16.01.2021

Der Wärmebild-Zeppelin hebt wieder ab

Am Montag setzt die MVV ihr "Climap"-Projekt fort - Damit wird der energetische Zustand der Häuser in Schriesheim dokumentiert

Von Micha Hörnle

Schriesheim. Ab Montag steigt er wieder, der Wärmebild-Zeppelin des Energieversorgers MVV – wenn es die Witterung zulässt; am liebsten ist es den Mitarbeitern der Firma Airbus, es wäre sonnig und kalt. Das elf Meter lange unbemannte Luftschiff war vor gut zehn Monaten einen Morgen lang in 150 Metern Höhe über Schriesheim geflogen, aber just an jenem 17. März begann der erste Corona-Lockdown, und die Aktion wurde abgebrochen. Aber das war es nicht allein: Vor allem war es an diesem Tag deutlich zu warm: Die Fachleute hätten die Temperaturunterschiede zwischen Innen und Außen kaum erfassen können.

Mit Wärmebildern aus der Luft betraten die MVV und die Stadt Neuland: Mithilfe des Zeppelins hatten sie damit begonnen, eine detailgetreue Wärmelandkarte für Schriesheim zu erstellen. "Climap" nennt sich das MVV-Pilotprojekt, für das der Gemeinderat im Februar 2020 23.000 Euro bewilligte. "Schriesheim ist die erste Stadt, die wir aus der Luft vermessen, um eine detaillierte Wärmelandkarte zu erstellen", erläutert Simon Gans aus dem MVV-Projektteam. Der Vorteil der "Climap"-Methode: Da das Luftschiff in geringer Höhe fliegt, sind sehr präzise Analysen an Dächern und Fassaden möglich.

Hauseigentümer haben dann die Möglichkeit, einen individuellen Energiebericht über ihr Gebäude zu kaufen; vor einem knappen Jahr waren 50 Euro im Gespräch. "Der Energiebericht zeigt mögliche Schwachstellen bei der Wärmedämmung von Häusern auf. So hilft er Hausbesitzern bei der energetischen Einschätzung ihrer Immobilie", erklärt Gans. Die Wärmelandkarte und die Energieberichte sollen für Schriesheim in diesem Sommer im Internet auf www.climap.de verfügbar sein.

Das Luftschiff von "Airbus Defence and Space" ist mit zwei Wärmebildkameras ausgestattet, die das Stadtgebiet detailgetreu dreidimensional aufzeichnen. Zusätzlich kommt ein Thermografie-Kamerasystem des Konstanzer Unternehmens Vaireco zum Einsatz, mit dem sowohl zweidimensionale Aufnahmen als auch ein thermografisches 3D-Modell erstellt werden kann. Einzelne Personen oder Nummernschilder werden dabei nicht erfasst, sodass die Privatsphäre gewahrt bleibt.

Das Luftschiff ist wie im vergangenen Jahr auf den Sportplätzen in der Nähe der Mehrzweckhalle in einem Container geparkt. Stimmen die Wetterbedingungen, startet es mithilfe von zwei, jeweils drei Kilowatt starken Elektromotoren in den Himmel über Schriesheim, bis die angepeilte Flughöhe erreicht ist; Techniker steuern den Zeppelin vom Boden aus. Bei Regen oder Wind mit einer Geschwindigkeit von mehr als 20 Stundenkilometern bleibt das Luftschiff am Boden.

Für den Montag sieht es im Moment recht gut aus: Für Schriesheim sind zwischen zwei und drei Grad, kein Regen und eine Windgeschwindigkeit von zwölf Kilometern pro Stunde vorausgesagt; am Dienstag soll es regnerischer werden.

Info: Immobilienbesitzer, die einer Darstellung ihrer Immobilie oder der Nutzung in der MVV-Wärmelandkarte widersprechen wollen, wenden sich per E-Mail an die MVV: kontakt@mvv.de.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung