05.08.2020

Schriesheimer Wald: Manche Mountainbiker basteln sogar Schilder

Im Wald waren sogar selbst gebastelte Schilder "Für Fußgänger gesperrt" zu lesen. Die Förster jedoch sorgen sich weniger um den "Freizeitstress", als um die Trockenheit.

Von Micha Hörnle

Schriesheim. FDP-Stadtrat Wolfgang Renkenberger machte unlängst eine seltsame Entdeckung im Wald: Da hing ein selbst gebasteltes Schild, das wohl Mountainbiker angebracht hatten. Demnach sei dieser Weg fortan für Fußgänger gesperrt: "Der Wald entgleitet unserer Kommune, die Leute schaffen sich mittlerweile ihr eigenes Recht", empörte sich Renkenberger. Bürgermeister Hansjörg Höfer fand solch eigenmächtiges Vorgehen "die Krönung".

Den Schriesheimer Förstern Michael Jakob und Walter Pfefferle ist bisher noch kein solches Schild untergekommen, aber sie sagen: "Solche Trails (selbst angelegte Strecken für Mountainbiker, Anm. d. Red.) sind gesetzeswidrig." Allerdings seien diese relativ selten. Überhaupt habe sich, so Pfefferles Beobachtung, das Verhältnis zwischen Mountainbikern und Fußgängern "eher entspannt" – und zwar trotz der coronabedingt stärkeren Freizeitaktivitäten im Wald. Unfälle seien ihm noch nicht gemeldet worden.

Und doch riefen in der letzten Woche gleich drei Bürgermeister, Hansjörg Höfer (Schriesheim), Ralf Gänshirt (Hirschberg) und David Faulhaber (Dossenheim) zu "mehr Respekt im Miteinander in Feld und Wald" auf. Grund für diesen gemeinsamen Appell war die "Sprühattacke" eines Unbekannten auf eine junge Schriesheimer Winzerin am Dossenheimer Ortsrand. Deswegen fordern sie nicht nur die Einhaltung der Regeln und allgemein mehr Rücksicht, sondern auch mehr Anerkennung für die Leistungen der Landwirte und der Förster "zum Erhalt der Landschaft".

Tatsächlich hat auch der Schriesheimer Wald zu kämpfen, wie unlängst die beiden Förster der CDU-Gemeinderatsfraktion berichteten – aber weniger, weil er im "Freizeit-", sondern weil er im "Trockenheitsstress" ist. Besonders anfällig dafür sind die Fichten, die aber auf der Gemarkung der Weinstadt einen relativ kleinen Anteil haben. Denn diese Flachwurzler leiden am meisten unter den immer häufigeren Dürrephasen, ihre Abwehrkräfte werden geschwächt, und sie werden anfälliger für die Borkenkäfer.

Schon im RNZ-Interview vor drei Monaten befürchteten die Förster eine heftige Plage, nachdem sie in den Fallen besonders viele Schädlinge gefunden hatten: "Jetzt geht es los!", meint Pfefferle. Erst unlängst fällte er 33 Fichten im Rimbachtal Richtung Wilhelmsfeld, weitere sieben in der Estenklinge bei Ursenbach und in Hirschberg noch einmal 26. Jakob, der auch für Dossenheim zuständig ist, entdeckte am Weißen Stein über 100 geschädigte Bäume, die erst einmal mit einem roten Kreuz markiert wurden, also für die spätere Fällung bereit sind. Dass nicht alle toten Fichten sofort aus dem Wald herausgeschafft werden können, liegt an den Preisen für Holz, die mittlerweile im Keller sind: Einst bekam man für einen Festmeter Holz 100 Euro, jetzt sind es nur noch 25: "Da ist das Fällen und Abtransportieren nicht kostendeckend", so Pfefferle.

Die große Frage ist, wie der Wald "umgebaut" werden kann, damit er mit der Klimaerwärmung besser zurechtkommt. "Ein rigoroser Umbau ist ausgeschlossen", so Pfefferle, "das wäre auch nicht zu finanzieren. In Schriesheim haben wir 1650 Hektar, wir können nur zwei bis drei Hektar im Jahr neu pflanzen." Ein Setzling kostet zwischen 80 Cent und 1,50 Euro. Große Anpflanzaktionen sind seit dem zerstörerischen Orkan "Wiebke" vor 30 Jahren sowieso nicht mehr möglich, da die aufzuforstenden Flächen einfach zu groß wären. In der letzten Zeit wurden insgesamt 1800 Bäume gesetzt, die meisten davon Eichen, aber am Ende hoffen die beiden Förster auf die Kräfte der Natur: So lässt man auf gerodeten Flächen die Samen der umstehenden Bäume aufgehen (die sogenannte Naturverjüngung) – auch in der Hoffnung, dass diese mit dem Klimawandel zu leben gelernt haben. Den Fichten gibt Pfefferle keine große Chance mehr ("Die sind fast durch"), auch "die Buche schwächelt".

Eine eigene kleine "Aufforstung" brachte unlängst die CDU ins Spiel: einen Baum für jeden neugeborenen Schriesheimer, also pro Jahr zwischen 90 und 100. Die Kosten wären mit zehn Euro für ein halbwegs großes Exemplar nicht das Problem, sondern eher die Frage, wo diese "Willkommensbäume" stehen und ob diese zugänglich sein sollten: Die Tendenz geht dahin, keinen Extra-Wald anzulegen. "Wir sollten das nicht zu persönlich machen, dass jeder seinen eigenen Baum hat", meinte Stadträtin Christiane Haase. Und Förster Jakob fragte: "Was wird aus dem eigenen Baum, wenn der mal abstirbt?"

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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