10.10.2020

Wie Altenbach bald zu einem Café kommen soll

Ein erster Hauch von Vorfreude: Kirchengemeinde und Förderverein stellten die Pläne für das Café im Gemeindehaus vor.

Von Micha Hörnle

Schriesheim-Altenbach. Das geplante Café im Gemeindehaus kommt in fast rekordverdächtigen Schritten voran: Im Juni wurde der Förderverein gegründet, vor zwei Wochen erließ die Stadt die Ablöse für die nicht vorhandenen Parkplätze und beschloss die Aufnahme in das Landesprogramm "Entwicklung Ländlicher Raum", und am Donnerstagabend stellte sich der Förderverein vor – coronakonform im Freien vor der Kirche. Rund 50 Altenbacher waren vor Ort, um sich zu informieren, was eigentlich alles geplant ist.

Doch zuvor erklärte Pfarrerin Suse Best, die ihren Altenbacher Kollegen Kieren Jäschke vertrat, wie es überhaupt zu der Idee gekommen war: Die Landeskirche machte angesichts sinkender Mitgliederzahlen (und damit auch Einnahmen) Druck, entweder die Gemeindehäuser zu verkaufen oder sie wenigstens neu zu nutzen. Denn, so Best: "Die Kirche ist nicht mehr reich, auch nicht mehr in Altenbach – höchstens noch reich an Immobilien." So wolle die Kirche "die Reichtümer der Allgemeinheit zur Verfügung stellen": "Wir wollen uns und unsere Räume öffnen." Konkret heißt das, einen "Ort des Miteinanders" zu schaffen, eben mit einem Café in der Ortsmitte.

Für Kirchengemeinderat Christoph Plaß geht es nicht nur darum, das Gemeindehaus zu erhalten, sondern hier einen Ort für alle zu schaffen – an dem sich aber auch möglichst jeder beteiligen sollte. Das größte Projekt sei da natürlich das Café, die beiden kleineren seien die beiden Zimmer, die seit Oktober die Stadt für die Jugendarbeit angemietet hat – dass das schon geschehen ist, war schon eine Neuigkeit – und schließlich der Umbau des Gemeindesaals zu einem Multifunktionsraum mit variabler Aufteilung. Für das Café sah Plaß eine Fülle von neuen Nutzungen: Das monatliche "Frühstück und mehr" solle es hier genauso geben wie einen "Winterspielplatz für kleine Kinder", einen Stammtisch oder Konzerte.

Der Umbau, den Plaß und der Vorsitzende des Fördervereins, Christian Wolf, skizzierten, sei gar nicht mal so dramatisch, denn tragende Wände seien nicht betroffen: Für das Café verschwindet das Pfarramtsbüro – Pfarrer Jäschke arbeitet sowieso die meiste Zeit von Schriesheim aus –, die Behindertentoilette kommt in den großen Keller, schließlich hat das Gemeindehaus einen Aufzug. Die Mauer werde durchbrochen, um mehr Licht ins Innere zu bringen; davor wird es dann eine Außenterrasse geben. Kurz, so Plaß: "Ein einfaches, elegantes Projekt und leicht umzusetzen." Zumindest baulich. Bliebe noch die Frage, wie der Umbau, dessen Kosten auf 120.000 bis 130.000 Euro geschätzt werden, finanziert werden soll: 30 Prozent könnten aus dem Landesprogramm kommen, zudem geht die Kirchengemeinde an ihre Rücklagen – und bittet natürlich auch um Spenden, dafür ist fortan der Förderverein zuständig. Und von der Evangelischen Dekanin Monika Lehmann-Etzelmüller kam gleich der Aufruf: "Keiner geht heute ohne einen Fördervereinsantrag nach Hause."

Bürgermeister Hansjörg Höfer gratulierte zu dem "Treffpunkt, den Altenbach haben wird" – und er erinnerte daran, wie groß das bürgerschaftliche Engagement im Ortsteil sei, das schließlich die alte Kerwetradition gerettet habe: "Wenn Bürger das Heft in die Hand nehmen, kommt wieder Leben in den Ort." Er ist sich jetzt schon sicher: "Wenn wir in ein paar Jahren auf der Terrasse sitzen, wird das alles zur Selbstverständlichkeit geworden sein. Es ist richtig, hier ein Café einzurichten." Jürgen Fitzer sicherte seitens der Altenbacher Katholiken Unterstützung zu: "Dieses Café wird unserem Leben sicher guttun." Und Thomas Rufer von den Schriesheimer Protestanten berichtete von den Erfahrungen des Begegnungszentrums "Mittendrin", das für dieses Café Pate stand: "Wir haben nur gute Erfahrungen damit gemacht, heute ist es nicht mehr wegzudenken. Gerade Corona hat uns gezeigt, wie wichtig Begegnungen sind – und dass gerade viele Möglichkeiten dazu fehlen."

Unter den Altenbachern, zumindest denen, die an diesem Abend da waren, ist schon so etwas wie eine Vorfreude zu spüren: "So ein Café ist doch ein Mittelpunkt. Ich glaube, dass es sich halten kann, wenn Ehrenamtliche das machen", meinte Ritha Gutfleisch. Anita Weber, eine treue Besucherin des Monatsfrühstücks, ergänzt: "Ich unterstütze das. Im Moment ist doch kaum noch was da in Altenbach."

Aber ist das Gemeindehaus-Café nicht eine Gefahr für den Dorfladen? Weber lächelt: "Dazu muss es erst einmal einen Laden geben. Und der ist nicht sicher." Monika Rinneberg, deren Kinder Hannah und Paul die Zuhörer mit Klavierweisen unterhalten hatten, ist schon Mitglied im Förderverein – und sie will unbedingt das Café unterstützen. Auch Ortsvorsteher Herbert Kraus steht mittlerweile hinter diesem Projekt: "Dieses Café ist der Spatz in der Hand. Aber wir bemühen uns weiter um den Dorfladen. Vielleicht ergänzen sich beide doch."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung