13.10.2020

Am Heinrich-Sigmund-Gymnasium wird jetzt digital unterrichtet

Corona brachte zwar einen Schub beim Internet-Lernen, allerdings soll der nicht den direkten Kontakt ersetzen.

Von Maren Schenk

Schriesheim. Corona hat auch das private Heinrich-Sigmund-Gymnasium (HSG) "auf dem linken Fuß erwischt", wie Schulleiter Wolfgang Metzger und seine Frau Veruschka beim RNZ-Gespräch berichten. Doch jetzt läuft es "unter Pandemie-Bedingungen" wieder rund. Als größtes Problem könnte sich der Winter erweisen.

Mitte März mussten ja sehr kurzfristig alle Schulen geschlossen werden. Wie läuft es seither?
Wolfgang Metzger: Wir wurden auf dem linken Fuß erwischt und zweifelsohne sehr überrascht. Aber wir hatten zum Glück einen Schülervater, der IT-Berater ist. Er half uns, innerhalb von drei Wochen eine Infrastruktur aufzubauen, die danach digitalen Unterricht ermöglichte. Wir verwenden seitdem "Microsoft Office 365 Education" mit Teams und konnten somit 60 bis 70 Prozent des Unterrichts abdecken.

Wie verliefen die Abitur-Vorbereitungen unter Corona-Bedingungen?
Das war eine der größten Herausforderungen! Der Jahrgang hatte es schwer, die Schüler mussten gewissenhaft und selbstständig arbeiten. Aber wir sind mit einem blauen Auge davongekommen. Die Prüfungen liefen sehr gut, und alle Abiturienten haben ihre Reifeprüfungen erfolgreich bestanden. Im kleinen Rahmen konnten die Abiturienten ihr bestandenes Abitur auf der Molkenkur in Heidelberg feiern.

Für die jüngeren Schüler gab es lange nur Homeschooling. Wie hat das funktioniert?
Diese Zeit war sehr belastend für die Eltern. Primär wurden natürlich die Hauptfächer online unterrichtet – aber auch Sport-Theorie und -Praxis, da wir ja auch ein Sportprofil-Gymnasium sind. Aber wir merkten – wie wohl jede Schule: Der Präsenzunterricht und der direkte Kontakt zu unseren Schülern ist durch nichts zu ersetzen!

Seit dem Schulstart am 14. September findet nun "Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen" statt. Was änderte sich?
Alle Fächer finden nun wieder im Präsenzunterricht statt, allerdings wird der Sportunterricht so lange wie möglich draußen stattfinden. Neu ist bei uns, dass alle Schüler von Montag bis Donnerstag zwar von 8 Uhr bis 15 Uhr Präsenzunterricht haben, aber freitags werden fast alle Schüler digital nach extra angefertigtem Stundenplan unterrichtet – außer den neuen Fünftklässlern und den Schülern der Klasse 12, die nach neun Jahren Abitur machen. Diese haben auch am Freitag Präsenzunterricht und Seminarkurs. Unsere Fünftklässler werden erst in den medialen Unterricht eingeführt.

Warum gibt es bei Ihnen weiterhin teilweise Fernunterricht?
Wir möchten, dass die Schüler ihre digitalen Fertigkeiten festigen, indem sie weiterhin den Fernunterricht an einem Tag üben. Wir haben uns für diese Form entschieden, nachdem wir eine Umfrage bei Schülern, Eltern und Lehrern gemacht haben: 85 Prozent der Teilnehmer befürworteten dieses System. Eltern argumentierten zum Beispiel, dass die Schüler nicht verlernen sollten, auch digital zu arbeiten. Wir wollen, dass alle bei einer möglichen Klassenschließung vorbereitet sind. Die Lehrer bilden sich weiterhin freiwillig fort – zum Beispiel mit Schulungen zum digitalen Unterricht.

Aus verschiedenen Quellen gibt es Geld für die Digitalisierung der Schulen. Wie werden diese am HSG eingesetzt?
Fördergelder aus dem Digitalpaket Baden-Württemberg haben wir für die Anschaffung von Laptops genutzt. Wir haben Geräte für alle Fünftklässler bestellt. Diese sollen die Schüler sowohl im Unterricht nutzen als auch für daheim ausleihen können. Schüler der anderen Klassen nutzen ihre eigenen Geräte, Laptops, Tablets oder ihre Handys – ebenso alle Lehrer für den digitalen Unterricht.

Welche Corona-Regeln gelten im neuen Schuljahr?
Veruschka Metzger: Alltagsmasken müssen von allen getragen werden – im Bus-Shuttle, draußen während der Pausen und auch in den Gebäuden – nur im Unterricht dürfen sie abgenommen werden. Die Schüler verhalten sich sehr vernünftig. Für die Lehrer haben wir Plexiglasscheiben an den Pulten eingesetzt, sodass auch die Lehrkräfte dort die Masken abnehmen können.
Wolfgang Metzger: Als wichtigste Maßnahmen erachte ich das regelmäßige Stoßlüften! Spätestens alle 35 bis 45 Minuten lüften wir im Unterricht. Zu einem Problem könnte das Lüften im Winter werden. Wie der Schulalltag organisiert wird, das wird immer wichtiger – wichtiger als die Digitalisierung!

Hat die Mensa geöffnet?
Veruschka Metzger: Als Ganztagsschule haben wir uns entschlossen, unsere Mensa wieder zu öffnen – natürlich unter Pandemiebedingungen. Die Organisation war nicht einfach, aber auch dies konnten wir so regeln: Alle Klassenstufen essen zeitversetzt in ihrer Klassengruppe, sodass die Mensa nicht voll besetzt ist. Dazwischen wird der Raum gereinigt. Jeder muss Besteck und Getränke selbst mitbringen. Hierzu mussten alle Eltern ihr Einverständnis geben. Es gibt vorläufig kein Buffet und keine Selbstbedienung.

Gehören Schüler oder Lehrer zu einer der Risikogruppen?
Wolfgang Metzger: Toi, toi, toi – kein Schüler gehört zu einer Risikogruppe, bis dato sind alle gesund. Alle Lehrer werden im Präsenzunterricht eingesetzt. Wir sind aber eher vorsichtig bei Symptomen: Sollten Covid-19-Symptome auftreten wie Husten, Fieber, Halsschmerzen, dann bitten wir darum, die Schüler zu Hause zu lassen.

Was haben Sie aus der Corona-Krise gelernt?
Die Pandemie hat die Schwächen der nicht-digitalen Ausrüstung unserer Schulen aufgedeckt – und wir wurden aus dem Dornröschenschlaf geweckt: Deutschland hat den Status eines digitalen Entwicklungslandes. Wir haben derzeit einen Schub gemacht, um mit Riesenschritten unseren Abstand zu anderen Ländern aufzuholen – zum Beispiel zu den nordischen Ländern, die beim digitalen Unterrichten um einiges besser aufgestellt sind als wir. Das ist eines der wenigen positiven Aspekte der Pandemie. Wir müssen den Umgang mit dem Virus lernen, das uns noch eine ganze Weile erhalten bleiben wird. Vieles wird schwieriger, umständlicher und auch teurer. Ich hoffe nicht, dass es nochmals zu einem kompletten Lockdown in den Schulen kommen wird, sondern maximal zu klassenweisen Schließungen.

Wie starteten die neuen Fünftklässler am HSG?
Bei der Einschulung der Fünftklässler konnte leider nur ein Elternteil pro Kind teilnehmen. Sie fand in der Halle und draußen statt. Es gab kein Theaterstück wie sonst. Allerdings fand für die fünften Klassen ein "echter" Elternabend in großem Physik-Saal statt. Für alle anderen Klassen veranstalteten wir digitale Elternabende über unsere Plattform. Leider müssen alle Schüler im ersten Halbjahr auf einiges verzichten: Es wird keine Ausflüge geben, keine Exkursionen, kein "Jugend trainiert für Olympia", kein Sportfest. Trotzdem versuchen wir, den Schulalltag so schön wie möglich zu gestalten: zum Beispiel Muffins für alle, Essenswünsche der Schüler und ein Sportfest hoffentlich im Frühjahr 2021.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung