04.06.2020

Eine Rhododendron-Pracht, die etwas im Verborgenen blüht

Die Rhododendron-Anlage hinter dem Stammberg-Haupthaus ist immer noch beeindruckend - Wer sie einst gepflanzt hat, bleibt eine offene Frage

Von Karin Katzenberger-Ruf

Schriesheim. Wenn Rhododendren blühen, können sie einen mit ihrer Schönheit schier erschlagen. Die Sträucher aus der Familie der Heidekräuter werden baumhoch, es gibt unter den rund 1000 Arten Blüten in Zartrosa und Lila, aber auch in Rot und Orange. Die Erstgenannten stehen gerade hinter dem Haupthaus des Altenpflegeheims Stammberg in voller Pracht. Der Blüten-Gürtel am Waldrand zieht sich bis zum Talhof, dort ist er aber nicht mehr so üppig.

Wer hat die Rhododendren wann gepflanzt? Der RNZ-Reporterin waren sie nach einem Konzertbesuch "hinterm Haus" aufgefallen, als kürzlich die Familien-Band "Lily&Co" vor prächtiger Blüten-Kulisse gastierte. Im Altenpflegeheim gab es intern schon mal ein Rhododendronfest, aber dann eben unbemerkt von der Öffentlichkeit hinterm Haus. Das Anwesen, auf dem die Evangelische Stadtmission Heidelberg schon seit 1960 in der Altenpflege aktiv ist, hat eine lange Geschichte: Ab 1824 betrieb der Fabrikant Clemens Ehrmann eine vom Kanzelbach angetriebene "Stampfmühle" samt "Lumpenreißerei" zur Papierherstellung. 1875 schlug der Schriesheimer Friedrich Kaufmann ein neues Kapitel auf, als er hier eine Erbsenmühle etablierte – und er gab dem Areal auch seinen Namen: "Stammberg", abgeleitet von der alten Stampfmühle. 13 Jahre später folgte der Heidelberger Wilhelm Reiß, der hier in der Lumpenreißerei Putz- und Schießwolle für das Militär herstellte. Schließlich entstand hier die Lungenheilstätte, die 1904 ihren Betrieb aufnahm und in der zunächst weibliche Tuberkulosekranke aus dem Industrie-Standort Mannheim unterkamen.

In Jubiläumsschriften ist nachzulesen, wie das damals war, als im Stammberg Patientinnen "aus dem Mittelstand" zur Kur waren, mit allerlei Anwendungen und reichhaltigen Mahlzeiten "aufgepäppelt" wurden. Noch nach dem Zweiten Weltkrieg wurden hier unter der Trägerschaft der Bundesversicherungsanstalt Lungenkranke kuriert, doch die Zahl der Tuberkulosekranken nahm ab, und so verkaufte man das Areal 1960 an die Evangelische Stadtmission, die hier ein Altenheim einrichtete. In den 1990er-Jahren wurde viel renoviert, 1983 entstand im einstigen Westgebäude der Talhof als Wiedereingliederungseinrichtung für Wohnsitzlose.

Beeindruckend ist heute noch die parkähnliche Anlage am Kanzelbach, und hinter dem 1874 errichteten und 1995 sanierten Haupthaus stehen die prächtigen Rhododendren-Büsche. Wann diese gepflanzt wurden, ist leider nirgendwo überliefert. Die Blütenpracht im Stammberg liegt ja leider hinter dem Haupthaus verborgen. Bei Tagen der Offenen Tür, Konzerten oder Veranstaltungen im Freien würde die rosa Pracht nur während ihres Blüten-Marathons im April und Mai auffallen. Wenn erst mal die Sommerhitze kommt, ist es mit dem Rhododendron leider schon wieder vorbei.

Talhof-Leiter Günther Förster weiß: "Der Rhododendron-Gürtel am Waldrand reicht bis zu uns. Sie könnte in den 1930er-Jahren oder auch früher gepflanzt worden sein." So ähnlich sieht das auch Tanja Schuppe, die seit 28 Jahren vor Ort als Gärtnerin arbeitet. Mit dem "Gehölz" am Waldrand hat sie relativ wenig zu tun, schneidet nur im Ausnahmefall etwas zurück und lässt der Natur ansonsten ihren freien Lauf. Laut Günther Förster waren die Rhododendren im Schriesheimer Tal in den 1990er-Jahren wegen ihrer Blütenpracht noch ein beliebtes Fotomotiv. "Da hielten auch mal Reisebusse an" erinnert er sich. Heute blüht es eher im Verborgenen. Das ist während der Corona-Krise auch ganz gut so. In besseren Zeiten könnte die Rhododendron-Anlage wieder ein Thema werden – und vielleicht weiß wirklich noch irgendwer, wann sie angepflanzt wurde.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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