21.12.2020

So entstand der Krippenspiel-Film

Von harten Dreharbeiten und plötzlichen Panikmomenten: Organisatoren der evangelischen Gemeinde berichteten über "verrücktes" Projekt

Von Max Rieser

Schriesheim. Die Gemeindepädagogin Carina Küsters hat eine turbulente Woche hinter sich. Wie eine echte Filmproduzentin zeichnete sie für den Dreh des Krippenspiels der evangelischen Kirchen von Schriesheim und Altenbach verantwortlich. Entstanden war das Projekt aus der Corona-Not heraus. Schon im Oktober diskutierte der Kirchengemeinderat darüber, auf welche Weise Gottesdienste an Heiligabend angeboten werden können – und somit auch über das Krippenspiel. Schon damals war fraglich, ob die Aufführungen stattfinden können. Nach den Verschärfungen der Kontaktbeschränkungen im November war klar: So wie immer würde das Krippenspiel nicht ablaufen.

Auf wiederholte Anfrage von Eltern bot Küsters an, die Organisation eines Films zu übernehmen – unter der Voraussetzung, dass sie erfahrene Kräfte findet. Sie brauchte jemanden für die Technik, für die Kamera, für die Kostüme und für den Ton. Und tatsächlich kam ein Team zusammen, das mit großer Expertise glänzt. Thomas Rinneberg von der evangelischen Kirche in Altenbach, der einer Musikerfamilie entstammt, kümmerte sich um das Drehbuch, die Kamera, den Schnitt und später noch das Einspielen der Musik. Jens Nobiling, der über ein eigenes Tonstudio verfügt, organisierte das Einsingen der Chorstimmen und den Ton, Antje von der Heide die Kostüme. Zunächst plagten Küsters Bedenken, da sie mit keinem vorher zusammengearbeitet hatte und die ersten Treffen nur online stattfanden: "Das war verrückt. Das gab es ja sonst nie. Und das war eine Herausforderung, weil man sich gar nicht richtig einschätzen konnte."

Bis auf kleinere Missverständnisse erwiesen sich die Bedenken als unbegründet. Der theatererfahrene Rinneberg begann im November, ein Drehbuch zu schreiben. Parallel dazu startete Küsters das Casting. Dabei konzentrierte sie sich auf Kinder, die eigentlich im evangelischen Kinderchor "Evangkehlchen" singen, aber wegen der Pandemie seit Februar nicht mehr proben. Dabei vermittelte sie allen, dass sie sehr flexibel sein müssten, der sich ständig verändernden Vorschriften wegen. Rollen mussten zu Hause verinnerlicht, Texte in Eigenregie einstudiert werden. Wer konnte, sollte sein Kostüm selbst besorgen, alle anderen wurden von Antje von der Heide eingekleidet. Eine Kamera wurde von der Gemeinde gestellt, die Sozialstation Talhof versprach einen echten Esel.

In der zweiten Dezemberwoche ging es endlich los – und schon fingen die Widrigkeiten an. Am ersten Drehtag fiel der Esel aus, da die zuständige Kraft vom Talhof erkrankt war. "Das war ein Stressmoment, aber da kam dann die Glaubensperspektive zum Tragen", berichtet Küsters, denn: "Ich hatte noch einen zweiten Kontakt in Altenbach, bei dem ich vorher kein Glück hatte." Just in dem Moment konnte sie doch jemanden erreichen und bekam den ehemaligen Zirkusesel "Nepomuk", auf dem Maria sogar später reiten konnte. Für die 18 Darstellender und die Crew war es eine schöne Erfahrung. Für die Kinder war neu, dass manche Szenen doppelt gedreht wurden oder entgegen der chronologischen Reihenfolge.

Das Tragen der Maske und das Einhalten der Abstände störten nicht. Regisseur Rinneberg freut sich: "Hat alles geklappt, alle konnten ihren Text, das war toll." Das sei sonst sogar schwieriger. An vier Drehtagen, die aufgrund der sich zuspitzenden Corona-Situation mehrmals verschoben wurden, sammelte Rinneberg eine Stunde Filmmaterial, das am Ende zu einem 20-minütigen Film zusammengeschnitten wird. Gedreht wurde an Orten wie der Oberstadt und den Weinbergen. Nobiling hatte vorher die Chorsänger einzeln einbestellt und die Stimmen einsingen lassen. Rinnebergs Familie steuerte den Instrumental-Part bei. Und Nobiling fügt alles zur Filmmusik zusammen.

Info: Am Nachmittag von Heiligabend kann der Film ab 15 Uhr auf dem YouTube-Kanal der evangelischen Kirche Schriesheim (EKiSchri) oder unter www.ekisa.de angeschaut werden.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung