11.08.2020

SPD will nach Kleinböck-Verzicht Generationswechsel

SPD will nach Kleinböck-Verzicht GenerationswechselSo sehen die Ortsvereine den Verzicht Kleinböcks auf eine erneute Landtagskandidatur: Kein Bedauern, aber Freude über zwei Kandidaten

Von Micha Hörnle

Die drei Kandidaten (v.l.): André De Sá Pereira, Zweitbewerberin Vanessa Bausch und Sebastian Cuny. Foto: Dorn

Neckar-Bergstraße. Nach der Entscheidung des langjährigen SPD-Landtagsabgeordneten Gerhard Kleinböck, nicht mehr zur nächsten Wahl anzutreten, haben die Genossen in der Region die Qual der Wahl – zwischen Kleinböcks Wahlkreismitarbeiter Sebastian Cuny (41, Schriesheim) und dem Wirtschaftsingenieur André De Sá Pereira (29, Weinheim).

Die RNZ stellte den SPD-Ortsvereinen des Wahlkreises sechs Fragen im Zusammenhang mit dem Verzicht Kleinböcks und der, zumindest für Außenstehenden, überraschenden Kandidatur Cunys und De Sá Pereiras. Drei Ortsvereine antworteten, zumindest teilweise, auf die Fragen, die meisten schickten nur allgemeine, manchmal sogar wortgleiche Stellungnahmen. Trotz wiederholter Bitten um Rückmeldung kam keine Antwort aus Kleinböcks eigenem Ortsverein, aus Ladenburg.

Daraus ergibt sich vor allem ein Bild: Unter den Genossen war der Wunsch nach einem Generationswechsel so groß, dass man die Kandidatur der Beiden durch die Bank begrüßt; eine Festlegung auf einen Kandidaten gibt es bisher in keinem Ortsverein.

Zugleich wird auch klar: Öffentlich bedauert niemand den Rückzug Kleinböcks. Eine Interviewanfrage der RNZ lehnten die Kandidaten Cuny und De Sá Pereira, aber auch der scheidende Abgeordnete Kleinböck bisher ab. Dabei hätte unter anderem die Frage geklärt werden können, ob es bereits 2016 eine Abmachung gegeben hat, wonach im Laufe dieser Legislaturperiode Kleinböck den Platz für Cuny freimacht.

Die Fragen der RNZ beantworteten die Vorsitzenden der Ortsvereine Axel Breinlinger (Schriesheim), Christoph Nicolaus (Oberflockenbach) und Pinar Karacinar-Gehweiler (Ilvesheim).

Was sind Ihrer Meinung nach die Gründe, die Gerhard Kleinböck dazu bewogen haben, nicht mehr anzutreten?

> SPD Schriesheim: Die Ortsvereine des Landtagswahlkreises 39 haben gemeinsam mit Gerhard Kleinböck im Januar 2020 festgelegt, dass die Kandidatenfrage für die Landtagswahl in einer für alle betroffenen SPD-Mitglieder des Wahlkreises offenen Nominierungskonferenz entschieden werden soll. Es ist für die SPD sehr wichtig, dass die demokratische Willensbildung fair und unbeeinflusst verläuft. Nach jetzigem Stand gibt es zwei Erstkandidaten und eine Zweitkandidatin. Gerhard Kleinböck, der 2021 das 68. Lebensjahr vollendet haben wird, hat nach eigener Erklärung auf eine erneute Kandidatur verzichtet, um einen Generationswechsel auf einen jungen, qualifizierten Kandidaten zu ermöglichen.

> SPD Oberflockenbach: Gerhard Kleinböck hat eingesehen, dass ein Generationswechsel von Seiten der Ortsvereine gewünscht ist.

> SPD Heddesheim: Gerhard Kleinböck hat seinen Verzicht auf eine erneute Kandidatur in einer Erklärung begründet. Das respektieren wir.

> SPD Ilvesheim: Hierzu möchte ich als Ortsvereinsvorsitzende nichts sagen, da es reine Mutmaßungen wären, die ich hier als unangebracht erachte. Diese Fragen kann nur Gerhard Kleinböck persönlich beantworten.

Verstehen Sie, wenn er sich verletzt und/oder "ausgebootet" fühlen würde?

> SPD Schriesheim: Das ist allein in der Kompetenz von Gerhard Kleinböck.

> SPD Oberflockenbach: Dass er enttäuscht ist, wer soll ihm das verdenken. Es ist wohl das Normalste der Welt, wenn sich jemand einige Jahre für dieses Amt erfolgreich eingesetzt hat und dann nicht mehr die erhoffte Rückendeckung bekommt.

> SPD Ilvesheim: Dazu möchte ich nichts sagen, da es reine Mutmaßungen wären, die ich hier als unangebracht erachte. Diese Fragen kann nur Gerhard Kleinböck persönlich beantworten.

Wäre es nicht denkbar gewesen, dass Kleinböck noch einmal mit seinem Amtsbonus antritt und dann, nach zwei Jahren, an einen Jüngeren, also beispielsweise Sebastian Cuny, übergibt?

> SPD Oberflockenbach: Im Ortsverein Oberflockenbach wurde der direkte Generationswechsel befürwortet. Für unseren Ortsverein ist das keine Option gewesen.

> SPD Heddesheim: Sicher wäre das in einer demokratischen Partei denkbar gewesen, aber Gerhard Kleinböck hat sich anders entschieden.

> SPD Ilvesheim: Auch diese Variante wäre sicherlich denkbar gewesen.

Begrüßt es Ihr Ortsverein, dass es nun einen Generationenwechsel gibt? Oder hätte Kleinböck einmal antreten sollen?

> SPD Oberflockenbach: Ja, der Wechsel wird begrüßt.

