23.02.2021

Frühling sorgt für Riesenandrang im Steinbruch

Frühling sorgt für Riesenandrang im Steinbruch

Am letzten Wochenende, vor allem am Sonntag, war im Steinbruch am Ölberg „die Hölle los“, wie der RNZ berichtet wurde. An die 100 Personen, vor allem Kletterer, hätten sich dort aufgehalten. Zumindest für diese gilt im Moment kein Betretungsverbot. Foto: Dorn
Kaum war es warm, wurde es voll - Momentan kein Betretungsverbot

Schriesheim. (hö) Am vergangenen Wochenende, dem ersten richtig frühlingshaften in diesem Jahr, wurde es nicht nur in den Weinbergen und Wäldern Schriesheims voll, sondern auch im Steinbruch. Die große Frage ist, ob das rechtmäßig ist. Prinzipiell ja, denn grundsätzlich gibt es kein Betretungsverbot für den Steinbruch, wie die Stadtverwaltung auf RNZ-Anfrage mitteilt. Wichtig ist allerdings: Das gilt nur für Kletterer, nicht für andere Freizeitsportler wie Spaziergänger oder Mountainbiker.

Während das Bergsteigen im Steinbruch – einem ausgewiesenen Klettergebiet – während des Lockdowns im letzten Frühjahr verboten war, ist es jetzt anders. Denn es handelt sich hier um "Sport auf einer weitläufigen Anlage", sodass die Definition der Corona-Verordnung gilt: "Weitläufige Anlagen im Freien wie Golfplätze, Reitanlagen oder auch Tennisplatzanlagen dürfen auch von mehreren individualsportlich aktiven Personen unter Einhaltung der Abstandsregeln genutzt werden. Umkleiden, Aufenthaltsräume und andere Gemeinschaftseinrichtungen dürfen nicht genutzt werden."

Kontrollen sind kaum möglich

Mit der "AG Klettern und Naturschutz im Odenwald e.V." stehe das Rathaus im regelmäßigen Austausch bezüglich der Corona-Regeln, die selbstverständlich auch im Steinbruch einzuhalten sind. Eine Überwachung oder eine Ahndung bei Verstößen sei "tendenziell schwierig". Im Grund gelte auch im Steinbruch, wie so oft in der Pandemie, "dass die Eigenverantwortung jedes einzelnen Bürgers von höchster Bedeutung ist". Daher appelliert die Stadtverwaltung an alle, "die Corona-Regelungen auch weiterhin gewissenhaft zu beherzigen". Christian Kohl von der AG sieht das genauso, weist aber darauf hin, dass allein schon wegen der verschiedenen Aufstiegsrouten die Kletterer Abstände einhalten. Eine andere Frage aber sei, ob beim gemeinsamen Sport auch die Corona-Regel "Eigener Haushalt plus eine Person" eingehalten werde. Er hält sich daran, denn er klettert nur mit seiner Lebensgefährtin, mit der er auch zusammen wohnt.

Nicht nur Kletterer unterwegs

Ihm ist allerdings beim letzten Mal, als er im Steinbruch war, am Freitagvormittag, noch etwas anderes aufgefallen: Zwar war da nicht so viel los wie am Wochenende, aber er beobachtete etliche Wanderer und Mountainbiker. Und so stellt er einen "steigenden Freizeitdruck" auf diesem Gelände fest: "Der Steinbruch etabliert sich als Destination für alle Freizeitsportler." Dabei umgehen oder übersteigen sie die Zäune, die wiederum durchaus ihre Lücken haben: Ein Teil am Hang in Richtung Dossenheim ist sogar weggerutscht – und deswegen wünscht er sich vom Regierungspräsidium Karlsruhe als Naturschutzbehörde, dass die Zäune wieder auf Vordermann gebracht werden.

Zudem sind Wanderer und Biker längst nicht so geschult wie ausgebildete Kletterer, die über die Absturzgefahren Bescheid wissen und sie gerade an der Abbruchkante besser einschätzen können – gerade weil die Warnschilder oft verschwinden. Aber auch bei manchen Bergsteigern hapert es: "Oft fehlt die Selbsteinschätzung", so Kohl, "ich sehe oft Eltern, mit ihren Kindern ohne Helme. Das ist verantwortungslos."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung