21.07.2020

Wahlkampf: Wie Heidelbergs CDU-Politiker Schriesheim erlebt

Wahlkampf: Wie Heidelbergs CDU-Politiker Schriesheim erlebt

Alexander Föhr, der den CDU-Bundestagsabgeordneten Karl A. Lamers beerben will, radelte durch die neuralgischen Stellen der Stadt - Das Hofviertel erinnert ihn an Straßburg

Die CDU-Vorsitzende Christiane Haase zeigte dem Heidelberger Stadtrat und möglichen Lamers-Nachfolger Alexander Föhr ihre Stadt (hier an der Gaulsbrücke) – und zwar per Rad. Foto: Dorn

Schriesheim. (hö) Da hatte sich der Bundestagskandidat-Kandidat Alexander Föhr schon etwas vorgenommen: Auf dem Rad erkundete er mit der Schriesheimer CDU-Vorsitzenden Christiane Haase die momentanen Baustellen Schriesheims. Die Tour war schon lange geplant, bevor es zu einer Kampfkandidatur um die Nachfolge von Karl A. Lamers gekommen war. Föhr galt lange als "gesetzt", doch dann warfen erst Ulf Martini aus Hohensachsen und dann Matthias Kutsch aus Heidelberg ihren Hut in den Ring. Die Würfel fallen an diesem Samstag, 25. Juli, in der Jahnhalle in Dossenheim. Insofern hätten auch Föhrs Kontrahenten am Radeln durch Schriesheim teilnehmen können, doch deren Wahlkampf tobt erst einmal weniger auf den Straßen vor Ort, sondern im Internet. Aber Föhr hatte ja schon länger versprochen, seinen eventuellen Wahlkreis kennenzulernen – auf der Ortschaftsratssitzung in Altenbach war er schon vor einem Monat.

Erste Station war nun in Schriesheim die Gaulsbrücke. Sie steht nicht nur für die in Teilen marode Verkehrsinfrastruktur der Stadt, sondern auch für die vielen Probleme, die sie auch sonst so plagen: Hochwasser, Fischsterben und – wenn man sich zur "Rose" wendet – das Laden- und Gaststättensterben. Haase erklärte zunächst, warum die Gaulsbrücke doch erst mal nicht neu gebaut wird – weil die Landesförderung nicht so fließt, wie erhofft. Überhaupt sollte die Talstraßensanierung in diesem Jahr anlaufen, doch das verzögert sich corona- und zuschussbedingt. Doch fast mehr noch nimmt Haase das traurige Schicksal der mittlerweile sichtlich baufälligen "Rose" mit: "Das ist so schade, das könnte eine Perle der Stadt sein!" Ihre einstigen Pläne, solche Leerstände für Kulturveranstaltungen zu nutzen, hätten sich zerschlagen. Föhr schaute sich den blätternden Putz und die schiefen Fensterläden an und meinte nur: "Und das an einer so optisch sensiblen Stelle!" Aber genug des Ungemachs: Bei einer Fahrt entlang des Kanzelbachs, im alten Hofviertel, entfuhr es ihm: "Mann, das sieht ja aus wie in Straßburg!"

Nächster Stopp war am "Schwarzen Adler", bei dem ja immer noch die Abrisslücke klafft. Haase berichtete von jahrelangen Diskussionen um einen Neubau, jetzt seien hier 14 Wohnungen geplant – aber immerhin gebe es das alte Fass ja noch (siehe Artikel oben). Föhr ließ seinen Blick auf das OEG-Gelände schweifen und fragte: "Wo ist denn der Lokschuppen hin? Da war ich mal und habe ein Bier getrunken." Der ist längst ein Opfer der Neubauten geworden, wie auch die "Pfalz", die dem Ärztehaus gewichen ist: "Solche alten Vereinslokale gibt es immer weniger, dafür sind wir jetzt mit Medizinern richtig gut versorgt", kommentierte Haase. Kurz noch ein Blick in die Unterführung mit ihrer Kameraüberwachung, die es ja bald auch am Heidelberger Bismarckplatz geben soll. Die Graffiti-Aktion dauert noch (RNZ vom Freitag), aber eine Neuigkeit hatte Haase dann doch noch: Kameras sind jetzt auch an den vandalismusgefährdeten Bereichen des Schulzentrums geplant.

Auf dem Weg dorthin – CDU-Stadträtin Lisa Hartmann hatte sich der Radeltross mittlerweile angeschlossen – warfen alle noch einen Blick auf das Neubaugebiet südlich vom Schlittweg, von dem momentan keiner sagen kann, ob es denn jemals kommt. "Das muss sich auch für die Stadt finanziell lohnen", sagte Hartmann. Und Haase erinnerte an die Diskussion, hier das Schulzentrum neu zu bauen: "Es hätte dort keine Hallen für den Sport gegeben, die ganze Infrastruktur fehlt. Und Neubauten wären vom Land dort auch nicht gefördert worden."

Da lag auch Schriesheims "größtes Projekt ever" (Haase), die Sanierung des Kurpfalz-Gymnasiums, nicht weit, weder inhaltlich noch geographisch. Haase berichtete dem Heidelberger Föhr: "Wir wollen ja gar keine goldenen Wasserhähne. Wir wollen nur, dass es dort vernünftige Zustände gibt: dass man die Fenster aufmachen kann und die Heizung nicht immer durch bollert. Das kostet die Stadt ein Vermögen an Unterhalt." Aber bei allem Plädoyer für die Sanierung ("Läuft gut, wir bekommen gute Angebote und haben ein hohes Einsparpotenzial"): Nicht alles wird dann gut. Nach Abschluss der Arbeiten wird die Aula viel kleiner werden und ist beispielsweise für Einschulungsfeiern kaum mehr zu nutzen. Überhaupt, das ganze Schulzentrum mit seinen 300 Grund-, und 600 Realschülern sowie den 900 Gymnasiasten: "Das ist unüblich für die heutige Zeit mit ganz anderen Lernanforderungen", sagte Haase. Im Grunde sei die gesamte Anlage veraltet, auch wenn hier pädagogisch Spitzenarbeit geleistet werde: "Gerade die Realschule hat einen guten Ruf. Sie hat ein fast noch größeres Einzugsgebiet als das Gymnasium."

Und wie fand der Heidelberger Föhr, der in die Bundespolitik will, diese Tour durch Schriesheim? "Sehr abwechslungsreich. Ich habe die ganze Bandbreite von Themen erlebt. Und gerade bei der Gymnasiumssanierung zeigt sich: Die Kommunen stehen am Ende der Finanzkette – obwohl hier die Menschen den Staat hautnah erleben." Insofern habe er eine "Menge erfahren" – oder erradelt.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung