25.09.2020

Endlich wieder auf dem Spielplatz toben!

Endlich wieder auf dem Spielplatz toben!

Nach (über)langen neun Monaten Sanierung wurde der Spielplatz in der Mozartstraße wiedereröffnet

Von Micha Hörnle

Schriesheim. Zugegeben, 11 Uhr ist schon eine etwas ungewöhnliche Uhrzeit, um einen Spielplatz zu eröffnen – gerade wenn die "Zielgruppe" im Kindergarten oder in der Schule ist. Das war schon Karl-Robert Röhrig am Abend zuvor in der Gemeinderatssitzung aufgefallen. Und doch machte er sich, wenn auch ohne Enkel gestern auf den Weg in die Mozartstraße, um bei der langersehnten Wiedereröffnung dabei zu sein. Auch Bürgermeister Hansjörg Höfer ging auf die Kritik ein: Ihm war es einfach wichtig, den Spielplatz freizugeben, solange noch halbwegs schönes Wetter ist. Und unter Coronabedingungen wäre eine große Veranstaltung gar nicht so leicht zu stemmen gewesen – und wenn, dann nur mit Erfassung der Kontaktdaten.

Fast noch mehr bewegte die Anwohner, wieso es so lange mit der Fertigstellung gedauert habe: Die Bauarbeiten starteten im Januar und sollten eigentlich Ende April beendet sein. Nicht nur Röhrig, der treu jede Gemeinderatssitzung besucht, fragte beharrlich nach, wann es denn so weit sei – und ob die Kosten überschritten wurden. Die Verzögerung, so hatte es der Heddesheimer Landschaftsbauer Christian Kadner vor sechs Wochen der RNZ erklärt, lagen an Wetterunbilden, Lieferschwierigkeiten, unerwarteten Problemen auf der Baustelle, Umplanungen – und natürlich auch an Corona. Aber immerhin, so bekannte gestern Höfer, blieben die Kosten weitgehend im Rahmen: Angesetzt waren 220.000 Euro, nun liegen sie wegen des kleinen Vorplatzes bei 250.000.

Fast noch bemerkenswerter ist die Vorgeschichte der Sanierung: Hier wurde erstmals ein Spielplatz mit den Bürgern konzipiert – und vorher analysiert, wie viele Kinder denn eigentlich in diesem Viertel, das Ende der siebziger Jahre entstand, heute noch leben. "Leider gibt es hier relativ wenige kleine Kinder", resümierte Höfer, aber im Grunde hat der neue Spielplatz etwas für alle Altersgruppen. Und: Er ist "kein Spielplatz von der Stange", so Höfer. Im Grunde ähnelt er einem Park mit Hügeln, gekrönt von einer Burgrutsche, dazu allerhand raffinierte Geräte wie die Riesenschaukeln, aber die größte Attraktion ist die Seilbahn. Ihrem Reiz war auch Höfer sofort erlegen. Mit einem "Wenn man es nicht bei der Eröffnung macht, macht man es nie" schwang er sich auf den Sitz und schwebte über das Areal.

Damit war er nicht allein: Der kleine Elijah hatte sich schnell ein Urteil gebildet: "Am besten ist die Seilbahn", aber sein Papa Sebastian Diehl hatte das Große und Ganze im Blick: "Alles ist richtig abwechslungsreich, definitiv eine Bereicherung für Schriesheim. Hoffen wir mal, dass der Spielplatz so bleibt." Hans Groß, der mit seinem Enkel hier bald vorbeischauen will, war da schon skeptischer: "Ich gebe dem Seil nur ein Jahr." Heinz Kimmels Enkeltochter Lilly hatte derweil die Rutsche erobert, und der Gärtner, der auch direkter Nachbar des Spielplatzes ist, hatte den professionellen Blick: "Gut geworden, aber das alles muss ja auch gepflegt werden."

Aber manche, die auf dem alten Spielplatz groß geworden sind, packt dann doch etwas Sentimentalität, wie Kolja Lusche: "Mir fehlt die alte Tischtennisplatte." Aber ansonsten sei das alles gut geworden. Die beim Rundgang der Freien Wähler vor zwei Wochen geäußerte Kritik, es fehlten die einst schattenspendenden (und nun gefällten) Bäume, kann er nicht teilen: "Wenn die Sonne so richtig knallt, geht sowieso keiner auf den Spielplatz." Nur die Durchlässe, die eher Schranken sind als Türen, findet er "grenzwertig": Da könnten kleine Kinder gern mal schnell auf die Straße rennen.

Maria Kalla findet den neuen Spielplatz "von der Anlage her gelungen, da finden meine beiden Enkel immer was zum Spielen". Aber sie treibt doch eines um: "Was wird abends? Bleibt es so ruhig wie während der Bauarbeiten?" Denn tatsächlich war der alte Spielplatz mit seinen vielen dunklen Ecken zu einem Treffpunkt etlicher Jugendlicher geworden. Dort wurde manchmal lautstark gefeiert, und Heinz Kimmel weiß von einigen Flaschen zu berichten, die über die einst hohen Thujahecken geworfen wurden und seinen Folientunnel durchlöcherten. Bürgermeister Höfer verwies darauf, dass der Spielplatz jetzt von der Mozartstraße viel besser einsehbar sei und weniger "Verstecke" biete. Und er riet zur Gelassenheit: "Dass sich hier Jugendliche treffen, ist eben so und nicht weiter schlimm. Es muss nur nachts ein Ende haben. Im Zweifelsfall muss die Polizei hier eben stärker kontrollieren."

Ansonsten prophezeite er, dass es bald einen Tourismus aus den Umlandgemeinden zur Mozartstraße geben werde, für Bürgermeisterstellvertreterin Fadime Tuncer schlicht "ein Vorzeigespielplatz". Und Ratskollegin Ulrike von Eicke sagte: "Ich freue mich auf die Zeit, wenn ich mal Enkel haben werde." Und auch Karl-Robert Röhrig hat seinen Frieden gemacht: "Mir gefällt das. Und Respekt, dass die Kosten eingehalten wurden!"

Bilder: Lissy Breitenbreicher

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung