21.08.2020

Wie in einem Rosamunde-Pilcher-Film

Eine anrührende Geschichte über eine große Liebe, gute Freunde und eine Sehnsuchtsgegend - Jetzt ist das Happy-End mit Hochzeit

Von Micha Hörnle

Schriesheim. Diese Geschichte könnte Rosamunde Pilcher nicht besser erfinden: eine große Liebe, eine herrliche Landschaft, viele gute Freunde – und als spezielle Schriesheimer Zutat kommt noch Wein dazu. Denn am heutigen Freitag heiraten Andre Engels und Saskia Munghen, die eine ganz besondere Beziehung zur Bergstraße haben: Der Rheinländer und die Belgierin nennen die Gegend, in die sie sich verliebt haben, das "gelobte Land", doch dazu später.

Das erste Mal waren Andre und ein Freund von ihm, ebenfalls aus Aachen, im Herbst 2016 in Schriesheim. Eigentlich eher zufällig, denn er besuchte Christian Frank, die beide gerne im Internet "zocken". Also saß er in der Gaststube des legendären "Franke Doktor", wie es über Jahrzehnte auch die Jagdhornbläser taten. An jenem Abend waren die auch da, man kam ins Gespräch, und irgendwann trank Andre die erste Weinschorle seines Lebens, ja überhaupt das erste Mal Wein. Es war ein lustiger Abend, und seitdem sind Andre und die Jagdhornbläser dicke Freunde, seit Anfang 2019 ist Andre sogar ihr Fördermitglied.

Nun ist Georg Bielig ja nicht nur Jagdhornbläser, sondern auch Winzer. Den besuchte der 28-jährige Aachener dann, und weil er sich nützlich machen wollte, half er auch bei der Weinlese mit: "Andre hat jede Traube einzeln in den Eimer gelegt. Es war faszinierend zu sehen, dass sich jemand über etwas so freuen kann, was für uns so selbstverständlich ist." Und irgendwann kam auch seine langjährige Freundin Saskia (29) dazu, und sie wurde genauso herzlich von den Schriesheimern aufgenommen wie Andre. Bielig ist sich sicher, dass das den Schriesheimern in den Genen liegt: "Bei uns wird die Gastfreundschaft gelebt, man ist offen. Das war schon bei den Hugenotten so: Die Kurpfalz ist ein Schmelztiegel, die Leute werden schnell hier heimisch und finden Anschluss." Bielig muss es wissen, sein Vater kam selbst aus Sachsen.

Im letzten Jahr wusste Andre, dass er seine Saskia heiraten wollte, und er fasste den kühnen Plan, ihr auf Kreta einen Heiratsantrag zu machen. Seine Bergsträßer Freunde warnten ihn noch ("Versau Dir den Urlaub nicht"), aber er hatte vorgebaut: Durch ihre vielen gemeinsamen Aufenthalte in Schriesheim ist auch Saskia nun überzeugte Weintrinkerin geworden. Ihr Favorit ist ein lieblicher Riesling vom Staudenberg. Den und natürlich den Verlobungsring schmuggelte Andre in die Urlaubskoffer, um vor genau elf Monaten stilecht mit Ring und Riesling auf einer Klippe im Sonnenuntergang um Saskias Hand anzuhalten. Sie sagte zum Glück Ja – von wegen versauter Urlaub.

An der Bergstraße wusste man längst, was das Hochzeitsgeschenk sein würde: ein eigener Wein, natürlich der liebliche Riesling. Zur Lese kamen acht Tage nach dem Heiratsantrag Saskia und Andre höchstselbst nach Schriesheim, schließlich sind beide gewohnt, anzupacken. Bernhard Wachter, der Schriftführer der Jagdhornbläser, hat das Etikett für die insgesamt 200 Flaschen gestaltet – und darauf steht das heimliche Motto der Freunde "#netimmerso" und das "gelobte Land". Beides hat, natürlich, mit Schriesheim zu tun. Denn Andre fragte mal, ob man denn immer an der Bergstraße feiert. Und die Einheimischen gaben zurück: "Des is net immer so." Und da sich Andre und Saskia hier so wohlfühlen, nennen sie die Gegend auch "das gelobte Land". Bliebe nur die Frage, wieso sie dann nicht hierherziehen. Langfristig sei das schon geplant, sagt Bielig. Aber beide haben in ihrer alten Heimat gute Jobs, er ist Dachdecker, sie Altenpflegerin. Aber Bielig will nicht aufgeben: "Steter Tropfen höhlt den Stein. Es wäre doch schön, Leute, die man mag, um sich zu sammeln." Nur mit dem kurpfälzischen "Ajo" und "Alla" tut sich Andre immer noch etwas schwer.

Heute feiert man in Aachen nicht nur eine, sondern Doppelhochzeit: Andre und Saskia sowie Andres Schwester Anne und ihr Kai. Gefeiert wird coronabedingt im kleinen Kreis, aber es gibt ja bald ein Wiedersehen an der Bergstraße. Damit die Zeit nicht so lang wird, bekommen die Aachener ab und an eine Art Überlebenspaket: mit Schriesheimer Wein, mit Peterstaler Mineralwasser – Bielig: "Es gibt nichts Besseres für eine Schorle" – und Schmucker-Kellerbier, eine Erinnerung an den "Franke Doktor". Dann spielen den Frischvermählten die Jagdhornbläser ein Ständchen im "gelobten Land". Wie bei Pilcher.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung