19.12.2020

Jäcks Gemüsestand verabschiedet sich vom Wochenmarkt

Jäcks Gemüsestand verabschiedet sich vom Wochenmarkt

Die Mitarbeiterinnen des Gemüsestands der Familie Jäck, Ruth Lorenz, Ute Bauer und Uli Schneider (v.l.) verabschieden sich am heutigen Samstag von ihren Kunden. Foto: Dorn
Nach 15 Jahren ist jetzt Schluss - Der Grund: Personalmangel

Schriesheim. (max) 15 Jahre hat das Angebot der Familie Jäck den Schriesheimer Wochenmarkt bereichert. Nur noch einmal, am heutigen Samstag, haben die Besucher des Marktes die Möglichkeit, ihr frisches Obst und Gemüse am Stand der Jäcks zu kaufen, danach ist Schluss. Das ist für viele Marktbesucher schade.

"Das ist ein großer Verlust, der Gemüsestand ist ja das Herz eines Marktes", findet zum Beispiel Antje Nagler, die den Stand jeden Samstag ansteuert. Manfred Nagler geht noch einen Schritt weiter und sagt: "Das ist der beste Obstlieferant in Schriesheim." Max und Christina Dalichow sind Spätfrühstücker und kommen immer erst kurz vor Schluss. Für beide ist die Nachricht vom Abschied überraschend. Gemüse, Obst und Glühwein haben sie schon im Korb und wollen in Zukunft auf den Hofladen ausweichen, da sie gern frisch und unverpackt einkaufen. Auch Karla Rufer aus Schriesheim will das Angebot der Jäcks nicht missen und hat vor, öfter in den Hofladen zu gehen.

Angefangen hat alles im Januar 2005. Damals fand der Markt noch in der Heidelberger Straße statt und hatte außer ihnen nur drei weitere Stände. Sie konnten sich schnell und gut etablieren, der Marktstand bereitete ihnen Freude. Deshalb wird es ihnen als eingefleischtes Familienunternehmen nicht leicht fallen, diesen Schritt zu gehen, erzählt Landwirt und "Chef" Peter Jäck.

Der Grund für die Schließung ist Personalmangel. "Wir haben über Facebook und Instagram mitgeteilt, dass wir Unterstützung suchen. Das Interesse war auch groß, aber letztendlich kam niemand", berichtet Johannes Jäck. Er ist einer der beiden Söhne Peter Jäcks und wie dieser Obstbauer. Auch sein anderer Sohn Maximilian Jäck hilft mit, obwohl er selbst mittlerweile sein eigenes Weingut führt. Alle drei verlassen den Markt mit einem lachenden und einem weinenden Auge: "Es ist einfach eine schöne Atmosphäre, und man kommt auch mit den Leuten in Kontakt", sagt Peter Jäck. Er wird bald 65 und ist froh, wenn die Mehrbelastung wegfällt: "Das Anstrengendste sind die Vorbereitungen. Wir fangen schon donnerstags an, alles zu richten."

Johannes und Maximilian Jäck kennen diese Arbeiten sehr gut. Schon mit 15 und 16 Jahren haben sie geholfen, Kartoffeln zu packen und zu verladen. Seitdem sind auch sie ein fester Teil des Markttreibens. Peter Jäck gibt außerdem zu bedenken, dass es nicht nur Marktstand und Hofladen sind, die seine Energie erfordern, sondern in erster Linie auch der landwirtschaftliche Betrieb: "Das sind im Grunde drei Vollzeittätigkeiten, und in meinem Alter muss man Prioritäten setzen."

Die drei Mitarbeiterinnen, die Wind und Wetter trotzen und jeden Samstag parat stehen, werden den Markt mit gemischten Gefühlen verlassen. Ulrike Schneider ist die Dienstälteste und schon seit Tag eins dabei. "Wir werden es sehr vermissen", sagt sie, fügt aber hinzu: "Man merkt langsam das Alter. Das Verkaufen macht am meisten Spaß, aber wir kriegen hier alles in großen Einheiten und müssen viel schleppen, das ist wirklich sehr anstrengend." Der viele Betrieb macht ihr nichts aus, obwohl sie noch nicht mal dazu kam, das Frühstück einzunehmen. Wie Schneider ist auch Ruth Lorenz schon seit 7 Uhr am Stand. Auch sie ist seit 2005 dabei. Viel hat sie in den Jahren erlebt: "Wir hatten Tage, da war es so stürmisch, dass uns die Schirme und Kisten wegflogen." Vermissen wird sie die Stammkunden, die sie seit Jahren wöchentlich sieht. Sie freut sich aber, vielleicht manchmal samstags freizuhaben.

Im Gegensatz zu den beiden anderen wird Ute Bauer ab Januar nicht im Hofladen anzutreffen sein. Für sie endet die Tätigkeit für die Jäcks dieses Jahr. Seit drei Jahren unterstützt sie das Team samstags und vor allem dieses wird sie auch vermissen: "Es ist ein tolles Team, und wir hatten es immer sehr lustig." Eingestiegen war sie ursprünglich als Ausgleich zu ihrem Bürojob für eine Spedition. Seit zwei Monaten ist sie in Rente und empfand die Arbeit am Stand auch noch in anderer Weise positiv: "Man muss sich beim Rechnen und bei den Bestellungen sehr konzentrieren – und das ist auch gut für die Birne", sagt sie und lacht.

Ein Nachfolger für den Platz auf dem Markt steht noch nicht fest. Ein möglicher Bewerber ist Georgios Samouladas. Er betreibt bereits einen Stand mit griechischen Spezialitäten und würde das Angebot der Jäcks genauso weiterführen. Das muss aber am Ende Rolf Edelmann, der Vorsitzende des Schriesheimer Bundes der Selbstständigen, entscheiden.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung