03.12.2020

Kulturvereine harren irgendwie aus - und sind zuversichtlich

Auch wenn die Proben und die Veranstaltungen gerade ausfallen müssen: Es werden jetzt schon Pläne für das neue Jahr gemacht - Existenzielle Sorgen haben die wenigsten

Schriesheim. (max) Der Umgang der Schriesheimer Kulturvereine mit den aktuell vorherrschenden Beschränkungen ist so unterschiedlich wie die Vereine selbst. Für alle bedeutet es einen herben Dämpfer, doch sie wollen am Ball bleiben.

Im Sommer hatten viele versucht, nach ihren Möglichkeiten die wöchentlichen Treffen wieder aufzunehmen. So berichtet der Chorleiter des Schriesheimer Kammerchors, Markus Karch: "Wir haben uns im August öfter im Freien zum Proben getroffen und haben da alles ausprobiert, sei es in Ladenburg oder in Schriesheim – immer mit Hygienekonzept und Abstand. Das war wirklich eine schöne Zeit und wir haben das sehr positiv empfunden."

Der Vorsitzende des historischen Fanfarenzugs Schriesheim, Alfred Nullmeyer sagt: "Wir hatten kurz vor den Sommerferien wieder mit den Proben angefangen, weil es da ein einheitliches Hygienekonzept vom Südwestdeutschen Fanfarenzug-Verband gab, aber als die Zahlen wieder stiegen, dachten wir uns schon, dass da wieder was kommt."

Auch die Erste Vorsitzende des Kulturkreises Schriesheim, Gabriele Mohr-Nassauer, ist froh, dass sie den Sommer mit dem Verein nutzen konnte. "Ende August hatten wir die Musiktage, da sind wir auch sehr froh, dass das noch stattfinden konnte, und das Museum war im Sommer zum Glück auch noch auf." Die Hygienebestimmungen wurden von allen penibel eingehalten, und Thomas Weber vom Schriesheimer Kammerorchester sagt: "Wir haben in der Zwischenzeit mit Masken gespielt und Abstände eingehalten, wir waren braver als brav."

Um keinen allzu großen Leistungsabfall zu erleben, müssen die Musikvereine aber trotz aller Widrigkeiten proben. Doch wie soll das umgesetzt werden, wenn man nur zu Hause üben darf? Die Sänger des Kammerchors treffen sich regelmäßig online und erhalten eine vom Chorleiter organisierte Übungsstunde: "Wir sehen uns bei den Videoproben, da kann man vorher kurz plaudern, dann schalte ich alle stumm und beginne die Probe. Das funktioniert auch gut", freut sich Markus Karch.

Beim Fanfarenzug sieht es nicht ganz so rosig aus: "Wir haben es mal probiert, online zu proben, aber das funktioniert mit Fanfaren gar nicht. Man schafft es nicht gleichzeitig, und wenn es einen Fehler gibt, weiß man nie genau, von wo, wenn man nicht dabei ist", so Alfred Nullmeyer. Ähnliches berichtet Thomas Weber aus dem Orchester.

Froh sind die Vereine über ihre Mitglieder, denen auch ihre ganze Sorge gilt. "Solange uns das Virus nicht ein Mitglied nimmt, mache ich mir keine Sorgen, dass Mitglieder abspringen", sagt der Vorsitzende des Fanfarenzuges. "Die Mitglieder halten uns die Treue, und wir haben auch einen schönen Zuwachs bekommen. Die Leute kommen immer wieder zu uns und sagen, dass sie froh sind, dass wir was machen und wollen uns da unterstützen", meint Gabriele Mohr-Nassauer, und auch Karch erhält weiter Unterstützung. "Das Gefühl, dass jemand abspringen will, habe ich eigentlich gar nicht. Ich habe von vielen die Rückmeldung, dass man mit den Videoproben den Eindruck hat, es läuft weiter ohne große Unterbrechung. Es ist nur ein bisschen anders."

Finanziell steht die Kultur in Schriesheim auf festen Beinen. Viele der Vereine tragen sich durch Mitgliedsbeiträge und Zuschüsse über die stille Zeit ohne Konzerte und Ausstellungen. Auch wenn es bei manchen wie dem Fanfarenzug ein Loch in die Vereinskasse gerissen hat, bangt keiner um sein Bestehen.

Das größte Manko für die Kulturschaffenden ist, dass die Treffen und das gemeinsame Erleben ausfallen. Um nicht in eine Starre zu verfallen und sich von Frust und Ohnmacht plagen zu lassen, planen die meisten schon das nächste Jahr. "Wir können ja auch nicht so tun, als ob das Leben hier einen Punkt macht. So ist es ja nicht, und da haben wir trotz allem versucht, positiv nach vorne zu schauen", sagt die Vorsitzende des Kulturkreises.

Doch nicht nur als Lichtblick für Mitglieder und Organisierende laufen die Planungen weiter. Auch die gemeinsamen Termine mit der Stadt und anderen Vereinen müssen früh ausgemacht werden, da sie spontan nicht möglich sind, gibt Markus Karch zu bedenken: "Wir haben als konzertorientierter Chor auch Verbindlichkeiten gegenüber anderen Orchestern und Chören, das muss man schon jetzt planen, sonst kriegt man auch die Räume, die Orchester oder die Solisten nicht mehr."

Der Vorstand des Schriesheimer Verkehrsvereins, Joachim Müller, der auch um den Mathaisemarkt im nächsten Jahr bangt, hat bereits etwas Konkretes im Kopf: "Wir sind gerade dabei, barrierefreie Sitzbänke zu planen. Das geht auch während des Lockdowns." Und Thomas Weber findet: "Leben heißt, Pläne machen. Lieber streichen wir dann alles wieder zusammen, wenn es sein muss. Aber wir werden jetzt nicht abwarten und nichts tun."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung