25.07.2020

Branich-Sperrung mit Notlösung für Pflegedienste

Branich-Sperrung mit Notlösung für Pflegedienste

IG Branich erreicht Anfahrmöglichkeit in besonderen Fällen - Wieder Diskussion um den Laubelt

Ab Montag ist die Branich-Auffahrt gesperrt – auch wenn es zeitweilige Öffnungen gibt. Foto: Dorn

Schriesheim. (hö) Die Branich-Bewohner stehen vor einer schweren Woche: Wie bereits berichtet, soll die einzige Zufahrt, die Branichstraße, wegen dringender Baumfällarbeiten ab dem 3. August für fünf Tage dichtgemacht werden. Demnach wird die Auffahrt in der Zeit zwischen 8 und 18 Uhr gesperrt, es gibt aber drei halbstündige Zeitfenster, an denen man doch durch kann: 10 bis 10.30, 12.30 bis 13 und 15 bis 15.30 Uhr. Die zweite Zufahrt zum Wohngebiet, über den Laubelt, ist nur den Rettungsdiensten vorbehalten.

Gegenüber der RNZ hatte insbesondere die Vorsitzende der Interessensgemeinschaft (IG) Branich, Monika Klahr, gefordert, dass auf die Belange kranker, behinderter und älterer Bewohner stärker Rücksicht genommen werden sollte. Denn es sei absehbar, dass gerade die Pflegedienste oder Ärzte mit den Zeitfenstern Probleme haben könnten. Doch es gibt eine Lösung, wie Bürgermeister Hansjörg Höfer bei der Gemeinderatssitzung am Mittwochabend verriet: Für den Fall, dass eine Zufahrt zum Branich außerhalb der Zeitfenster nötig sein sollte, steht ein Ordnungsamtsmitarbeiter bereit, um für die Fahrzeuge der Pflegedienste eine Durchfahrt über den mit Pfosten abgesperrten Laubelt zu ermöglichen. Es gibt sogar eine doppelte Sicherung: Auch die Feuerwehr hat einen Schlüssel für die Absperrung, damit die Krankenwagen hochfahren können; sie werden sogar von der Wehr zum Branich eskortiert, weil deren Fahrer sich oft gar nicht auskennen.

Mit dieser Lösung kann Klahr einigermaßen leben, denn: "Eine andere Lösung fällt mir auch nicht ein. Keiner zweifelt daran, dass der Hang gesichert werden muss. Aber für jeden auf dem Branich ist diese Vollsperrung ein Thema – sei es, wenn man die Kinder aus der Schule abholt oder von der Arbeit kommt. Wir haben aber in den Gesprächen mit dem Rathaus den Schwerpunkt auf die älteren und kranken Bewohner gelegt." Höfer sagte, man könne nicht jedem Bedürfnis gerecht werden. So könnten Familien ja in der Stadt bis zum nächsten Zeitfenster ein Eis essen.

Doch eine Sorge plagt Klahr weiter: dass es in der Talstraße zu großen Rückstaus kommen sollte. Laut Ordnungsamtsleiter Achim Weitz soll es drei Ampeln, zwei in der Tal- und eine in der Branichstraße, geben. Aber dass es allgemein zu Verkehrsbehinderungen kommen wird, "können wir nicht ausschließen". Der immer wieder erhobenen Forderung, doch den Laubelt zu öffnen, erteilte Weitz eine Absage: "Das ist zum einen rechtlich nicht möglich. Die zuständige Straßenverkehrsbehörde, der Rhein-Neckar-Kreis, ist der Ansicht, dass der Laubelt den Verkehr nicht aufnehmen kann. Und ganz praktisch muss die Rettungszufahrt sichergestellt sein. Wenn da jemand runtergefahren kommt, blockiert der die herauffahrende Feuerwehr."

Und schon war man wieder in der alten Laubelt-Diskussion, die auch Branich-Anwohner befeuerten: "Ein Wohngebiet mit rund 1000 Bewohnern, darunter viele junge Familien, braucht dringend eine zweite Abfahrt, zumindest langfristig. Die Ausrede, dass dafür kein Geld da ist, lasse ich nicht gelten." Und Hans-Jörg Goerlach, der gegen die Laubelt-Sperrung klagen wollte, erinnerte an den alten Bebauungsplan, der eine zweite Abfahrt vorsieht – daran müsse sich die Stadt doch gebunden fühlen. Bürgermeister Höfer entgegnete Goerlach: "Damit sind Sie schon vor Gericht nicht durchgekommen, gehen Sie eben noch einmal dagegen juristisch vor, dann haben wir eine Gerichtsentscheidung."

Außerdem sei es ja in Schriesheim nicht so ungewöhnlich, dass Wohngebiete mit nur einer Straße erschlossen sind. Wer den Laubelt ausbauen wolle, der müsse sich darüber im Klaren sein, dass in ein Landschaftsschutzgebiet eingegriffen werde – und solche Genehmigungsverfahren dauerten ewig. Eine schlichte Verbreiterung ohne Ausbau komme auch nicht in Frage – aus Haftungsgründen. Kurz: Geht es nach Höfer, wird der Laubelt, außer für Rettungskräfte, nie für den Verkehr geöffnet.

Bliebe die Frage, ob es für Fußgänger eine Alternative ins Tal gebe – also eine Alternative zur Branichstaffel. Die sei, so Klahr, "in einem verheernden Zustand, das ist nichts, was man mit Schippe und Besen hinbekommt". Unlängst sei ein Mädchen gestürzt. Höfer versprach, sich darum zu kümmern.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung