21.10.2020

Welche Autos fahren die Bürgermeister?

Welche Autos fahren die Bürgermeister?

In der Region hat fast keiner einen eigenen Dienstwagen. Die meisten fahren mit dem Fahrrad. E-Mobilität ist generell auf dem Vormarsch.

Schriesheims Bürgermeister Hansjörg Höfer hat keinen Dienstwagen, nur ein Rad. Foto: Dorn

Neckar/Bergstraße. (hö/ans/krs/web) Vor knapp zwei Wochen gab es in Sinsheim eine heftige Debatte um den neuen Dienstwagen von Oberbürgermeister Jörg Albrecht. Denn die Kraichgaustadt plante, für ihn einen Mercedes-Geländewagen, genauer: das Modell "GLC 220 d 4 matic" mit Dieselantrieb, anzuschaffen. Am Ende genehmigte Albrecht der Gemeinderat, wenn auch mit Bauchschmerzen angesichts der Klimadebatte, den neuen Wagen. Grund genug, in der Region zu fragen, welche Dienstfahrzeuge die Bürgermeister haben.

> Schriesheim: In der Weinstadt ist es ganz einfach: Bürgermeister Hansjörg Höfer hat gar keinen Dienstwagen, er fährt viel mit seinem Privatrad. Allgemein, so Hauptamtsleiter Dominik Morast, spiele "bei der Beschaffung von Fahrzeugen der Klimaschutz neben anderen Aspekten eine nicht unerhebliche Rolle. Wir verfügen über ein Elektrofahrzeug mit eigener Ladestation". Den Gemeindebediensteten steht ein Dienstfahrrad zur Verfügung, das unkompliziert gebucht werden kann. Die Stadtverwaltung nutzt zudem Carsharing.

> Hirschberg: Bürgermeister Ralf Gänshirt fährt gerne Rad, auch beruflich. Daher nutzt er immer wieder eines der drei Fahrräder der Kommune, darunter auch ein E-Bike. Laut Hauptamtsleiterin Anna Dorothea Richter plant die Gemeinde eine Unterstellmöglichkeit für Dienst- und Mitarbeiterfahrräder am Rathaus. Sobald diese realisiert ist, sollen weitere Dienstfahrräder angeschafft werden. Wenn der Bürgermeister für Dienstfahrten ein Auto benötigt, steht ihm ein 5-er BMW, ein Benziner, zur Verfügung, den er bei seinem Amtsantritt 2019 übernommen hat. Die Verwaltung hat insgesamt drei Dienstfahrzeuge, alles Benziner. Eines soll bis Ende des Jahres durch ein bereits bestelltes E-Auto ersetzt werden, einen Renault Zoe. 2019 wurde ein Auto der Verwaltung abgeschafft. Aktuell seien keine weiteren Anschaffungen von E-Fahrzeugen geplant, so Richter. Die Gemeinde prüft diese oder alternative Antriebstechniken allerdings, wenn ein Fahrzeugwechsel ansteht. Weil die Gemeinde aber nun zumindest ein E-Auto bekommt, wird am Rathaus auch eine Lademöglichkeit, eine "Wallbox", installiert. Für öffentliche Ladestationen gebe es auch Überlegungen, teilt die Hauptamtsleiterin mit. Sobald es eine Entscheidung gibt, will die Verwaltung die Bürger informieren. Zum Fuhrpark der Gemeinde gehören noch sechs Fahrzeuge für den Bauhof (fünf Diesel, ein Benziner), ein Fahrzeug für den Forst (Diesel) sowie eines für die Wasserversorgung mit Gasantrieb.

> Weinheim: In Diensten der Großen Kreisstadt rollen um die 90 Fahrzeuge, darunter alle möglichen Gebrauchsfahrzeuge wie Kehrmaschinen, Winterdienstfahrzeug oder Klein-Unimogs. Straßenkontrolle, Tiefbauamt und Grünflächenamt brauchen ebenso fahrbare Untersätze wie die Verkehrsüberwachung. Für die "allgemeine Verwaltung" gebe es nur zwei Fahrzeuge, so Stadtsprecher Roland Kern. Diese können für Dienstfahrten reserviert werden. Die Stadt biete aber auch drei E-Bikes an. 2019 hat Weinheims Klimaschutzkommission beschlossen, bei Neuanschaffungen auf E-Mobilität zu setzen, "wenn es wirtschaftlich vertretbar ist", es werden also keine funktionierenden Verbrennungsgeräte ausrangiert, um neue elektrische anzuschaffen. Aktuell steht im Bauhof aber eine Neuanschaffung an, ein E-Auto. Es gebe derweil auch Arbeitsfahrzeuge, für die keine sinnvolle E-Alternative auf dem Markt ist. Einen "Dienstwagen im klassischen Sinne" habe nur OB Manuel Just, so Kern. Bürgermeister Torsten Fetzner fährt entweder Rad oder ein E-Auto, das auch andere nutzen. Der OB-Wagen hat einen Verbrennungsmotor. Die Leasing-Konditionen für diesen Mercedes würden vor jedem Vertragsabschluss neu geprüft: Das Leasing eines E-Autos hätte erheblich mehr gekostet, weshalb die Stadt Abstand nahm. Immerhin geht’s um Steuergelder. Aber zementiert ist nichts: Die Verträge werden immer nur für ein Jahr geschlossen.

> Ladenburg: Einen Dienstwagen hat Bürgermeister Stefan Schmutz nicht, zur Verteilung der Altstadtfest-Rettungsboxen schwang er sich aber auf das E-Lastenrad der Verwaltung. Das hat die Stadt 2019 im Rahmen des Landesförderprogramms angeschafft, genutzt wird es von den Hausmeistern für Botengänge. Zwei Elektro-Autos hat die Stadt auch. Während eines ein Müllauto (Street Scooter Work) ist, dient ein Renault Kangoo Z.E. als Bereitschaftsfahrzeug für den Elektriker. Neuanschaffungen seien zurzeit zwar nicht geplant, Ziel sei aber die schrittweise Stärkung der Elektromobilität in allen Bereichen der Verwaltung.

> Edingen-Neckarhausen: Bürgermeister Simon Michler hat auch keinen Dienstwagen. Während der Amtsbote im E-Auto Renault Zoe seine Dienstfahrten erledigt, hat der Bauhof ein elektronisches Kippfahrzeug. E-Bikes hat die Gemeinde nicht. Neuanschaffungen sind nicht geplant, aber Stabsstellenleiterin Thea-Patricia Arras versichert: "Dabei wird generell auf umweltfreundliche und sparsame Modelle geachtet."

Als OB einer Großen Kreisstadt greift Manuel Just auf den Dienstwagen zurück. Foto: Dorn

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung