15.09.2020

Wirte verzeichnen Aufwärtstrend und sogen sich um den Winter

RNZ hat sich bei Gastronomen umgehört - Wirte hoffen, "dass die Leute sich etwas trauen" - "Bei Bedenken direkt nachfragen"

Von Nadine Rettig

Schriesheim. Für viele Berufsgruppen brachten die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Einschränkungen große Herausforderungen mit sich. So auch für die Schriesheimer Gastronomen, die ihre Gäste zunächst nicht mehr in der Gaststube empfangen durften, sondern mit Liefer- und Abholservices ihren Betrieb so gut wie möglich aufrechterhielten. Inzwischen ist ein Betrieb in den eigenen Räumen zwar mit Beschränkungen wieder möglich, doch eine Abfrage bei den Gastronomen verdeutlicht, dass es trotz eines gewissen Aufwärtstrends noch lange nicht so ist, wie es zu Beginn des Jahres war.

Das sagt auch Werner Krämer, Inhaber des Hotels und Restaurants "Neues Ludwigstal". Der Restaurantbetrieb sei doch schleppend angelaufen, und man merke, dass die Leute eher zögerlich seien, lautet seine Bilanz: "Normal ist der Betrieb noch lange nicht." Zwar sei ein Aufwärtstrend erkennbar, auch die ersten kleinen Familienfeiern fänden in dem Waldgasthof inzwischen wieder statt. Doch auch hier hofft Krämer auf mehr Zulauf. "Ich würde mir wünschen, dass sich die Leute wieder etwas mehr trauen, oder wenn sie Bedenken haben, einfach direkt bei den Gastronomen nachfragen, was unter den bestehenden Maßnahmen möglich ist." Eines der Hauptprobleme sieht er in der undurchsichtigen Formulierung der vorgegebenen Regeln. Dies halte viele Besucher ab, da sie nicht wüssten, unter welchen Umständen ein Besuch möglich sei.

Fabian Gieser vom Gasthaus "Zum Goldenen Hirsch" sieht das ähnlich. "Es geht langsam besser", bilanziert er die ersten Lichtblicke, doch er räumt ebenfalls ein, dass sein Betrieb noch nicht an die Situation vor dem Lockdown anknüpfen kann: "Das ist momentan noch nicht vergleichbar." Dies gelte auch für kleinere Familienfeiern oder Ähnliches: "Es gibt zwar eine langsame Besserung, jedoch auf einem vollkommen anderen Niveau als vor der Corona-Krise."

Für Ernst Schmitt, Inhaber der "Weinstube Hauser", sind insbesondere die entfallenen Feiern ein Verlust. "Kleine Feiern gibt es wieder. An Feste im großen Stil ist im Augenblick noch lange nicht zu denken", lautet sein Fazit. So seien Anlässe wie Konfirmationen in diesem Jahr gänzlich weggefallen. Mit dem Regelbetrieb ist Schmitt jedoch halbwegs einverstanden. "Es kommen wieder Leute, und angesichts der Situation kann man zufrieden sein", freut er sich über treue Gäste. Doch entstünden durch die Regelungen erhebliche Mehrkosten. Während der Regelbetrieb im Restaurant wieder gut angelaufen ist, sieht Schmitt sein Hauptproblem im Hotelbetrieb. "Durchreisende aus den Beneluxländern, die ein oder zwei Nächte bleiben, sind in diesem Jahr praktisch komplett weggefallen", bedauert der Gastronom.

Ein ganz anderes Problem für die Wirte ist der nahende Winter. Diese Sorge treibt auch Michele Lagana um, der im vergangenen Sommer gemeinsam mit seinem Onkel Luca Cassia das Restaurant "La Scala" am Tennisplatz übernommen hatte. Im Moment könne die Lage zwar besser sein, jedoch sei alles noch im Rahmen, berichtet er. Und auch er erzählt, dass die Besucherzahlen langsam wieder ansteigen. "Die Sorge ist aber insbesondere, wie der Winter wird und wie drinnen die Plätze verteilt werden, um alle Standards einhalten zu können." Er ist sich ziemlich sicher, dass auch andere Wirte sorgenvoll gen Winter blicken.

Auch in "Müllers Weinstube" ist die Terrasse bei der Stammkundschaft beliebt, gerade an den Spätsommertagen. "Wir sind zum Glück gut besucht. Wir haben viele Reservierungen, und gerade draußen ist es noch voll", freut sich Wilhelm Müller. Es seien auch hier noch die Festlichkeiten oder Busse mit Reisegruppen, die weiter fehlen. In Bezug auf das Tagesgeschäft zieht er eine positive Bilanz. Zwar sei es auch hier nicht so wie vor Corona, doch den Umständen entsprechend in Ordnung, findet er.

"Ungewiss ist nach wie vor, was der Winter bringt. Aber es nützt nichts, den Kopf in den Sand zu stecken", lautet sein Credo. Besonders freut er sich über das Vertrauen, das dem Team von der Stammkundschaft entgegengebracht wird. "Ich glaube, gerade jetzt ist eine solche Vertrauensbasis enorm wichtig." Und so hofft er, wie auch die anderen Gastronomen, auf das Vertrauen der Schriesheimer, um auch am Ende des Winters noch eine positive Bilanz ziehen zu können.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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