16.07.2020

Seniorenheim Edelstein: "Das ist eine große Chance für Schriesheim"

Seniorenheim Edelstein: "Das ist eine große Chance für Schriesheim"

Bürgermeister Hansjörg Höfer stellte die Pläne für den Umzug des "Edelsteins" aufs Gärtner-Gelände vor - Was wird dann aus der Talstraße?

Die Idee: Das Seniorenheim „Edelstein“ zieht von der Talstraße um auf das Gelände des ehemaligen Autohauses Gärtner an der B 3. Ein Ideenwettbewerb soll jetzt klären, welche Bebauung für das Stadtbild verträglich ist. Foto: Dorn

Von Micha Hörnle

Schriesheim. Am Mittwoch wurde es offiziell: In einer Pressekonferenz präsentierte Bürgermeister Hansjörg Höfer die Pläne für das Gelände des ehemaligen Autohauses Gärtner an der B 3, worüber die RNZ bereits am Dienstag berichtet hatte: Das Seniorenheim Edelstein will auf das Gärtner-Gelände ziehen. Für den Neubau soll in Kürze ein Ideenwettbewerb starten, den der Gemeinderat auf seiner Sitzung am nächsten Mittwoch aller Voraussicht nach beschließen wird. Die RNZ trägt die wichtigsten Fakten um diesen "Immobiliendeal", der das Gesicht Schriesheims verändern wird, zusammen.

> Die Ausgangslage: Sowohl Grundstücksbesitzer Klaus Gärtner als auch der Betreiber des "Edelsteins", die SWB Wohnstift-Betriebsgesellschaft aus dem mittelbadischen Bühl, kamen mit ihren jeweiligen Plänen vor dem Gestaltungsbeirat und/oder dem Ausschuss für Technik und Umwelt nicht durch. Nachdem Gärtner Ende September 2018 sein Autohaus aufgegeben hatte, wollte er das Grundstück mit 30 Doppel- und Reihenhäusern bebauen. Unterdessen kämpfte die SWB um einen Neubau, denn die bisherigen drei Häuser sind nicht mehr betriebswirtschaftlich zu führen, weil seit 2019 nur noch Einbett-Zimmer in Seniorenheimen vorgeschrieben sind. Doch die geplanten Häuser in der Talstraße fielen zu massiv aus.

> Die Lösung: Wie Bürgermeister Höfer erklärte, kam aus dem Gestaltungsbeirat, dem Gemeinderäte und externe Experten angehören, die Idee, beide Projekte zu verbinden. Der Kontakt zwischen Gärtner und der SWB wurde hergestellt – und heraus kam, dass die SWB das Gärtner-Gelände mit einem neuen Heim bebauen könnte. Geplant ist nicht nur eine stationäre Pflege, sondern auch "Betreutes Wohnen plus", bei dem man auch Dienstleistungen wie Essen oder zeitweilige Pflege in Anspruch nehmen kann. "Dieses Pflegewohnen ist mittlerweile eine gängige Wohnform", erklärte der gestern per Telefon zugeschaltete Freiburger Architekt Thomas Thiele, der die Stadt Schriesheim bei Sanierungsfragen berät (und auch selbst Mitglied im Gestaltungsbeirat ist). Der Neubau des "Edelstein" an der jetzigen Stelle sei "nur sehr, sehr schwer realisierbar", auf dem Gärtner-Gelände gebe es "viel bessere Bedingungen". Insofern gab es ein "gewisses Unbehagen", den früheren "Edelstein"-Neubauplänen eine Abfuhr zu erteilen: "Schriesheim braucht ja diese Einrichtung." Das bestätigt auch Höfer: "Ohne eine zukunftsfähige Perspektive würde diese Pflegeeinrichtung aufgegeben werden." Für ihn ist die jetzt anvisierte Lösung eine "große Chance für Schriesheim".

> Die Zukunft des jetzigen "Edelstein"-Geländes: Das war die einzige Überraschung gestern: Während die SWB davon ausgeht, zwei Standorte in Schriesheim zu betreiben – es soll also auch in der Talstraße neu gebaut (oder wenigstens saniert) werden –, sagte Höfer, darüber habe es noch keine Gespräche gegeben: "Im Moment geht es nur um das Gärtner-Gelände und nicht um das ,Edelstein’-Areal.". Thiele erinnerte daran, dass sich der jetzige "Edelstein" im Sanierungsgebiet befinde – und da gebe es für eventuelle Neubaupläne einen "großen Abstimmungsbedarf": "Man muss sehr sorgfältig prüfen, wie der dortige Gebäudebestand weiterentwickelt werden kann, schließlich ist das ja eine wichtige städtebauliche Situation."

> Die nächsten Schritte: Am Mittwoch wird der Gemeinderat einen Ideenwettbewerb beschließen. Drei Architektenbüros sollen ausloten, was auf dem Gärtner-Gelände städtebaulich alles möglich (oder verträglich) ist. Das betrifft natürlich solche Fragen, wie hoch und wie groß die Gebäude werden: Orientieren sie sich an der Umgebungsbebauung mit meist zwei Stockwerken oder doch an den Neubauten auf dem gegenüberliegenden ehemaligen OEG-Gelände mit vier Etagen? "Da wird nichts vorgegeben", so Höfer, darüber sollten sich die Experten ihre eigenen Gedanken machen. Doch zuvor muss die SWB ein Raumprogramm vorlegen, das noch nicht bekannt ist – außer dass hier 90 Plätze im Pflegeheim und im Betreuten Wohnen entstehen sollen. Die Ergebnisse des Architektenwettbewerbs sollen noch in diesem Herbst vorliegen. Über die berät nicht nur der Gemeinderat, sie sollen auch den Bürgern vorgestellt werden, so Höfer. Erst dann wird ein vorhabenbezogener Bebauungsplan eingeleitet – und erst wenn der "durch" ist, kann SWB bauen. Damit soll verhindert werden, dass Investoren Pläne vorlegen, die dann im Ausschuss scheitern. Der Ideenwettbewerb gebe für alle Beteiligten Planungssicherheit, und "die Stadt hat das Heft des Handelns" (Höfer) weiter in der Hand.

> Was Klaus Gärtner sagt: Die Eltern des Schriesheimers hatten 1950 ein Autohaus zunächst mit Tankstelle gegründet, das Klaus Gärtner bis vor zwei Jahren führte. Er bedauert die Entscheidung nicht, seinen Betrieb aufgegeben zu haben: "Es ist gut, in Coronazeiten kein Autohaus zu haben." Die nun anvisierte Lösung, dass der "Edelstein" auf sein 6000-Quadratmeter-Grundstück zieht – dazu gehört auch die mittlerweile geschlossene "Matratzen-Concord"-Filiale, die alte VW-Ausstellungshalle –, findet er richtig: "Es wäre ein großer Schaden für Schriesheim, wenn dieses Projekt nicht verwirklicht werden würde." Er ist sich sicher, dass es dafür im Gemeinderat und unter den Bürgern eine große Unterstützung gibt. Verkaufen, so betonte er, werde er das Areal nicht: Es wird auf 99 Jahre in Erbpacht vergeben.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung