08.08.2020

Karl A. Lamers trifft zufriedenen Mittelstand und zufriedenen Bürgermeister

Karl A. Lamers trifft zufriedenen Mittelstand und zufriedenen BürgermeisterSommertour des CDU-Bundestagsabgeordneten - Wo sich ein Grüner und ein Schwarzer verstehen - und die Welt heiler ist als anderswo

Bundestagsabgeordneter Karl A. Lamers (Mitte) zu Besuch bei Gassert-Metallbau: Matthias (r.) und Kathrin Kunze (3.v.r) führen die Landtagsabgeordnete Julia Philippi (2.v.r) sowie die CDU-Stadträte Karl Reidinger, Christiane Haase und Lisa Hartmann (v.l.) durch den Betrieb. Foto: Dorn

Schriesheim. (hö) Eines kann man dem CDU-Bundestagsabgeordneten Karl A. Lamers nicht nachsagen: dass er trotz seines angekündigten Verzichts, wieder anzutreten, die Dinge schleifen lässt. Im Gegenteil: Wie jedes Jahr bricht er zu seiner Sommertour durch den Wahlkreis auf, am Freitag machte er Station in Schriesheim: "Ich habe noch eineinviertel Jahr vor mir, und will volle Pulle weiterarbeiten."

Erster Stopp war zusammen mit der Landtagsabgeordneten Julia Philippi bei Metallbau Gassert im Gewerbegebiet, einem alteingesessenen Schriesheimer Betrieb mit gut 30 Beschäftigten, den nun Matthias Kunze führt. Die Wahl auf die Firma fiel nicht zufällig: "Das hier ist Mittelstand im besten Sinne des Wortes", lobte Lamers, "das ist die Stütze unserer Wirtschaft."

Lamers wäre nicht Lamers, wenn er nicht die Segnungen "seiner" Regierung anpreisen würde – vom Konjunkturpaket über die Ausbildungsprämie bis hin zum Digitalpakt für Schulen –, aber im Grunde traf er bei Matthias Kunze auf geneigte Ohren, denn der Firma geht es auch trotz Corona gut, denn: "Beim Metallbau decken wir alles ab." Sein Großvater hatte den Betrieb 1958 in einer kleinen Scheune in der Kernstadt gegründet, Anfang der siebziger Jahre zog er ins Industriegebiet und konnte expandieren.

Mittlerweile ist mit Matthias Kunze (32) und seiner Schwester Kathrin (30) die dritte Generation am Start – und die hat frische Ideen, um an das rare Gut "Azubi" zu kommen: Da werden Videos gedreht, man kann sich sogar per Whatsapp bewerben, und solange jemand mit seinen Händen arbeiten kann, "ist es egal, ob jemand in Deutsch eine Vier hat". Im Moment hat die Firma fünf Lehrlinge, zwei wurden neu eingestellt, diese zeitgemäße Form der Nachwuchswerbung scheint schon mal zu klappen. Philippi regte an, dass sich die Gymnasiasten doch mehr für Ausbildungsberufe begeistern sollten, wofür Kathrin Kunze durchaus offen ist: "Eine Ausbildung ist keine Einbahnstraße, jeder kann sich zum Techniker weiterbilden."

Um die Zukunft ist den Kunzes nicht bang: "Unser Handwerk wird auch in 50 Jahren kein Roboter machen." Und die Auftragslage ist gut: Erst unlängst erhielt die Firma den Zuschlag für die Sanierung der Kurpfalz-Gymnasium-Fassade. In der großen Halle stehen übrigens zwei neue Stücke, die jeder bald in Schriesheim sehen wird, zwei neue, originelle Fahrradständer für die beiden "Heiße Bäcker"-Filialen. Die Gestaltung dafür kommt aus dem eigenen Haus, für die Design-Abteilung ist Kathrin Kunze verantwortlich.

Die zweite Schriesheimer Lamers-Station, im Rathaus, war zwar erwartbar, aber doch ungewöhnlich: "Ein grüner Bürgermeister und ein schwarzer Bundestagsabgeordneter", so begann Lamers. Dann eine kleine dramatische Pause: "Das klappt hervorragend." Und Hansjörg Höfer bestätigte: "Du bist oft in Schriesheim, dafür bin ich dankbar." Zumal es gerade in Krisenzeiten wichtig sei, "dass Demokraten zusammenrücken". Und er berichtete ihm, wie seine Stadt die Corona-Zeit gemeistert habe: "Das war schon sehr anstrengend, wir konnten ja auf keinerlei Erfahrungen zurückgreifen: Aber da hat die Verwaltung gut funktioniert." Wenn die Verordnungen der Landesregierung am Freitag kamen und schon am Montag drauf umgesetzt werden sollten, da hätten die Mitarbeiter klaglos auch übers Wochenende gearbeitet. Ansonsten habe das Rathaus den Einzelhandel und die Gastronomie beraten: "Die Leute dürfen nicht allein gelassen werden."

Als Lamers, wie schon bei der Firma Gassert, die Leistungen der Regierung zur Corona-Bewältigung anspricht, kann ihm Höfer nur beipflichten: "Die öffentliche Hand muss investieren und nicht in die Krise hineinsparen." Schriesheim macht es ja auch gerade vor – mit der Gymnasiumssanierung für 21,5 Millionen Euro. Überhaupt habe die Stadt in den letzten Jahren große Aufgaben fast geräuschlos bewältigt, wie beispielsweise die Flüchtlingsunterbringung, so Höfer: "Ich werde immer mal gefragt, ob es denn in Schriesheim überhaupt Flüchtlinge gebe. Und ich sage: Ja, 250. Da sieht man, was man meistern kann."

Lamers war derart von den Ausführungen Höfers angetan, dass er sogar meinte, dass es in Schriesheim keine Probleme gebe – was vielleicht doch etwas übertrieben ist. Aber doch bestätigte ihn sein Besuch in der Auffassung, dass in Schriesheim die Welt ein bisschen heiler ist als andernorts, mit einem prosperierendem Handwerk und einem relativ zufrieden wirkenden Bürgermeister.

Und weil der Grüne und der Schwarze offenbar gut miteinander können, gab es noch lobende Worte Höfers für Lamers: "Das ist schon etwas Großes, wie Du von der politischen Bühne gehst." Und der gab zurück: "Ich habe es mir nicht einfach gemacht und ein halbes Jahr überlegt. Ich war in meinem Entschluss völlig frei – und habe den noch keinen Tag bereut." Und woher rührt das gute Verhältnis beider? Vielleicht darin, dass Höfer über sich sagt: "Ich habe von der Bundeskanzlerin gelernt, dass man nicht so oft auf die eigene Partei hören soll." Und Lamers wird Höfer nie vergessen, dass der vor sieben Jahren in seinem Wahlwerbespot eine Statistenrolle beim Umtrunk in den Schriesheimer Weinbergen übernahm.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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