> SPD Heddesheim: Wir sind froh, dass wir in unserem Wahlkreis junge, engagierte Menschen haben, die Verantwortung übernehmen wollen.

> SPD Ilvesheim: Wir als Ortsverein begrüßen einen Generationswechsel. Wäre Gerhard Kleinböck erneut angetreten, so hätten wir auch ihn mit allen Kräften unterstützt. Er hat sowohl im Landtag als auch in seinem Wahlkreis hervorragende Arbeit geleistet, wofür wir ihm sehr dankbar sind.

Kamen für Sie die beiden Kandidaturen von André de Sá Perreira und Sebastian Cuny überraschend?

> SPD Schriesheim: Alle Mitglieder meines Ortsvereins sind zum Entscheid in der Kandidatenfrage in freier und geheimer Wahl aufgerufen und können diese Entscheidung ohne meine Empfehlung treffen. Natürlich ist mit der Frage einer Wachablösung immer das Auftreten anderer Kandidaten verbunden, das konnte also keine Überraschung sein.

> SPD Oberflockenbach: Bei anstehenden Wahlen ist es für uns normal, dass es einige Bewerber für ein Amt gibt.

> SPD Heddesheim: Wie immer, wenn Veränderungen anstehen, gibt es Stimmen dafür und dagegen.

> SPD Ilvesheim: Wortgleich mit der Erklärung der SPD Weinheim (siehe unten).

Für wen der beiden tendiert Ihr Ortsverein?

> SPD Oberflockenbach: Bei der Mitgliederversammlung am 8. Oktober wird abgestimmt. Diese Entscheidung wird unser Ortsverein voll mittragen.

> SPD Heddesheim: Die Nominierung des Kandidaten findet am 8. Oktober bei uns in Heddesheim statt. Bis dahin werden unsere Mitglieder noch Gelegenheit haben, die Bewerber kennenzulernen und dann für sich eine persönliche Entscheidung treffen.

> SPD Ilvesheim: Eine Festlegung auf einen Kandidaten trifft der Ortsverein nicht.

Stellungnahmen sandten die SPD-Vorsitzenden Stella Kirgiane-Efremidou (Weinheim), Rüdiger Kanzler (Hirschberg), Michael Bangert (Edingen-Neckarhausen), Michael Rei (Heddesheim), German Braun (Hemsbach), Vanessa Bausch (Laudenbach) – sie ist auch Zweitbewerberin für Cuny oder für De Sá Pereira – und Steffen Schmitt (Dossenheim).

> SPD Weinheim: "Im Sinne eines demokratischen Prozesses kandidieren zwei SPD-Kandidaten für die Nominierung im Landtagswahlkreis. Wir freuen uns, dass wir gleich mehrere junge Menschen in unseren Reihen haben, die bereit sind, sich zu engagieren und Verantwortung zu übernehmen. Am 8. Oktober können die Mitglieder bei der Nominierungskonferenz in Heddesheim frei darüber entscheiden, wer für den Wahlkreis kandidieren soll. Bis dahin werden unsere Mitglieder noch Gelegenheit haben, die Bewerber kennenzulernen und dann für sich eine persönliche Entscheidung zu treffen. Eine Festlegung auf einen Kandidaten trifft der Ortsverein nicht."

> SPD Dossenheim: Wortgleich mit der Erklärung der SPD Weinheim.

> SPD Laudenbach: Wortgleich mit der Erklärung der SPD Weinheim.

> SPD Hirschberg: "Am 8. Oktober können die SPD-Mitglieder bei der Nominierungskonferenz in Heddesheim frei darüber entscheiden, wer für den Landtagswahlkreis 39 kandidieren soll. Bis dahin werden unsere Mitglieder noch Gelegenheit haben, die Bewerber kennenzulernen und dann für sich eine persönliche Entscheidung zu treffen. Eine Festlegung auf einen Kandidaten trifft der Ortsverein nicht. Der Vertreter des Landtagswahlkreises Weinheim wird von unserem Ortsverein voll und ganz unterstützt werden. Wir freuen uns auf den Wahlkampf."

> SPD Edingen-Neckarhausen: "Fragen zur persönlichen Befindlichkeit von Gerhard Kleinböck bitte ich, an diesen selbst zu richten. Im Moment kandidieren zwei Mitglieder für den Posten des Landtagskandidaten. Die Mitglieder werden auf dem Parteitag vom 8. Oktober darüber entscheiden, wer für die SPD als Nachfolger unseres verdienten Abgeordneten Gerhard Kleinböck antritt. Bis dahin werden sich die Kandidaten, soweit die Coronasituation das zulässt, in den Ortsvereinen vorstellen. Am 8. Oktober werden wir ein von den Mitgliedern legitimiertes Ergebnis haben."

> SPD Hemsbach: "Nach gegenwärtigem Stand kandidieren zwei SPD-Kandidaten für die Nominierung im Landtagswahlkreis Weinheim. Ich freue mich, dass wir gleich mehrere junge Menschen in unseren Reihen haben, die bereit sind, sich zu engagieren und Verantwortung zu übernehmen. Dies ist auch ganz im Sinne eines demokratischen Prozesses, für den insbesondere die SPD steht. Bei der Nominierungskonferenz am 8. Oktober in Heddesheim können die Mitglieder der SPD-Ortsvereine im Wahlkreis frei darüber entscheiden, wer für den Landtagswahlkreis Weinheim kandidieren soll. Bis dahin werden die Mitglieder noch Gelegenheit haben, die Bewerber kennenzulernen, um dann für sich eine persönliche Entscheidung zu treffen. Eine Festlegung auf einen Kandidaten erfolgt im Ortsverein Hemsbach nicht."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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