24.09.2020

Ein Graffito ziert nun die Fußgängerunterführung

Der Auftrag kam vom Jugendgemeinderat - Das Kunstwerk stammt vom Wieslocher Sprayer Marco Billmaier

Von Nicoline Pilz

Schriesheim. Zwei Weinpokale mit goldenem Inhalt, zwei Kinder, die zur Schule gehen, Weinreben, die Wappen von Schriesheim, Altenbach und Ursenbach sowie links oben der Schriftzug: "Ein Projekt des Jugendgemeinderats". Seit vorletztem Dienstag prangt an der rechten Wand der Unterführung am Raiffeisenplatz ein Graffito des Wieslocher Künstlers Marco Billmaier, der auch schon am Push-Gelände eine Arbeit ausgeführt hat. In Auftrag gegeben hat das neue Graffito der Jugendgemeinderat. "Wir waren im Push sehr zufrieden, das hat uns gefallen. Und hier hat sich Herrn Billmaiers Arbeit einmal mehr bewährt – ich finde das sehr schön", meinte Jugendgemeinderatsvorsitzender Finn Franzen.

"Es ist sehr schön geworden, und das Motiv zeigt die Verbundenheit junger Leute mit der Stadt", fand Bürgermeister Hansjörg Höfer, der ein wenig später noch zum Vor-Ort-Termin eilte.

Intention des Jugendgemeinderats sei es einerseits, die auch als Schulweg genutzte Unterführung noch einladender zu gestalten, so Franzen weiter. Zudem wolle man durch diese künstlerisch hochwertige Arbeit wilde Sprayer davon abhalten, die Wände der Unterführung zu verunstalten.

Marco Billmaier selbst fand das Motiv des Graffito nicht alltäglich. Üblicherweise verschönere er Kinderzimmer, Garagentore, Gartenmauern oder die Trafostationen der Energieversorger. Im September vor 14 Jahren habe er zunächst ein Kleingewerbe gegründet und das Sprayen nebenbei laufen lassen. Für fünf Jahren habe er seine Tätigkeit als Produktionsleiter dann auf 80 Prozent zurückgefahren, um freitags bis sonntags sprayen zu können. "Dann bin ich Papa geworden und habe meinen Job gekündigt. Jetzt mache ich das Sprayen hauptberuflich", erzählte er. Mit Schablonen arbeite er nicht, seine Werke seien auch wieder übersprühbar, schilderte er weiter.

Das Motiv habe sich der Jugendgemeinderat selbst ausgedacht, sagte Finn Franzen. Man habe dann mit Marco Billmaier besprochen, was davon umsetzbar wäre. Beantragt habe man das Projekt im Juni 2019. "Sicher, das dauert immer etwas. Aber ich muss unseren Gemeinderat loben, denn wir können hier immer mit Unterstützung rechnen", sagte Franzen.

Auch Karin Reichel, Schriesheims Familien- und Integrationsbeauftragte, bewunderte das großformatige Graffito. "Das ist toll geworden", meinte sie. Doch eigentlich sei sie ja nur vor Ort, weil sie die neue Kollegin Ngan Pham zum Termin mit dem Jugendgemeinderat begleitet habe. Die 23-Jährige hat in Heidelberg Soziale Arbeit studiert und verbrachte am Dienstag den ersten Tag an ihrer neuen Stelle in Schriesheim. Zuständig ist Ngan Pham für die offene Kinder- und Jugendarbeit und aufsuchende Sozialarbeit. Noch wohne sie in Heidelberg, doch sie suche eine Wohnung, die näher an Schriesheim liege, meinte sie.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung