17.06.2020

Wo der Altenbacher Ortschaftsrat die Feuerwehrhalle will

Wo der Altenbacher Ortschaftsrat die Feuerwehrhalle will

Eine Vorentscheidung? - Aber es droht ein langer Rechtsstreit mit einem Nachbarn

Der Favorit: Das Areal in der Hauptstraße 28 ist zwar recht klein, und es droht Ärger mit dem Nachbarn. Aber für die Feuerwehr ist es der am schnellsten machbare Standort für eine Halle. Foto: Dorn

Von Micha Hörnle

Schriesheim-Altenbach. Es war, mal wieder, eine heftige Diskussion im Ortschaftsrat, als es am Montagabend um die Zukunft der Feuerwehr in Altenbach ging. Am Ende fand der Antrag der Grünen Liste, auf dem Brachgelände in der Hauptstraße 28 eine Halle für zwei Fahrzeuge zu bauen, eine Mehrheit – und im Auditorium mit vielen Feuerwehrleuten gab es Beifall. Die RNZ fasst den Stand der Debatte zusammen.

Um welche Grundstücke geht es? Schon länger in der Diskussion ist das Areal in der Hauptstraße 28, das mittlerweile der Stadt gehört – der Favorit der Grünen Liste. Alternativ gibt es seitens der Freien Wähler/Altenbacher Liste die Idee, direkt nebenan, in der Hauptstraße 26, auf dem Gelände der sogenannten Bretschi-Scheune, eine Halle zu errichten. Ein ganz anderer Standort für ein richtiges Gerätehaus läge – zumindest für die SPD – direkt am Ortseingang, im Gewann Katzensäuf.

Welche Probleme gibt es? Kein Grundstück ist ideal: Die Hauptstraße 28 ist eigentlich zu klein, man müsste direkt an die Grundstücksgrenze zur Hauptstraße 30 anbauen – wofür eine Änderung des Bebauungsplans notwendig wäre (denn sonst gilt hier ein Mindestabstand von 2,50 Metern zu den Nachbarhäusern).

Doch ein direkter Anwohner hat angekündigt, den Rechtsweg auszuschöpfen, wenn der Neubau höher werden sollte als die Garage, in der sich eine Arztpraxis befindet (und auf deren Dach eine Terrasse ist). Und man weiß jetzt schon: Die Halle mit ihrem Pultdach wird bis zu 6,70 Meter hoch, deutlich höher als die Garage (3,30 Meter).

Bei der Hauptstraße 26 wiederum ist die Zufahrt sehr abschüssig und die Einfahrt zur Hauptstraße zu eng für die Feuerwehrautos. Am Ortseingang schließlich müsste für ein neues Gerätehaus in den Hang hineingegraben werden – eigentlich im Moment nicht zu finanzieren. Für Christian Wolf von der Grünen Liste ist daher die Hauptstraße 28 "als Standort nicht ideal, aber der einzige machbare".

Wie lief die Debatte? Ausgesprochen hart. Denn obwohl Christian Wolf seinen Antrag als einen vorstellte, der den Stadtteil einen sollte ("Wir müssen bei der Feuerwehr an einem Strang ziehen, um für Altenbach etwas zu erreichen"), fuhr er erst einmal heftige Geschütze gegen Ortsvorsteher Herbert Kraus auf: Er sei befangen, schließlich sei er selbst betroffen – als ehemaliger Arzt mit der Praxis neben dem Brachgrundstück. Kraus entgegnete, er sei seit sechs Jahren im Ruhestand und habe mit der Praxis "nichts mehr zu tun" – und lehnte Wolfs Vorstoß ab. Hermann Pröll (Freie Wähler) wiederum verließ den Ratstisch – als Feuerwehrmitglied sei er befangen, obwohl das für Kraus kein Grund gewesen wäre.

Unterdessen lehnte Carsten Junghans (Freie Wähler) den Vorschlag der SPD für ein neues Gerätehaus im Katzensäuf ("nicht zu finanzieren"), vor allem aber den der Grünen Liste für die Hauptstraße 28 ab – wegen des Widerstands des Nachbarn: "Sie führen die Stadt sehenden Auges in einen Rechtsstreit, der viele Jahre dauern wird." Und er warb für die "Bretschi-Scheune" als Standort für eine Feuerwehrhalle: Dort seien die Nachbarn alle einverstanden, die Einfahrt könne man auch verbreitern. Und doch: Nicht alle aus seiner Fraktion – wie Hans Beckenbach – wollten Junghans folgen. Ähnlich sah es auch Karl Reidinger (CDU), für den das Areal Hauptstraße 28 "zu klein" und daher "für eine Halle nicht geeignet" war.

Schließlich vertrat Karin Malmberg-Weber (SPD) die Ansicht, dass alle Provisorien – so schlecht sie auch seien – auch Geld kosteten, insofern könne man schon über eine "große Lösung" nachdenken. Auch sie warnte wie Junghans vor einem langen Rechtsstreit, und wie er kritisierte sie die Grüne Liste, dass sie sich mitnichten um eine gemeinsame Linie im Ortschaftsrat bemüht habe. Wolf wiederum entgegnete, ein neues Feuerwehrhaus werde es "in absehbarer Zeit nicht geben", und die "Bretschi-Scheune" sei "nicht machbar", man sei aber "offen für neue Vorschläge". Wenn man jetzt den Bebauungsplan ändere, hieße das ja nicht, dass man bald bauen könne. Man solle die Zeit nutzen, um mit dem Nachbarn zu verhandeln.

Was will die Feuerwehr? Nach gut einer Stunde meldete sich endlich der Altenbacher Abteilungskommandant Daniel Hermann zu Wort – mit einer klaren Ansage: "Natürlich wäre es für uns schön, wenn wir ein neues Gerätehaus bekämen, aber das ist nicht machbar. Von allem, was schnell gehen kann, bleibt nur die Hauptstraße 28 übrig." Die "Bretschi-Scheune" sei ungeeignet: zu schmale und zu steile Zufahrt. Bürgermeister Hansjörg Höfer erinnerte an die lange Suche nach geeigneten Grundstücken für ein neues Feuerwehrhaus, die man aber nie gefunden habe. Insofern sei die Hauptstraße 28 eine Notlösung.

Wie wurde abgestimmt? Suzanne Epp, Heike Lukhaup, Sabine Stern und Christian Wolf von der Grünen Liste stimmten zusammen mit Hans Beckenbach (Freie Wähler) für die Hauptstraße 28 als neuen Standort für eine Feuerwehrhalle – und damit auch für eine Änderung des Bebauungsplans. Dagegen votierten Karin Malmberg-Weber (SPD) und Carsten Junghans (Freie Wähler), Ortsvorsteher Herbert Kraus und Karl Reidinger (CDU) enthielten sich.

Wie geht es weiter? Die Änderung des Bebauungsplans für die Hauptstraße 28 wird jetzt eingeleitet. Zugleich stimmte der Ortschaftsrat einmütig dafür, das Areal für 20.000 Euro zu einem provisorischen Parkplatz herzurichten – ein alter Vorschlag der CDU. Bis zum Winter sollen dort die Arbeiten beginnen, so Bürgermeister Höfer. Der SPD-Antrag für ein neues Gerätehaus am Ortseingang wurde erst einmal vertagt.

Die große Lösung: Am Hang links vom Ortseingang, im Gewann „Katzensäuf“, könnte ein neues Gerätehaus entstehen. Doch angesichts klammer Finanzen wurde diese Frage vertagt. Foto: Dorn

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung