21.11.2020

Tafel eröffnet neue Ausgabestelle am 1. Dezember im Gemeindehaus-West

Endlich ein fester Ort für die Tafel - "Weinheimer Lösung" hat sich mittlerweile zerschlagen

Von Micha Hörnle

Schriesheim. Die lange Suche nach einem Standort für die Schriesheimer Tafel ist zu Ende: Am Freitag wurde bekannt, dass am 1. Dezember eine Ausgabestelle für bedürftige Bewohner der Stadt im Evangelischen Gemeindehaus-West (Kurpfalzstraße 13) eröffnen wird. Diese wird dann einen Tag in der Woche, dienstags von 13 bis 15 Uhr, offen haben. Für diese Lösung haben sich die Stadt, das DRK Mannheim und die Evangelische Kirchengemeinde zusammengetan: Die Kirche stellt die Räume zur Verfügung, das DRK sorgt für die Ausstattung und Belieferung dieser sogenannten Mobilen Tafel, und die Stadt übernimmt ein etwaiges Defizit in Höhe von bis zu 4000 Euro. "Mobile Tafel" deswegen, weil es sich hier nicht um eine "richtige" Tafel in Form eines Supermarkts handelt. Sie sei eben, so erklärt Hubert Mitsch vom DRK Mannheim, "nur" eine Ausgabestelle der Mannheimer Tafel. Denn hier wird das verkauft, was in und um Mannheim eingesammelt wurde, und dienstags haben die dortigen Tafelläden geschlossen.

Den etwa 70 Quadratmeter großen Raum im Gemeindehaus will Mitsch mit einem Kühlschrank ausstatten, coronabedingt dürfen dort nur zwei Kunden gleichzeitig einkaufen. Das Sortiment soll Obst und Gemüse, aber auch Milch, Joghurt und Käse, vor allem aber Trockenprodukte wie Nudeln, umfassen, "das ist spendenabhängig", so Mitsch, "aber man wird das meiste für den Wochenbedarf hier schon bekommen". Nicht jeder kann hier einkaufen, dazu muss man auf dem Sozialamt einen Tafelausweis beantragen, im Moment haben den ungefähr 100 Schriesheimer Familien, etwa 200 bis 300 Personen. Auch in dieser Abgabestelle gibt es nichts umsonst, ein Einkauf kostet fünf Euro – auch um die Würde der Bedürftigen zu wahren. Die Erstausstattung wird durch eine Spende von 3000 Euro finanziert, die Ausgabe der Lebensmittel übernehmen vor allem Ehrenamtliche; es werden aber noch weitere Helfer gesucht (Telefon: 0621/3218123).

Bis Mitte März gab es bereits über fünf Jahre lang ein Tafel-Angebot in Schriesheim: zweimal die Woche im Freien, unter den Arkaden der Turnhalle der Strahlenberger Grundschule. Das war auch für Mitsch und seine Mitarbeiter auf Dauer kein tragbarer Zustand. Zumal Ende 2018 wegen eines Motorschadens das Kühlfahrzeug ausgefallen war, und Mitsch die Waren sich nur dann in Schriesheim auszuliefern traute, wenn es kälter als 25 Grad war. Mit dem Beginn des ersten Lockdowns wurde auch dieses Angebot eingestellt, Mitte Mai brachte Mitsch eine Sonderlieferung von 50 Lebensmitteltüten vorbei, die dann im Begegnungszentrum "Mittendrin" kostenlos ausgegeben wurden.

Insofern ist die neue Ausgabestelle für Mitsch schon eine Verbesserung: "Wir haben endlich einen festen Raum. Wir wollen mit einem Öffnungstag pro Woche, den aber verlässlich, klein anfangen." Andererseits stellt sich die Frage, ob es nicht Alternativen zu diesem Angebot gegeben hatte. So arbeitete die Bürgerbeauftragte Barbara Schenk-Zitsch an einem Modell, wie die Schriesheimer zum deutlich größeren und vor allem täglich geöffneten Weinheimer Tafelladen kommen könnten. Den betreibt die Caritas, er wird von den Schriesheimer Supermärkten beliefert, und hier kaufen schon etliche Schriesheimer Bedürftige ein. Im Interview hatte sie diese "Weinheimer Lösung" angedeutet. Doch dann einigten sich Stadt, DRK und Kirche ganz schnell. Schenk-Zitsch kann im Grunde auch mit der "Mobilen Tafel Schriesheim" leben. Für Mitsch war Weinheim keine Option: "Allein die Fahrtkosten dorthin wären zu hoch gewesen. Und die Tafel hätte die zusätzlichen Kunden aus Schriesheim erst mal verkraften müssen."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung