27.02.2021

Winzergenossenschaft hat neuen Geschäftsführer

Winzergenossenschaft hat neuen Geschäftsführer

Manuel Bretschi (2.v.r.) wird der neue Geschäftsführer der Winzergenossenschaft. Ihn bestimmten (v.l.) Vorstand Hartmut Haas, Vorstandsvorsitzender Karlheinz Spieß und Aufsichtsratsvorsitzender Winfried Krämer. Foto: Dorn
Manuel Bretschi aus Lampenhain bringt "frischen Wind" - Ihn verbindet viel mit Schriesheim - Erstes Ziel: Zeitgemäße Kommunikation

Von Micha Hörnle

Schriesheim. Ein Odenwälder leitet zukünftig die Winzergenossenschaft (WG): Manuel Bretschi aus Lampenhain, einem Ortsteil von Heiligkreuzsteinach, ist der Wunschkandidat des Vorstandes und des Aufsichtsrats. Am gestrigen Mittwoch – ziemlich genau 25 Jahre nach dem Beginn der Ära Harald Weiss – wurde diese Personalie bekannt, und Bretschi, den bisher nur Wein-Insider kannten, konnte sich ausführlich vorstellen: Er ist 39 Jahre alt, ist mit einer Schriesheimerin verheiratet, hat zwei Kinder (ein drittes ist unterwegs) und arbeitet seit neun Jahren in Bodenheim nahe Mainz beim Deutschen Weininstitut, dem zentralen Kommunikations- und Marketingorganisation der deutschen Weinwirtschaft. Dort ist er für die Aus- und Weiterbildung zuständig und organisiert Weinseminare oder -reisen. "Eigentlich beschäftige ich mich mein ganzes Leben mit Wein."

So fing er nach der Kurpfalz-Realschule einst im Eiterbacher Nobellokal "Zum Pflug" an, schließlich lernte er im "Strahlenberger Hof" Restaurantfachmann, später studierte er Internationale Weinwirtschaft in Geisenheim, immer wieder unterbrochen durch berufliche Aufenthalte und Reisen, vor allem nach Südafrika – eine interessante Parallele zu Harald Weiss. Das Studium als Wirtschaftsingenieur blieb eher eine Episode.

Eigentlich wäre er gern dort im Rheinhessischen geblieben, doch dann las er, eher zufällig, die Stellenanzeige der WG – und bewarb sich, "weil ich hier etwas bewegen kann". Die räumliche Nähe zu seinem Odenwaldweiler habe dabei keine Rolle gespielt, wie er sagt. Zwischen den Jahren kam er zum Vorstellungsgespräch bei der WG, und Aufsichtsratsvorsitzender Winfried Krämer war gleich von Bretschis "sympathischen Auftreten" angetan. Er habe sich gleich "mit ihm wohlgefühlt". Auch Vorstandsvorsitzender Karlheinz Spieß sah alle "auf einer Wellenlänge": "Ich bin glücklich mit der Wahl, er ist mein Wunschkandidat."

Überhaupt sind Krämer und Spieß froh, dass es bei der Besetzung dieser wichtigen Stelle über ein halbes Jahr nach Weiss’ Eintritt in den Ruhestand doch Auswahl gab, "denn von anderen Winzergenossenschaften hört man, dass sich kaum jemand beworben hat", so Krämer: Ein Dutzend Personen hatten ihre Unterlagen eingereicht – übrigens niemand aus den Reihen der WG. Dabei machte die WG keine Vorgaben, also beispielsweise ob ihr neuer Geschäftsführer von außen kommen sollte, wie Spieß beteuert. Ihm geht es vor allem um "frischen Wind", den der neue wehen lassen solle.

Ganz mit dem Alten will aber auch Bretschi nicht brechen, er steht weiter voll und ganz zur Qualitätslinie, die Weiss einst etabliert hatte: "Wir werden den Preiskampf mit unseren vielen Steillagen nicht gewinnen, wir können uns nur über die Qualität definieren." Bisher hatte er Kontakt mit seinem Vorgänger Weiss – und würde den auch halten, wenn der dazu bereit sei. Auch am Ziel einer eigenständigen WG will Bretschi festhalten, sagt aber, dass der Weinmarkt "hart umkämpft" sei. Er sieht die WG und Schriesheim im Herzen der Metropolregion und so nah am Tourismuszentrum Heidelberg gut aufgestellt: "Regionalität und hohe Qualität spielen für uns." Eine andere Frage ist, ob die WG ihren etwas altbackenen Namen behalten soll und sich nicht etwas Schickeres wie zum Beispiel die Heppenheimer "Bergsträßer Winzer" zulegen soll. Für Bretschi sind die "Werte hinter der Genossenschaft aktuell und positiv besetzt", aber ein bisschen sei es mit dem Namen beim "Toast Hawaii": "Lecker, aber nicht sexy." Aber allein ein neuer Name bringe nichts, dahinter müsse auch ein Qualitätsversprechen stecken.

Allerdings sieht der 39-Jährige durchaus Verbesserungspotenzial bei der Kommunikation und dem Auftritt der WG - und bei der "Marke Schriesheim". Denn "der größte Weinbauort an der Badischen Bergstraße" habe zwar viel Potenzial, sei aber immer noch zu unbekannt. "Wir müssen uns überregional in Szene setzen", sagt er – und verweist auf die Pfalz, die sich in den letzten 20 Jahren extrem gut entwickelt habe. Auch neue Vertriebs- und Absatzwege will "der Neue" erschließen und "alle Kanäle bedienen", sprich: sich auch der modernen Kommunikationswege bedienen und die etwas angestaubte Homepage der WG überarbeiten – was er als seine erste Aufgabe im Amt sieht. Darin weiß er sich mit seinen "Chefs", also dem Vorstand und dem Aufsichtsrat, einig, denn auch die seien "offen für Neues".

Dazu gehört nicht nur ein schärferes Profil für Schriesheim und seinen Wein, sondern auch eine bessere Sichtbarkeit im Stadtbild – denn man merkt wenig davon, dass Schriesheim eine Weinstadt ist. Krämer, der einst einen WG-Neubau auf dem Raiffeisengelände an der B 3 befürwortete, hat mit Bretschi auch darüber gesprochen – und er hat diesen alten Wunsch nicht aus den Augen verloren, "wenn sich eine bezahlbare Möglichkeit mit genug Platz bietet".

Die große Frage ist nur, wann Bretschi, der längst bei seinem alten Arbeitgeber gekündigt hat, in Schriesheim anfangen wird: "Der für uns schlechteste Zeitpunkt wäre der 1. Juli", sagt Spieß – also je früher, desto besser. Zumal die lange Zeit ohne Geschäftsführer ordentlich an den Kräften der Vorstände und der Aufsichtsräte gezehrt haben: "Wir sind sehr erleichtert. Denn wir müssen auch mal wieder Luft holen", sagt Spieß, "denn wir haben das alles im Ehrenamt geleistet." Zumal die Corona-Zeit für die WG wirtschaftlich nicht einfach war. Zwar schloss man das letzte Jahr mit einem Überschuss ab, aber die Luft ist dünn geworden, so ganz ohne die Gastronomie und die Feste, die zumindest – ganz im Gegensatz zum Lebensmittelhandel – halbwegs ordentlich bezahlen.

Und dann die Gretchenfrage: Welchen Schriesheimer Wein trinkt Bretschi am liebsten? "Riesling vom Schlossberg. Und den Sekt, meine große Leidenschaft."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung