04.09.2020

Mitten in Schriesheim ist in 42 Jahren ein kleines Paradies entstanden

Wilder Wein, Blütenpracht und auch Gemüse: Johanna und Bruno Sachse haben sich in den letzten 42 Jahren ein kleines Paradies geschaffen

Von Nadine Rettig

Schriesheim. Schon von außen ist das Haus der Familie Sachse in der Bismarckstraße ein echter Blickfang. Denn mit seiner über und über mit wildem Wein bewachsenen Fassade, die nur von ein paar bunten Blumen unterbrochen wird, scheint das hübsche Haus geradewegs einem Märchen entsprungen zu sein. Doch dieser Anblick ist kaum zu vergleichen mit dem Garten, der hinter dem Haus wartet. Blüten in allen Formen und Farben und Obst und Gemüse, das von Paprika über schwarze Tomaten bis hin zu Feigen und Kiwis reicht. Vom Wohnzimmer lockt ein Blick über die gesamte Pracht. Vor der Terrassentür stehen zwei weiße Gartenstühle. "Auf denen sitzen wir so gut wie nie, wir sind immer beschäftigt", sagt Johanna Sachse und lacht.

Die 82-jährige Niederländerin lebt seit 42 Jahren gemeinsam mit ihrem Mann in dem Haus, und beinahe ebenso lange entwickelt sich schon die Blütenpracht in ihrem Garten. "Hier war früher nur Acker mit ein paar Erdbeeren drauf", erinnert sich Bruno Sachse an die Zeit zurück, in der das Haus von dem Ehepaar gebaut wurde. Heute, über 40 Jahre später, gibt es in dem Garten zwar immer noch Erdbeeren, doch diese wachsen nicht mehr auf einem ungepflegten Acker, sondern in einem der zahlreichen liebevoll gestalteten und gepflegten Beete des Paares.

Sogar ein kleines Gewächshaus ziert das Gartengrundstück, in welchem der 79-Jährige unter anderem verschiedenste Hibisken züchtet. "Ein paar Hundert habe er über die Jahre bestimmt schon gehabt", schätzt er. Und mit einigen ihrer Hibisken verbindet das Ehepaar ganz besondere Erinnerungen. Denn viele haben sie von Urlaubsreisen mitgebracht. Das perfekte Souvenir für die beiden Gartenliebhaber. Aus Madeira, Nizza und sogar aus einem Gewächshaus in Island habe man schon Hibisken mitgebracht, zählt das Ehepaar auf. Und für viele Pflanzen ist damit die Reise nicht zu Ende.

Denn wenn die beiden an Orte in Urlaub fahren, wo sie ihre Gastgeber gut kennen, bringen sie gerne Ableger der Pflanzen mit. Die Herkunft ihrer Leidenschaft für den Garten vermutet Johanna Sachse in ihren Wurzeln. "Ich komme ja aus Holland, vielleicht habe ich die Liebe dafür einfach in den Genen", überlegt sie. Und sie erinnert sich daran, dass sie bereits als Jugendliche immer gedacht habe, dass sie später unbedingt ein Haus mit Garten haben wolle. Diesen Wunsch hat sich die Wahlschriesheimerin gemeinsam mit ihrem Mann mehr als erfüllt.

Doch ein solches Pflanzenparadies bringt neben viel Freude auch viel Arbeit mit sich. "Alles, was ums Haus herum wächst, läuft über eine automatische Bewässerung", erklärt Bruno Sachse. Denn ansonsten sei man mehrere Stunden am Tag nur damit beschäftigt, die Pflanzen zu gießen. Und neben Säen, Pflanzen, Gießen und Pflegen steht gerade im Herbst noch eine ganz andere Tätigkeit an: das Ernten. "In diesem Jahr haben wir 45 Kilo Kartoffeln geerntet", bilanziert Johanna Sachse. Doch die Hobbygärtnerin merkt an, dass es auch schon Jahre gegeben habe, in denen man weit über 50 Kilo habe ernten können.

Ohnehin kann das Ehepaar über die vielen Jahrzehnte verschiedene Entwicklungen feststellen. Durch den Klimawandel würden nun einige Gemüsesorten gar nicht mehr in Schriesheim gedeihen, die man noch vor einigen Jahren problemlos habe ziehen können, stellen die beiden fest. Doch der wahren Blütenpracht und Vielfalt in Sachses Garten wird das keinen Abbruch tun, denn dem Ehepaar werden die Gestaltungsideen für ihre farbenfrohe Oase so schnell nicht ausgehen. Und dass die Arbeit im Garten jung und fit hält, darin sind sich die beiden nicht nur einig, sondern auch gleich das beste Beispiel dafür.

Copyright (c) rnz-online

Autor: Rhein-Neckar-Zeitung