17.06.2020

Schriesheim-Altenbach: Weiter Kritik an Bedingungen des Glasfaserausbaus

Schriesheim-Altenbach: Weiter Kritik an Bedingungen des Glasfaserausbaus

Bei der Ortschaftsratssitzung gab es heftige Kritik an der Informationspolitik von Fibernet - Was wird jetzt aus den Telekom-Kunden?

Die Arbeiten für das Glasfasernetz in der Hauptstraße sind so gut wie abgeschlossen, aber Kritik wird dennoch laut. Foto: Dorn

Denn für die meisten, die sich am Montagabend zu Wort meldeten, sind die Bedingungen des Glasfaserausbaus nicht akzeptabel: Gerade den Grundstückseigentümern in der Hauptstraße werden hohe Kosten von etwa 1200 Euro aufgebürdet – während im Schriesheimer Gewerbegebiet die neuen Anschlüsse für die Firmen kostenlos sind. Das liege, so Ortsvorsteher Herbert Kraus, an dem üppigen Bundeszuschuss im Gewerbegebiet, den es aber in Altenbach nicht gebe: Hier müssen die Hausbesitzer die auf sie umgelegten Kosten der Arbeiten bezahlen.

Gleichzeitig, so bemängelte ein Zuhörer, gebe es von Fibernet (und damit auch von der Stadt Schriesheim) "kein Konzept und keine Perspektive", wie es mit dem Glasfaserausbau in Altenbach vorangehen soll. Das laufe in Heiligkreuzsteinach anders: "Dort gibt es eine Strategie und eine Broschüre." Immerhin sagte Kraus zu, eine Bürgerversammlung einzuberufen – wenn es die Abstandsregeln zulassen. Die sei lange geplant gewesen, wurde aber coronabedingt abgesagt. Und es soll auch bald einen Fibernet-Flyer mit Zeitplan geben.

Gleichzeitig stieß es anderen bitter auf, dass der große Rest Altenbachs, also alle abseits der Hauptstraße, nur ein etwas schnelleres Internet bekämen – und je weiter weg vom nächsten Telefonkasten, desto lahmer wird es. Die dann erreichten Übertragungsgeschwindigkeiten von 30 bis 50 Mbit pro Sekunde seien "ein Witz". Bürgermeister Hansjörg Höfer entgegnete: "Wir haben in der ganzen Stadt diesen Witz, über den niemand lacht." Und als Kraus sagte, die 30 Mbit reichten fürs Homeoffice, wurde ihm entgegengeschleudert: "Das reicht dafür nicht, nur um bei Amazon schneller ein Sofa zu bestellen!"

Ebenso viel Raum nahm die Frage ein, ob der Glasfaserausbau in Altenbach denn nun ein "Gnadenakt" von Fibernet sei und wieso es denn bisher nur zwei Anbieter – Netcom-BW und "Overdrive Technologies" – gebe, nicht aber die Telekom. Der Wechsel zu den neuen Dienstleistern sei für die meisten Altenbacher, die bei der Telekom Kunde seien, "eine Zumutung". Wieso werde das neue Glasfasernetz für die Telekom dann nicht auch freigegeben?

Bürgermeister Höfer entgegnete, dass die Telekom nie ein Interesse gezeigt habe, in Altenbach Glasfaser zu verlegen – und wenn sie es getan hätte, "hätte sie auch keinen anderen Anbieter drauf gelassen". Er verteidigte das Vorgehen von Fibernet, schließlich ist diese Firma vom Kreis und auch von der Stadt Schriesheim deshalb gegründet worden, weil sich niemand sonst gefunden habe, das schnelle Internet "aufs Land" zu bringen: "Wir haben keine große Auswahl, wir müssen froh sein, dass wir überhaupt so weit sind."

Ohne Bundeszuschüsse sei es nun einmal teuer, Glasfaser zu verlegen – ein Meter Tiefbau kostet rund 400 Euro –, und die Gebühren für den Anschluss und den Betrieb dienten dazu, das alles zu finanzieren. Deswegen ginge auch der flächendeckende Ausbau des Glasfasernetzes in Altenbach so schleppend voran. Und als Höfer sagte, das werde "noch Jahrzehnte dauern", ging ein empörtes Raunen durch die Mehrzweckhalle.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung