12.11.2020

Auch im Lockdown gibt es im Verein immer etwas zu tun

Wie die Freizeitvereine mit der zweiten Zwangspause umgehen - Die gemeinsam verbrachte Zeit ist aber durch nichts zu ersetzen

Schriesheim. (max) Freizeitvereine sind für viele Menschen das Salz in der Suppe und eine willkommene Abwechslung zum Alltag. Die meist wöchentlichen Treffen für die Mitglieder fallen jetzt im zweiten Lockdown weg. Doch für die Organisatorinnen und Organisatoren gibt es weiterhin viel zu tun. So berichtet Sascha Gernold von den Schriesheimer Naturfreunden: "Wir machen die Hütte in Arbeitsgruppen winterfest und erledigen, was so an laufenden Arbeiten ansteht. Da sind wir dann eben in kleinen Gruppen aktiv – und das läuft."

Auch das Besucherbergwerk Grube-Anna-Elisabeth muss ständig instand gehalten werden, berichtet Herbert Machatscheck. Traurig ist es für ihn dennoch: "Normalerweise beleben Dutzende von Besuchern die Bergwerksanlage, jetzt ist alles leer." Viele Vereine hatten einen zweiten Lockdown schon befürchtet und den Betrieb frühzeitig eingeschränkt. Doch auch der Odenwaldklub bleibt nicht untätig und nutzt die Ausfälle für die Planung zukünftiger Aktivitäten. "Wir versuchen, locker damit umzugehen, es bleibt uns ja auch nichts anderes übrig. Wir machen trotzdem Pläne für die Zukunft, damit nicht alles stockt und man wenigstens das Gefühl hat, es könnte danach weiter gehen", sagt die Vorsitzende Friederike Meyenschein.

Bei einigen Vereinen steht wiederum alles still: "Es ist absolute Eiszeit, bei uns geht nichts", fasst Angelika Strelow-Reichardt von der Theatergruppe "Die Rebläuse" die Situation zusammen. Für das kleine Ensemble fallen alle Möglichkeiten aus: "Proben geht eh nicht, weil unser Proberaum im Altenheim im Talhof ist. Und das ist momentan wie Fort Knox, da kommt keiner rein." Auch Claudia Ebert, die Leiterin des Förderkreises der Partnerschaft zwischen Schriesheim und der französischen Stadt Uzès, beklagt: "Ein Storno jagt den anderen. Wir konnten noch einen Chanson-Abend im Rahmen der Hygienemaßnahmen im Oktober machen, aber jetzt ist alles verschoben." Auch geplante Aktionen mussten ausfallen, was für die Organisatoren frustrierend ist. So sollte es beim Besucherbergwerk eine Feierlichkeit für die Spender zweier Pumpen geben. "Wir hatten ein Fest geplant, um uns persönlich bei den Spendern zu bedanken, das hat sich jetzt alles zerschlagen. Wir hoffen, dass wir das im nächsten Jahr nachholen können", betont Machatschek.

So unterschiedlich die Zielgruppen der Vereine sind, so unterschiedlich sind die Kontaktmöglichkeiten. Während bei einigen die wöchentlichen Treffen ausfallen wie bei den "Rebläusen", verschieben sie sich bei anderen wie dem Odenwaldklub teilweise ins Private: "Es sind viele Grüppchen und Stammtische, da hält man auch weiterhin Kontakt, und in Schriesheim läuft man sich ja auch mal öfter über den Weg." Wieder andere versuchen, den Kontakt übers Internet zu halten. "Wir versuchen diesen Monat auch das erste ,Zoom’-Meeting (die Internet-Videokonferenz-Plattform, Anm. d. Red.). Die älteren Mitglieder, die gern an den monatlichen Treffen teilnehmen, erreiche ich aber darüber wahrscheinlich nicht", meint Sascha Gernold. "Bei den ganz Kleinen ging gar nichts. Bei den Größeren konnten die Gruppenstunden in Selbstorganisation manchmal virtuell über ,Zoom’ abgehalten werden", sagt auch Gilbert Lauer vom Pfadfinder-Stamm Bärengrund.

Finanzielle Einbußen wirken sich unterschiedlich aus. Die meisten Vereine konnten die laufenden Kosten so stark absenken, dass sie sich mit Ersparnissen über die Krise retten können, und auch Austritte sind keine zu beklagen. Andere konnte ein Entgegenkommen der Energieversorger entlasten. Bei wieder anderen wie dem evangelischen Waldheim Spatschlucht e.V. fallen die Einnahmen durch Vermietung weg, die Kosten für die Räumlichkeiten bleiben aber bestehen, wie Lauer berichtet.

Die Vereine konnten sich bisher mit der Situation arrangieren. Viele haben die kurzen Lockerungen im Sommer genutzt, um sich auf den Winter und eine zweite Coronawelle vorzubereiten. Aber ob Ausweichmöglichkeiten, digitale Treffen oder regelmäßige Telefonate: Nichts kann den normalen Vereinsbetrieb ersetzen. So sagt Sascha Gernold: "Unser Vereinsziel, Leute in der Natur günstig zu bewirten und zu versorgen, das können wir ja momentan gar nicht richtig erreichen. Ein belegtes Brot in einer Tüte ist halt nicht das Gleiche wie eine schöne warme Suppe mit allen an einem Tisch." Auch Friederike Meyenschein findet: "Das gemeinsame Wandern und der Austausch, das fehlt leider." Und auch die Pfadfinder zieht es nach draußen: "Viele freuen sich sehr auf die Gruppenstunden, und die sind jetzt wahnsinnig enttäuscht, dass nichts läuft. Und von den virtuellen Treffen hat man einfach schnell die Schnauze voll", meint Gilbert Lauer.

Allerdings akzeptieren alle den Lockdown, die Gesundheit ihrer Mitglieder ist am wichtigsten. Für Corona-Leugner findet Claudia Ebert deutliche Worte: "Wenn sich in so einer Lage 20.000 Leute treffen, um gegen die Maßnahmen zu demonstrieren, und so die Gesundheit der anderen riskieren, dann sind das für mich Idioten."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung