27.02.2021

Kindergarten "Kunterbunt" soll in die Conradstraße ziehen

Allerdings bleibt die Verkehrssituation der Knackpunkt - Einstimmiger Grundsatzbeschluss des Gemeinderates für den Neubau

Von Max Rieser

Schriesheim. Jetzt kann es losgehen für den Kindergarten "Kunterbunt". Der Abriss des alten Gebäudes in der Mannheimer Straße und ein Neubau in der Conradstraße wurden in der Gemeinderatssitzung am Mittwoch einstimmig beschlossen. Für die Planung des neuen Gebäudes stehen 100.000 Euro im Haushaltsplan für 2021 bereit. Die Ausschreibungen sollen im März, spätestens aber im April auf den Weg gebracht werden. Bürgermeister Hansjörg Höfer erklärte die Gründe, bevor er den Etat den Gemeinderäten vorstellte.

Die Veränderung der Kinderbetreuung hin zu mehr Ganztagsangeboten sowie die erhöhte Nachfrage hätten einen größeren Kindergarten ohnehin nötig gemacht. Ein Baugutachten habe ergeben, dass es sich nicht mehr rechne, die alten Nachtspeicherheizungen zu ersetzen. Neue Brandschutzverordnungen würden außerdem so massive bauliche Eingriffe erfordern, dass ein Abriss schlicht der rentabelste Weg sei. Höfer betonte jedoch, dass das Gebäude generell nicht marode sei, eine Gefährdung der Kinder also zu keinem Zeitpunkt gegeben war.

Das Gelände in der Conradstraße auf einem alten Bolz- und Spielplatz bietet sich an, da es städtisches Eigentum ist und nicht erst ein Grundstück gekauft werden muss. Der Kindergarten "Wolkenschloss", der bereits in der Conradstraße angesiedelt ist, soll endlich aus den behelfsmäßigen Containerräumen ausziehen und ein eigenes Gebäude erhalten. Die Container sollen aber bis zum Abschluss der Sanierungen aller Kindergärten in Schriesheim bestehen bleiben, um eine Ausweichmöglichkeit zu bieten. Wo die Kinder des "Wolkenschlosses" langfristig untergebracht werden sollen, das sparte allerdings Höfer noch aus, es gibt allerdings schon erste Vorschläge für ein Gebäude oberhalb der B3, um näher an der Altstadt zu sein. Für beide Neubauten ist mittelfristig eine Summe von 6,5 Millionen Euro vorgesehen, was das nächste finanzielle Großprojekt nach der laufenden Sanierung des Kurpfalz-Gymnasiums wäre.

Alle Beteiligten zeigten sich dankbar für die vom Rathaus organisierte Sitzung zur "Zukunftsplanung Kinderbetreuung", die viele vom Neubauvorhaben überzeugte.

Nur waren die Fraktionen nicht von Beginn an glücklich mit der Standortwahl für den Neubau in der Conradstraße. Hier bereitete durchweg allen Räten die Verkehrssituation Kopfzerbrechen. Christian Wolf äußerte stellvertretend für die Grüne Liste, dass man den Bauplatz nach intensiver Analyse gutheiße, wenn drei Kriterien erfüllt seien: Erstens solle der Spielplatz nicht aufgegeben, sondern umgesiedelt werden. Hierfür käme laut Wolf das alte Gelände des Kindergartens nach dem Abriss in Betracht. Zweitens müsse ein professioneller Verkehrsplaner ein Konzept ausarbeiten, um den zusätzlichen Verkehr für die Anwohner zu entzerren. Drittens solle der alte Baumbestand berücksichtigt und nach Möglichkeit erhalten werden.

Diese Punkte unterstützte die CDU-Fraktion. Andrea Diehl erinnerte daran, dass schon für die Container des "Wolkenschlosses" zu viele Bäume gerodet worden seien. Man sei sich der finanziellen Belastung des Kindergartenneubaus bewusst, müsse aber im Blick haben, dass die Lebens- und Arbeitssituation vieler Bürger ein breiteres Betreuungsangebot nötig machten. Da der Ideenwettbewerb für den Bau des Kindergartens in der Hirschberger Straße schon viele gute Möglichkeiten aufgezeigt habe, könnte man hier Planungskosten sparen und den Auftrag zügig an Unternehmen in der Umgebung vergeben.

Nadja Lamprecht (Freie Wähler) machte das Verkehrskonzept ebenfalls zur Bedingung, um die Unterstützung ihrer Fraktion zusagen zu können. Sie schlug außerdem eine Kostendeckelung bei der Finanzierung vor und forderte die Endabrechnung des Kindergartens in der Hirschberger Straße miteinzubeziehen.

Renate Hörisch-Helligrath (SPD) betonte, dass Schriesheim bei der Planung der Infrastruktur zu frühkindlicher Betreuung immer früh dran war und dass es sinnvoll sei, diese Richtung beizubehalten, um eine attraktive Stadt für junge Familien zu bleiben. Sie sprach sich für ein "Wolkenschloss" in Altstadtnähe im Zuge des Gemeindeentwicklungskonzepts und Einzelhandelskonzepts aus.

Diesen Punkt fasste auch Ulrike von Eicke (FDP) auf und forderte, die Konzepte bei der Planung des Kindergartens zusammenzuführen. Sie zeigte sich überrascht, dass der Abriss nun so schnell gefordert würde, obwohl der Zustand des Gebäudes in der Mannheimer Straße schon lange klar gewesen sei. Von Eicke bedauerte, dass es in Schriesheim so wenig Auswahlmöglichkeiten für Neubauten gebe. Sie sprach sich auch für ein Verkehrskonzept aus, selbst wenn sie unsicher sei, ob eine Veränderung der Verkehrssituation in der Conradstraße tatsächlich möglich wäre.

Bürgergemeinschaft und AfD stimmten ebenso für den Grundsatzbeschluss.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung