09.11.2020

Viel los auf dem Wochenmarkt - hier darf man sich noch treffen

Vielleicht ist deswegen momentan so viel auf dem Wochenmarkt los - Alle halten sich an die Maskenpflicht

Von Max Rieser

Schriesheim. Es ist ein klarer, kalter Samstagmorgen in der Kirchstraße. Doch trotz der knackigen Temperaturen haben sich vor den Ständen schon Schlangen gebildet. Was sofort auffällt, ist: Alle halten Abstand, alle tragen Maske. Das ist auch die Erfahrung, die Ivona Palaska gemacht hat. Sie ist gern mit ihrem Käsestand auf dem Markt in Schriesheim: "Es ist ein angenehmer Markt. Hier halten sich eigentlich alle an die Regeln und achten aufeinander". Auf anderen Märkten, die sie als Verkäuferin besucht, hat sie das schon anders erlebt: "Da musste ich die Leute auch schon mal darauf hinweisen, die Maske richtig aufzusetzen oder die Abstände einzuhalten." Sie findet, das gehört dazu in Zeiten, in denen von allen Rücksicht gefordert ist. "Ich bediene auch niemanden, der die Maske nicht aufsetzen will." Sagt sie klipp und klar.

Etwas anders erlebt Ulrike Schneider am Nachbarstand die Situation: "Die Leute vergessen einfach manchmal, die Maske aufzuziehen. Das ist aber meistens Unaufmerksamkeit und nicht böse gemeint." Sie findet, dass sich bald etwas ändern muss. "Die Leute sind rücksichtsvoll, aber langsam auch genervt, und das Arbeiten mit Maske ist sehr anstrengend."

Der kleine Platz füllt sich allmählich, und die Verkäuferinnen und Verkäufer haben alle Hände voll zu tun. "Am Andrang ändern die neuen Maßnahmen nichts, es ist eigentlich normal viel los", berichtet Ilona Palaska.

Am Obst- und Gemüsestand Jäck ist der Andrang sogar gestiegen, erzählt Ulrike Schneider, die vollgepackt mit Gemüsekisten zuerst fast keine Zeit für ein Gespräch findet. "Das Lebensmittelgeschäft boomt. Auch bei uns im Hofladen ist sehr viel los."

Für viele, vor allem ältere Menschen bedeuten die erneuten Beschränkungen auch einen Verzicht auf soziale Kontakte. Geschlossene Restaurants und Cafés, sowie Auflagen für private Treffen sollen soziale Kontakte minimieren. Doch ganz darauf verzichten wollen nur wenige. So kann der wöchentliche Einkauf auf dem Marktplatz auch zum Treffpunkt werden. Außerdem wollen viele den samstäglichen Gang auf dem Markt nicht missen. "Es ist halt was anderes als im Supermarkt. Hier kommen die Sachen aus der Region, und man kriegt sie direkt frisch. Außerdem trifft man immer mal jemanden, den man kennt", meint Gerhard Kuhn. Er kommt zwar nicht wöchentlich, aber regelmäßig auf den Markt und sagt: "Man muss natürlich die Maske aufsetzen und Abstand halten, aber dann kann man sich wenigstens kurz mal unterhalten. Geht ja gerade sonst nix."

Margarete Caspar kommt jeden Samstag auf den Markt. Sie ist auch bei der kalten Witterung mit dem Fahrrad unterwegs. "Es ist einfach ein schönes Einkaufen", schwärmt sie. "Man findet hier auch mal Sachen, die man sonst nicht kriegt, wie besondere Gewürze oder Pflanzen". Angst vor einer Infektion hat sie nicht. "Wenn man die Maske aufsetzt und die Abstände einhält, habe ich eigentlich keine Befürchtungen", sagt sie gelassen. Auch für sie ist der Markt eine Begegnungsstätte. Sie trifft hier Freunde und Bekannte aus Schriesheim beim gemeinsamen Einkaufen.

Doch nicht alle begegnen der Situation so sorglos. Einen kritischeren Blick auf das Geschehen hat Nicole Dietrich. Die Schriesheimerin kommt öfter mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern vorbei, wenn sie samstags auf dem Weg zum gemeinsamen Spaziergang sind. Auch sie schrecken die Regeln nicht ab, aber sie findet: "Momentan sollte man schnell kommen, einkaufen und wieder gehen. Einen längeren Aufenthalt sollte man in der aktuellen Situation vermeiden."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung