04.09.2020

Wenig Chancen für den Bürgersaal und das Neubaugebiet

Wolfgang Renkenberger (FDP) dämpft den Enthusiasmus bei diesen Projekten - Ein neuer Kindergarten ist für ihn unumgänglich

Schriesheim. (hö) Mit eigenen Anträgen ist die FDP, die im Gemeinderat zwei Sitze hat, im Moment zurückhaltend. Das liegt nicht nur an der Sommerpause, sondern auch an den knappen Finanzen angesichts der Pandemie. Fraktionssprecher Wolfgang Renkenberger nimmt aber im Gespräch mit der RNZ zu Themen Stellung, die im Moment in der Stadt diskutiert werden.

> Bürgersaal in der Schulaula: Möglicherweise wird das Projekt "Bürgersaal" doch Thema bei der ersten Ratssitzung nach den Ferien am 22. September. Zumindest lancierte Christiane Haase von der CDU das Thema – da es ja bei den bisher erfolgten Ausschreibungen für die Gymnasiumssanierung teils erstaunliche Einsparungen gegeben hatte. Aber Renkenberger ist skeptisch: "Im Moment rechne ich nicht mit Mehrheit für den Bürgersaal." Zumal ja auch das Bauamt immer wieder gewarnt hatte, dass "die echten Risiken alle noch kommen – und es könnte schon recht haben", so der Liberale. Dabei erinnert er daran, dass dieses Thema schon uralt sei; gerade vom einstigen FDP-Vorsitzenden Ingo Kuntermann wurde es in den Wahlkämpfen forciert. "Die Frage war immer, wo der Bürgersaal entstehen soll", bilanziert Renkenberger – und meint mit Blick auf die Schulaula: "Wenn es klappen könnte, dann dort." Auch wenn die Vereine vom Standort Schule vielleicht nicht übermäßig begeistert sind, ist er sich sicher: "Die Vereine würden den Bürgersaal in der Aula bestimmt nicht ablehnen, wenn er den käme." Aber die Chancen schätzt Renkenberger, nicht wegen der vielleicht fehlenden Mehrheit, für gering ein: "Die Zeit läuft uns davon. Und das Risiko ist zu groß." In Sachen Gymnasiumsanierung ist er froh, dass sich die Auseinandersetzungen im Rat beruhigt haben – und nun fast alles im Konsens abläuft. Renkenberger ist überzeugt: "Dass wir eine Schulstadt sind, verhindert, dass wir zu einer Schlafstadt werden."

> Neubaugebiet im Süden: Der Liberale ist einer der wenigen, der in der letzten Zeit von sich aus dieses Thema angesprochen hat, dabei ist er von dem Vorhaben südlich des Schlittwegs gar nicht felsenfest überzeugt, sondern "nicht hundertprozentig festgelegt". Renkenberger ist sich sicher, dass ein Neubaugebiet – siehe Hirschberger Gewerbegebieterweiterung – zu Diskussionen führen wird, aber im Moment liegen noch keine konkreten Pläne auf dem Tisch: "Erstmals wurde im Dezember 2017 darüber gesprochen, seither wabert die Sache vor sich hin." Die größte Gefahr sieht der FDP-Mann noch nicht einmal im Landschaftsverbrauch, sondern darin, dass sich das Neubaugebiet für Schriesheim vielleicht nicht rechnen könnte – zumal man ja bei mehr Bürgern auch für eine größere Infrastruktur, also Schulen und Kindergärten, sorgen müsste: "Am Ende besteht die Gefahr, dass wir da draufzahlen."

> Neuer Kindergarten: Renkenberger ist, wie wohl auch die Mehrheit im Rat, davon überzeugt, dass ein Neubau eines Kindergartens unumgänglich wäre. Er findet es schade, dass meistens nur das Areal westlich der B 3, also die Conradstraße, in der Diskussion sei, dabei gebe es auch Bedarf auf der östlichen Seite. Das hätte aber zur Folge, dass man einen Teil des Festplatzes mit dem Kindergartenneubau belegen müsste – dagegen wäre er prinzipiell nicht.

> Heidelberger Straße: Hier hält Renkenberger zumindest "eine zeitweise Verkehrsberuhigung" für sinnvoll, vor allem in der Außenbewirtschaftungssaison. Denkbar wäre es für ihn, den verkehrsberuhigten Bereich ab 17 Uhr für Autos "dichtzumachen", aber da habe seine Partei "noch kein fertiges Konzept". Die Idee einer Fußgängerzone lehnt er ab: "Dafür ist die Heidelberger Straße zu kurz, hier kann man nicht bummeln." Gut fände er hingegen, wenn die Straße in beide Richtungen für den Radverkehr freigegeben würde: "Es hält sich jetzt schon kaum einer daran."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung