27.02.2021

Für Wolfgang Fremgen ist Fahrlehrer und Grüner kein Widerspruch

Für Wolfgang Fremgen ist Fahrlehrer und Grüner kein Widerspruch

Wolfgang Fremgen hat im letzten Jahr seine Fahrschule verkauft, bleibt aber der Branche treu. Foto: Dorn
Wolfgang Fremgen verlässt nach zehn Jahren den Gemeinderat - Er orientiert sich beruflich nach Heilbronn um

Schriesheim. (hö) Nach zehn Jahren verlässt Wolfgang Fremgen den Gemeinderat; erst in der letzten Sitzung hatte der Noch-64-Jährige die Medaille des baden-württembergischen Gemeindetags erhalten. Im Gespräch mit der RNZ zieht der aus der Westpfalz stammende Fahrlehrer, der seit 1985 in Schriesheim wohnt, eine Bilanz dieser Zeit und erklärt, was ihn als Fahrlehrer in die Kommunalpolitik gezogen hat.

Herr Fremgen, was ich Sie schon immer fragen wollte: Wie kommt ausgerechnet ein Fahrlehrer zu den Grünen?
Wahrscheinlich gehöre ich da eher zu einer Minderheit. Aber ich hatte auch eine Zusatzausbildung für das Training im umweltschonenden Fahren gemacht und kam über diese Schiene zu grünen Themen. Und schließlich unterstützte ich Hansjörg Höfer in seinem Bürgermeisterwahlkampf 2005.

Haben Sie den Einsatz für Höfer bereut?
Nein. Als Verwaltungschef kann er nicht alle Vorstellungen der Grünen Liste oder seine eigenen durchsetzen, er ist ja Bürgermeister aller Schriesheimer. Im Großen und Ganzen bin ich mit ihm zufrieden, er hat viel beim Ausbau der Kindergärten geleistet. Manchmal hätte ich mir etwas mehr Tempo gewünscht.

Wieso werden Sie am Mittwoch den Gemeinderat verlassen?
Im letzten Frühjahr habe ich meine Fahrschule verkauft. Nebenberuflich begann ich dann mit der Fahrlehrerausbildung in Heilbronn. Jetzt hatte ich das Angebot, die Leitung der Fahrlehrerausbildungsstätte zu übernehmen. Und somit habe ich nicht mehr die Zeit, dem Auftrag der Wähler im Gemeinderat nachzukommen, wie ich es für richtig und angemessen halte. Leider.

Aber es ist doch ungewöhnlich, wenn man mit fast 54 Jahren, also in einem Alter, an dem man an die Rente denkt, noch einmal beruflich durchstartet.
Ich bin gesund, mir macht die Arbeit Spaß, und der Aufbau der Ausbildungsstätte ist auch ein bisschen mein Baby.

Fehlt Ihnen denn die Arbeit mit den Fahrschülern?
Ich komme ja aus dem Lehrerberuf – und kenne die Arbeit mit den Fahrschülern zur Genüge. Aber auch schon vorher war ich in der Fahrlehrerausbildung tätig. Und wenn der Fahrlehrernachwuchs gut ausgebildet wird, kommt das ja auch den Fahrschülern und dem Berufsstand zugute.

Und wie kamen Sie in den Gemeinderat?
Ich wurde 2004 erstmals gefragt, ob ich mich kommunalpolitisch engagieren will. Und ökologische Themen haben mich immer gereizt.

Haben Sie damit gerechnet, 2014 und 2019 wiedergewählt zu werden?
Wenn man sich aufstellen lässt, möchte man auch gewählt werden. Ich kam ja 2011 als Nachrücker für Johannes Scharr in den Gemeinderat.

Was war denn Ihr größter Erfolg?
Ich sehe mich nicht so sehr als Einzelkämpfer, sondern als Teil meiner Fraktion. Aber die Ausweitung der Erneuerbaren Energien und dass die Stadt jetzt 100 Prozent Ökostrom bezieht, finde ich gut. Auch dass die Altstadtsatzung geändert wurde und jetzt Solaranlagen auf den Dächern möglich sind. Ich freute mich über den Beschluss für den Friedwald, denn jeder sollte seine Bestattungsart frei wählen können. Was ich mir allerdings gewünscht hätte, wäre, dass die Ladestation für Elektrofahrzeuge am Schillerplatz endlich gebaut wird.

Apropos Solaranlagen in der Altstadt: So eine richtige Massenbewegung ist das noch nicht geworden, wenn man von der Strahlenburg herunterschaut.
Das kann auch daran liegen, dass die Dächer von der Strahlenburg aus gesehen anders angeordnet sind. Aber generell gilt: Photovoltaikanlagen lohnen sich nur, wenn man sie selbst nutzt, eine Einspeisung rentiert sich kaum.

Und was ist Ihr größter Misserfolg?
Ich hätte mir bei der Gymnasiumsanierung die finanziell günstigste Lösung gewünscht, die auch die anderen Schulen im Fokus hat. Ich hoffe, dass wir diese Entscheidung nicht bereuen. Aber nun bin ich dafür, dass die Sanierung wie geplant zu Ende geführt wird – und hoffentlich im Kostenrahmen bleibt. Was mich ärgert: dass Schriesheim überproportional für die Nutzung des Öffentlichen Nahverkehrs belastet wird.

Sie sind lange im Gemeinderat. Ist das Klima wirklich so angespannt, wie man manchmal den Eindruck hat?
Es gab durchaus Situationen, die unangenehm waren – aber letzten Endes ging es ja um unterschiedliche Argumente. Das Klima wird meistens besser, wenn die Entscheidungen getroffen sind. Persönlich bin ich mit den Kollegen gut ausgekommen.

Was werden Sie vermissen? Die Nachsitzungen der Räte etwa?
Ja, die vermisse ich wegen Corona schon länger. Vor allem werde ich meine Kollegen in unserer gut funktionierenden Fraktion vermissen. Wir haben uns wirklich gut verstanden – aber ich werde mich auch weiter engagieren. Und natürlich, dass man als Rat direkteren Einfluss nehmen konnte.

Werden Sie in die Kommunalpolitik zurückkehren?
Wenn es meine Zeit erlaubt, werde ich weiterhin im Hintergrund kommunalpolitisch tätig sein.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung