stadt schon kein Geld für eine Aula als Bürgersaal hat, dann sollen es die Bürger richten, in gewisser Weise stand da die Rettungsaktion für das Waldschwimmbad Anfang der neunziger Jahre Pate. Auf 375.000 Euro werden die zusätzlichen Kosten für einen Bürgersaal taxiert. Die Idee war, wenn jeder Schriesheimer nur 25 Euro spendet, käme die Summe schon zusammen. Aber im Grunde, so sagte Hörisch-Helligrath der RNZ, "hofften wir auf einen Großspender". Der Zeitplan war knapp: Die Schulaula kann nur bis zum Herbst umgeplant werden, sie liegt im zweiten der insgesamt drei Bauabschnitte.

Die Initiative: Ende Februar konstituierte sich eine Gruppe, der fast alle Parteien angehörten: Renate Hörisch-Helligrath (SPD), Christiane Haase (CDU), Ulrike von Eicke (FDP), Lissy Breitenreicher (Bürgergemeinschaft) und Bernd Hegmann (Freie Wähler). Die Grünen begleiteten das Projekt wegen ihrer generellen Kritik an der Gymnasiumssanierung eher verhalten. Mit im Bunde war auch Patrick Schmidt-Kühnle, der Vorsitzende des Gesamtelternbeirats. Ein erstes Ziel war, innerhalb von fünf Monaten 100.000 Euro zu sammeln; bei den fehlenden 275.000 Euro hätte man auf die freundliche Mitwirkung der Stadt gehofft, gibt Hörisch-Helligrath zu. Die Initiative hatte auch schon erste Termine für die Kampagne gefunden: am 20. März ein Benefiz-Konzert oder am 9. Oktober ein Spendenlauf. Außerdem wurden Handzettel gedruckt und eine Homepage eingerichtet. "Es lief anfangs sehr gut", resümiert die Altenbacherin, "auch wenn sie unser Ziel schon sehr ambitioniert war."

Das Ende: Mit Corona waren alle Aktivitäten gestoppt, eine klassische Spendenkampagne war völlig unrealistisch geworden. Aber auch die meisten Sponsoren waren mehr als nur zurückhaltend; auch Stiftungen als potenzielle Geldgeber weigerten sich, für eine städtische Immobilie zu spenden. Und Großspender gab es erst recht keine. Nur Stefanie Plattner, die Tochter des SAP-Mitgründers Hasso Plattner und selbst ehemalige Schülerin am Kurpfalz-Gymnasium, hätte bis zu einem Betrag von 10.000 Euro zu jeden 2500 Euro an Spenden denselben Betrag dazugegeben, aber auch das war "nur ein Tropfen auf den heißen Stein", so Haase. Aber auch die Bürger zogen nicht so recht mit – kein Vergleich zum Waldschwimmbad: Manchen war vielleicht der Bürgersaal-Gedanke zu abstrakt, andere sahen vielleicht keinen Bedarf. "Gerade in der Coronakrise haben die Bürger andere Prioritäten", sagt Hörisch-Helligrath. Und so kamen bis dato auch nur 2725 Euro an Spenden für den Bürgersaal zusammen – neben einer größeren Einzelsumme hatten weniger als 100 Schriesheimer Geld gegeben. Da stand dann für die Initiative fest, dass man nicht mehr weitermachen kann – und begrub in dieser Woche die Idee vom Bürgersaal: "Ich sehe dazu definitiv keine Chance mehr", so Haase. Die Flyer werden eingestampft und die Homepage in den nächsten Tagen abgestellt.

Die Reaktionen: "Mir ist der Abschied von diesem Projekt sehr schwer gefallen", gibt Haase zu. Auch Hörisch-Helligrath findet es "für die Bürgergesellschaft schade, dass der Bürgersaal auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben wurde". Sie ist sich sicher: "Der Saal wäre auf jeden Fall mit Leben gefüllt gewesen – sei es durch die beiden Schulen, die Musikschule, die Volkshochschule, die Stadtbibliothek oder die Vereine." Diese Gelegenheit komme so schnell nicht wieder. Und doch: "Ehrenrührig ist nicht, jetzt aufgeben zu müssen. Den Versuch war es wert."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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