20.11.2020

So gehen die Schulen mit Corona-Fällen um

Schließungen sollen auf jeden Fall vermieden werden - Im Kurpfalz-Gymnasium gibt es Sportunterricht jetzt vor allem im Freien

Von Maren Schenk

Schriesheim. Die Corona-Infektionszahlen steigen – auch in Schriesheim, wo am Donnerstag 24 Fälle gemeldet wurden. An den weiterführenden Schulen gilt seit 19. Oktober eine Maskenpflicht auch während des Unterrichts – außer beim Sport. Dies hat nun Folgen aufgrund von Quarantäne-Anordnungen vom Gesundheitsamt, wenn Infektionsfälle auftreten – wie kürzlich am Gymnasium. So ist die Lage an den weiterführenden Schulen:

> Kurpfalz-Gymnasium (KGS): Vor Kurzem wurden hier zwei Corona-Infektionsfälle bekannt – nun wird der Sportunterricht ab sofort in anderer Form durchgeführt: Wenn es das Wetter zulässt, soll der Sportunterricht nur noch draußen stattfinden, zum Beispiel als Wanderung, Spaziergang oder Freiluft-Workout. Dies gilt vorerst bis Weihnachten. Die Änderungen hat Schulleiter Hans-Peter Kohl am Montag den Eltern mitgeteilt.

Wie kam es zu dieser Änderung? Hintergrund sind zwei Infektionsfälle in achten Klassen und die darauf folgenden Quarantäne-Anordnungen des Gesundheitsamts. In dieser Klassenstufe wird Sport für Mädchen und Jungen getrennt unterrichtet, aber in klassengemischten Gruppen, sodass beispielsweise die Mädchen von zwei achten Klassen zusammen Unterricht haben, in der Halle, ohne Maske. "Dann schickt das Gesundheitsamt alle Schüler einer Sportgruppe bei einem Infektionsfall in Quarantäne, da alle als sogenannte Kontaktperson Kategorie I (KP1) gelten", erklärt Kohl. Sitznachbarn im normalen Unterricht gelten dagegen nicht automatisch als KP1, sondern als Kontaktpersonen Kategorie II (KP2) – wegen der Maskenpflicht. In diesem Fall forscht das Gesundheitsamt dann nach individuellen Kontakten – und schickt nicht die ganze Klasse in Quarantäne.

Dies bedeutete für das KGS bei den beiden Infektionsfällen: Eine halbe Klasse musste jeweils in Quarantäne zuhause bleiben, die andere Hälfte erhielt Präsenzunterricht. Die Quarantäne-Schüler werden von zwei Lehrern im Fernunterricht betreut, die Arbeitsmaterial weitergeben und Videokonferenzen abhalten. "Eine unbefriedigende Situation für diese Schüler – so wünschten sich Eltern zunehmend eine Lösung, damit nicht automatisch alle Sport-Mitschüler in Quarantäne müssen", berichtet der Schulleiter. Er beriet sich mit der Fachschaft Sport, wie sie das Risiko einer Quarantäne, ausgelöst durch Sportunterricht, verringern können. Sie verständigten sich auf die neue Leitlinie: Ab sofort bis vorerst Weihnachten soll Sportunterricht – wenn irgend möglich – im Freien stattfinden. Die Schüler sollen "passende Sportsachen für draußen und am besten auch eine Mütze" dabei haben.

Bei schlechtem Wetter könne der Sportunterricht – in angepasster Form – in der Halle stattfinden, so Kohl. Für die Schüler der Jahrgangsstufe, die einen Sport-Leistungskurs belegen, wird zum Teil praktischer Unterricht in der Halle stattfinden, zum Teil steht bei diesen Schülern aber auch theoretischer Sportunterricht im Schulgebäude auf dem Lehrplan.

"Bisher gibt es glücklicherweise keinen weiteren Infektionsfall in den betroffenen Klassen", sagt Kohl. "Und ich hoffe, dass wir mit der neuen Regelung noch besser die Infektionsrisiken minimieren und die nächsten Quarantänefälle abwenden können." Patrick Schmidt-Kühnle, Vorsitzender des Gesamtelternbeirats, ist froh über die neue Regelung. Denn das Anliegen der meisten Eltern ist, dass Präsenzunterricht stattfinden kann und es nicht wieder zur Schulschließung wie im Frühjahr kommt. "Daher halte ich die neue Regelung einer Art ‚Bewegungspause im Freien‘ beziehungsweise ‚abgespeckter Sportunterricht‘ für eine gute Option und sinnvoll für unsere Kinder." Denn wenn eine halbe Klasse in Quarantäne muss, findet natürlich auch der Präsenzunterricht in den Hauptfächern nicht statt. Schulleiter Kohl erinnert auch noch einmal an die Einhaltung der AHA-L-Regeln (Abstand – Händewaschen – Alltagsmaske – Lüften): "Ich sehe fast ohne Ausnahme, dass das in der Schule funktioniert. Dies sollte auch vor und nach dem Unterricht beachtet werden."

> Heinrich-Sigmund-Gymnasium (HSG): Am privaten Heinrich-Sigmund-Gymnasium (HSG) wurde am Dienstag ein Corona-Infektionsfall in einer fünften Klasse bekannt. "Daher sind seit Mittwoch alle Kinder der betroffenen Klasse zuhause in Quarantäne", berichtet Veruschka Metzger, die die Schulverwaltung am HSG leitet. In Rücksprache mit dem Gesundheitsamt werden nun die Kinder und die betroffenen Lehrer getestet – und das weitere Vorgehen abgestimmt. "Bereits am Mittwochnachmittag erhalten die Fünftklässler Online-Unterricht", erklärt Metzger, " das haben die Lehrer schon mit ihnen geübt."

Auf dem gesamten Schulgelände – auch in den Pausen –, im Bus und während des Unterrichts müssen Schüler und Lehrer eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen – "nur in der Mensa am Platz nicht". Der Sportunterricht (ohne Maske) findet seit Schuljahresbeginn möglichst draußen statt – meist im Sportstadion oder im Wald. "Wenn bei schlechtem Wetter die Sporthalle des HSG genutzt wird, dann nur von der Hälfte der Gruppe, die andere Hälfte ist in den nächsten Sportstunden dran", erklärt Metzger das rollierende System.

> Kurpfalz-Realschule: Auch hier gab es bereits einen Corona-Infektionsfall. "Das war noch vor der Maskenpflicht im Unterricht", berichtet Schulleiterin Petra Carse. Daher mussten die gesamte Klasse und eine gemischte Gruppe, die zusammen Technikunterricht hatte, in Quarantäne. Derzeit ist eine Lehrkraft infiziert und in Quarantäne, zwei Kollegen (KP1) müssen trotz negativen Testergebnisses noch in Quarantäne bleiben.

"Bei uns herrscht auch in den Pausen Maskenpflicht, da der Pausenhof zu klein zum Abstandhalten ist", sagt Carse. Essenspausen finden im Klassenraum statt, bei geöffnetem Fenster, in den letzten zehn Minuten jeder Doppelstunde. "Wir haben schon seit Anfang des Schuljahres den Sportunterricht hauptsächlich nach draußen verlegt", so Carse. Meist gehen die Schüler spazieren. "Sport in der Halle kann nicht mit gutem Gewissen durchgeführt werden", meint die Schulleiterin. "Wir suchen nach Alternativen, wenn die Witterung das nicht mehr zulässt, um die Quarantänehäufigkeit für Schüler möglichst klein zu halten, damit der Präsenzunterricht weiterhin nur mit kleinen Einschränkungen weitergehen kann." Allerdings vermisse sie konkrete Vorgaben vom Land. "Aber vielleicht ändert sich ja nächste Woche daran etwas."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung