13.08.2020

Sinnlose Zerstörungswut in der Talstraße

Sinnlose Zerstörungswut in der Talstraße"Dieses Ausmaß an Vandalismus ist extrem": Gleich neun Blumenkästen warfen Unbekannte am Sonntagmorgen in den Kanzelbach.

Am Sonntagmorgen wurden insgesamt neun Kübel von einem unbekannten Mann ins Wasser geworfen, immerhin zwei konnte der Bauhof retten und wieder an seinen Platz hängen. Foto: Dorn

Von Micha Hörnle

Schriesheim. Dass die Blumenkästen, die zwischen dem Bachschlössel und dem Altenheim "Edelstein" die Geländer am Kanzelbach zieren, immer mal wieder Opfer von Vandalismus werden, daran hat sich der Verkehrsverein mittlerweile gewöhnt. Doch am Sonntag wurde es Joachim Müller vom Vereinsvorstand zu viel: Da wurden vor allem am "Edelstein" nicht nur vereinzelt Blumen herausgerupft, sondern gleich neun Kästen in den Kanzelbach geworfen. Das war dann doch etwas zu viel des Schlechten, und der Verein ging erstmals wegen dieses Ausmaßes an Zerstörungswut an die Öffentlichkeit – auch in der Hoffnung, den Täter zu finden oder wenigstens für das Thema zu sensibilisieren.

Der langjährige Verkehrsverein-Chef Karl-Heinz Schulz, der sich zusammen mit den Talstraßen-Anwohnern um die Pflege der Pflanzen kümmert, hatte es als einer der ersten selbst mitbekommen: "Am Sonntag früh gegen 5.45 Uhr hörte es eine Anwohnerin am ,Edelstein’ scheppern. Sie sah, wie ein Mann die Kästen in den Bach warf." Und mehr noch: Auch an der ehemaligen Bäckerei Ehrke und an der Schotterersbrücke fehlten zwei Kübel – auch die lagen im Wasser.

Eine "Edelstein"-Anwohnerin, die als Blumenpatin am Sonntag die Geranien gießen wollte, war wie vom Donner gerührt: "Was sind das nur für Menschen, die nachts durch die Straßen ziehen und Freude am Zerstören haben. Was ich da gesehen habe, hat mich richtig wütend gemacht", empört sie sich.

Für Schulz hat diese Art von Zerstörungswut schon eine andere Dimension: "Es gab schon früher ab und an Beschädigungen, aber solch eine kriminelle Energie haben wir noch nie erlebt. Ganze Reihen von Kästen lagen im Wasser." Auch Müller findet dieses Ausmaß an Vandalismus "extrem", zumal so viele Kübel auf einen Schlag in den Bach geworfen wurden. Schulz hätte das auch ganz gerne angezeigt, aber da die Person zwar wohl gesehen wurde, aber es keine genaue Täterbeschreibung gibt ("Es war noch ein bisschen dunkel"), musste die Polizei passen. Schulz und Müller vermuten, dass es sich um einen Jugendlichen gehandelt haben könnte, der nachts auf der Strahlenburg oder in den Weinbergen gefeiert hatte und aus irgendwelchen Gründen in der Talstraße sein Mütchen kühlen wollte.

Insgesamt neun Blumenkästen wurden vom Geländer gerissen, immerhin zwei wurden am Montag vom mittlerweile verständigten Bauhof halbwegs heil geborgen, die kamen wieder an ihren Platz. Die restlichen sieben waren so kaputt, dass sie mitsamt den gepflanzten Geranien entsorgt werden mussten. Den Schaden schätzt Schulz auf "mindestens 150 Euro". Eine Neuanpflanzung wird es dieses Jahr nicht mehr geben, sagte Müller. Die Blumen kommen von der Schriesheimer Gärtnerei Kimmel, der Verkehrsverein bezahlt jedes Jahr aufs Neue die Kästen, gut 30 hängt der Betrieb insgesamt pro Saison entlang der Talstraße auf.

Diese Verschönerungsaktion am Kanzelbach ist sozusagen das kleine Kind des früheren Blumenschmuckwettbewerbs, den der 1926 gegründete Verkehrsverein fast 20 Jahre lang veranstaltet hat. Der Verein wurde 1964 zum 1200-Jahr-Jubiläum von der Stadt damit beauftragt, aber der Wettbewerb lief 1983 aus, weil das Interesse merklich nachgelassen hatte. Danach entschied sich der Verein, farbenfroh geschmückte Blumenkästen entlang der Talstraße am Kanzelbach und insbesondere an den Brückengeländern der Landstraße, der Gaulsbrücke, der Schotterersbrücke und am "Edelstein" anzubringen. Die Pflege übernahmen dann die Anwohner.

Verkehrsvereinsvorstand Müller ist vom neuerlichen Vandalismus frustriert: "So ein Wahnsinn. Wenn das so weitergeht, wird es bald gar keinen Blumenschmuck in Schriesheim mehr geben." Schulz hingegen gibt sich kämpferischer: "Wir lassen uns nicht unterkriegen." Auch wenn die zerstörten Kübel nicht mehr ersetzt werden, sind sich beide sicher: Im nächsten Jahr wird es wieder welche geben.

Info: Der Verkehrsverein bittet aufmerksame Bürger um Mithilfe. Wer am frühen Sonntagmorgen etwas beobachtet hat, meldet sich bitte beim Verkehrsverein (E-Mail an: info@verkehrsverein-schriesheim.de) oder bei Vorstand Joachim Müller (Telefon: 0151/14624061).

Jeden Sommer zieren rund 30 Blumenkästen die Geländer am Kanzelbach. Foto: Dorn

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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